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Bruder Ubald Besse
(+ 29.1.1983)

Bruder Uhland BesseP. Palmaz Säger (Sonderdruck aus »Thuringia Franctscana«, 2. Heft 1984)

Am Grab für Bruder Rhaban haben wir, wie üblich, zum Schluss ein Vaterunser für den aus unserer Gemeinschaft »Nächst-Sterbenden« gebetet. Bei sich im Stillen fragt sich dabei wohl mancher, wer es wohl sein werde. Dass es der Betreuer unseres Frauenberger Friedhofs, unser Gärtner Bruder Ubald, sein würde und er das Grab seines Landsmannes Bruder Rhaben nicht mehr werde bepflanzen können, daran hat von uns an jenem Samstag, dem 29. Januar 1983, sicher niemand gedacht. Das 79. Grab auf dem Klosterfriedhof musste für ihn geschaufelt werden.

Noch an jenem Samstagabend, spät in der Nacht, erhält unser Guardian aus Olfen telefonisch die Nachricht, Bruder Ubald sei gegen 19.45 Uhr im Auto seines Bruders tödlich verunglückt.

Die Kommunität wird am anderen Sonntagmorgen informiert. An der Stecktafel hängt, in großen Buchstaben zu Papier gebracht, die unfaßliche Mitteilung. Manch einer braucht lange, um überhaupt zu begreifen, und liest die wenigen Zeilen ein paarmal, ob es nicht heiße »schwer« verunglückt, aber dann muß er sich überzeugen, daß geschrieben steht: »tödlich« verunglückt. Wir würden also unseren Bruder Ubald, in den Jahren seines Fuldaer Aufenthaltes wie zu einer »Leitfigur« in der Gemeinschaft aufgestiegen, nie mehr lebendig wiederhaben! In der anbrechenden Woche hatten wir ihn neu gekräftigt und energiegeladen aus seinem Urlaub zurück­erwartet; statt dessen würden sie ihn als Toten auf den Berg heraufbringen zu Requiem und Beerdigung!

Nicht völlig unterdrücken lassen hat sich der egoistische Gedanke: wer wird künf­tig unseren Garten und den Friedhof betreuen! Genau zwei Monate vor Bruder Ubald, am 29. November 1982, war Bruder Pantaleon, sein treuer Kamerad und Helfer im Garten gestorben.

Wie angesichts des Lebens und Sterbens von Bruder Rhaban stehen wir abermals vor einem uns unbegreiflichen Handeln oder Zulassen Gottes, nur jetzt nicht wegen eines langsamen und hinsiechenden Erlöschens, sondern weil heimgeholt plötzlich und unerwartet mitten aus noch vollem Leben und Arbeiten heraus. Wer mit Bru­der Ubald etwas näheren Umgang gehabt hat, der kannte seinen aus religiöser Hal­tung aufsteigenden Leitspruch: »Der liebe Gott macht immer alles richtig!« In seiner Ansprache beim Requiem am Mittwoch, dem 2. Februar, hat P. Provinzial Silvester diesen Leitspruch Bruder Ubalds herausgehoben und damit der Kommunität signa­lisiert, wie dieser Tod und dieser Ausfall allein zu bewältigen sei. Unser toter Mit­bruder hat selbst den Wink dafür gegeben.

Die längste Zeit seines Ordenslebens hat Bruder Ubald im Kloster zu Kelkheim verbracht, über drei Jahrzehnte, vor und nach dem Krieg. Sein Noviziatsjahr hat auch er auf dem Frauenberg absolviert. Sehr würde uns interessieren, wie er über­haupt auf den Gedanken verfallen ist, »ins Kloster zu gehen«! Über sein inneres Erleben wie über seine äußeren Schicksale, selbst über Einzelheiten seiner Militär­und Kriegszeit wie der Gefangenschaft, hat er geschwiegen wie ein Grab. Immer hat er einen mit sich und seinem Leben zufriedenen Eindruck gemacht, hat seine

Berufung in den Ordensstand, soweit von außen darüber zu urteilen möglich ist, stets ernst genommmen und ist bis zum Ende seines Lebens treu dazu gestanden.

