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Pater Rajakumar - Foto Sven RapregerPater Rajakumar
aus dem Orden ‚Missionare des heiligen Franz von Sales‘

Ruhr Nachrichten vom 26.03.16

Pater Rajakumar ist seit einigen Wochen als Kaplan in der St.-Vitus-Gemeinde tätig. Theo Wolters stellt den 37-Jährigen in einem Gespräch vor.

Herr Pater, woher stammen Sie?
Ich bin in einer Ortschaft im Süden Indiens aufgewachsen. Dort wird Tamilisch gesprochen, meine Muttersprache. Ich bin der Älteste, habe noch eine Schwester und einen Bruder. Mein Bruder arbeitet in Miami als Ingenieur, meine Schwester ist Apothekerin in Indien. Im Alter von 15 Jahren bin ich 1994 ins Priesterseminar gegangen. Ich gehöre dem Orden ‚Missionare des heiligen Franz von Sales‘ an.

Das ist früh. Wie ist es dazugekommen?
Ich war Messdiener, was auch eine Rolle gespielt hat. Ich komme aus einem Dorf, indem es viele Priester gibt. Mittlerweile stammen 70 Priester aus meinem Dorf. Ich habe viele Gespräche mit Priestern geführt. Diese Gespräche haben im Alter von 12 Jahren in mir den Wunsch geweckt, Priester zu werden. Nach der zehnten Klasse habe ich mich dann dazu entschieden. Im Priesterseminar habe ich das Abitur abgelegt.

Seit wann sind Sie in Deutschland?
Seit Oktober 2011. Meine erste Station war Rheine, wo ich auch Bernhard Lütkemöller kennengelernt habe.

Wie kam es dazu, dass Sie nach Deutschland gekommen sind?
Ich bin im Jahre 2006 zum Priester geweiht worden. Anfang 2011 hat der Provinzial mich dann angesprochen, ob ich Interesse hätte, nach Deutschland zu gehen. Als Ordenspriester sind wir in der Welt unterwegs. Es hätte auch ein anderes Land werden können. Ich habe nicht spontan ja gesagt, sondern erst noch ein paar Tage überlegt.

Was ist denn das Schöne am Priesterberuf?
Man hat viel Zeit für Gott und die Mitmenschen.

Sind Sie denn jetzt in Vollzeit in Olfen?
Nein, ich habe in Olfen eine halbe Stelle und werde meine Doktorarbeit bei einem Professor an der Universität in Bochum schreiben. Das Thema wird etwas aus dem Neuen Testament sein, aber es steht noch nicht genau fest. Ich werde mich wahrscheinlich mit einem Abschnitt aus dem Lukasevangelium befassen. Ich schätze, ich werde so drei bis vier Jahre an der Doktorarbeit schreiben.

Sie sind nun einige Wochen in Olfen. Wie ist Ihr Eindruck?
Es ist ein schönes Städtchen und ich konnte schon einige Gruppen und Menschen kennenlernen. Ich fühle mich wohl in Olfen. Es ist beschaulicher als Rheine. Dort waren die Stadt (etwa 75.000 Einwohner, d. Red.) und die Gemeinde größer.

Haben Sie Hobbys?
Ich lese gern und höre gern Musik. Ich kann auch Klavier spielen. Ich habe es zwar nicht gelernt, aber habe es mir vom Hören etwas beigebracht. Ich höre gerne Musik aus meiner Heimat. Damit ich besser Deutsch lerne, lese ichdeutsche Bücher.

Gibt es auch noch andere Dinge, die Sie interessieren?
In Indien habe ich Basketball und Cricket gespielt. Nun fehlt mir die Zeit.

Wie lange werden Sie nun in Olfen bleiben?
Festgelegt ist, dass ich insgesamt zehn Jahre im Ausland bleibe. 2022 werde ich also zurück nach Indien gehen und dort irgendeine Stelle übernehmen. Es ist dann möglich, dass ich nach einigen Jahren in Indien wieder ins Ausland gehe.

Wie ist es zum Namen Rajakumar Mathias gekommen?
Rajakumar ist ein in Indien bekannter Vorname. Mein Taufname ist eigentlich Sebastian Rajakumar. Im Pass steht aber nur Rajakumar. Mathias ist bei uns auch ein Vorname. Mein Vater heißt Mathias. In meinem Bundesland ist es so, dass der Name des Vaters der Nachname des Sohnes wird. Deswegen heiße ich Rajakumar Mathias. Einen Familiennamen gibt es bei uns nicht wie hier in Deutschland.

Welche Bereiche werden für Sie in Olfen im Mittelpunkt stehen?
Jugendarbeit, vielleicht die Messdiener. Um die Messdiener habe ich mich auch in Rheine gekümmert. Ich lerne nun erst einmal alles in Olfen kennen. Dann sehen wir weiter. Ich freue mich auf die Zeit in Olfen.

Nun steht das Osterfest vor der Tür. Was für eine Bedeutung hat Ostern für Sie?
Ostern ist das wichtigste Fest des Christentums. Jesus ist auferstanden. Das heißt, das Leben wird weitergeführt – es gibt ein Leben nach dem Tod.

Wie verbringen Sie Ostern?
In Indien haben wir am Ostersonntag immer Familienmitglieder besucht. Hier werde ich Mitbrüder besuchen, die auch im Bistum Münster arbeiten. Im Bistum sind wir 14 Mitbrüder. Wir haben auch alle zwei Monate ein gemeinsames Treffen.

Ostern verbinden viele Familien, besonders die Kinder, mit dem Ostereiersuchen. Gibt es das auch in Indien?
Das gibt es bei uns nicht. Diesen Brauch habe ich erst in Deutschland kennengelernt.

Theo Wolters