Er war ein Landsmann von Bruder Rhaban, stammte also aus Westfalen, wenn auch hart an der hessischen Grenze geboren; trotzdem, seiner ganzen Veranlagung nach ein »wiedererstandener Widukind«. In Engar bei Warburg, einem kleinen Ort, hat er am 17. Oktober 1913 »das Licht der Welt erblickt«. In der zuständigen Pfarr­kirche zu Hohenwepel wurde er am 21. Oktober auf den Namen Anton getauft. Vater Karl war selbständiger Schuhmachermeister. Aus der Ehe mit Elisabeth geb. Löthe sind zehn Kinder hervorgegangen. Wenigstens die Mutter hat kein hohes Alter erreicht. Die nächste Nachricht in den uns hier vorliegenden Papieren macht den kleinen Anton mitten im Westfalenland, in Olfen, am Dortmund-Ems-Kanal, ausfindig, und zwar anläßlich der Firmung. Am 12. Juni 1926 hat er dort in der Pfarrkirche durch den Bischof von Münster das Sakrament empfangen. Offen bleibt für uns, ob inzwischen die ganze Familie von Engar nach Olfen übergesiedelt ist oder ob Anton vielleicht bei Verwandten dort Unterschlupf gefunden hat. In Olfen hat er einige Jahre, wenn ^.:cht die gar.~e Schulzeit über, die Volksschule besucht. Unter dem Datum des 25. Februar 1928 ist von dort sein Schulentlassungszeugnis ausgestellt.

Obwohl, wie von Angehörigen glaubwürdig versichert wird, der »wildeste« unter den Geschwistern, muß er schon bei Abschluß der Volksschule sich zu einem Leben im Ordensstand berufen gefühlt haben. Doch wiederum nicht bekannt ist uns, wie er oder die Familie mit Franziskanern und mit Watersleyde bekannt geworden sind. Dort im Kolleg in Holland, nicht weit jenseits der deutsch-holländischen Grenze, hatte die Thuringia ein sog. Aspirantenheim eröffnet, gedacht für Brüder­nachwuchs. Besser hätte man gesprochen von einem Lehrlingsinternat. Für die in der Provinz gefragten handwerklichen Berufe hatte man in Watersleyde geeignete Brüder die Meister_.-rüfung ablegen, den Meistertitel und damit die Befugnis er­werben lassen, Lehrlinge auszubilden. In Aachen bot sich für die jungen Leute die Gelegenheit, die zuständige Fach-Fortbildungsschule zu besuchen und nach drei Jahren dort die Gesellenprüfung abzulegen. In dieses Lehrlingsheim zu Watersleyde ist Anton laut Eintrag in seiner Personalkarte am 16. November 1929 eingetreten, um sich als Gärtner ausbilden zu lassen und in den Orden einzutreten. Vielleicht hat er sich schon früher in W,-.tersleyde eingefunden. Denn Vater und Mutter haben ihre schriftliche Einwilligung zum Ordenseintritt ihres noch minderjährigen Sohnes schon am 2. Februar 1928 erteilt. Und da er am 19. Februar 1932 an der Berufs­schule, Fach Gärtnerei, Prüfung ablegt, dürfte er ab Ostern 1929 die Schule besucht haben.

Als Gärtnerlehrling trifft er in Watersleyde auf Bruder Gerhard Fink als seinen Meister (t 14. 12. 1951 in Watersleyde; vgl. Nachruf in ThFr NF7 [1952] 123 f). Nach drei Jahren, wie vorgesehen, legt er die Gesellenprüfung mit der Benotung »gut« ab, und zwar genauerhin in den Fächern Gemüse-, Obst- und Topfpflanzen­kultur. So berichtet sein Magister in Watersleyde, P. Nathanael, am 13. April 1932. Eingekleidet in den Dritten Orden war er am 19. März 1930, ein Jahr später hat er im Dritten Orden Profeß abgelegt. Sein Noviziat im Ersten Orden beginnt er am 11. Mai auf dem Frauenberg unter dem Namen Bruder Ubald. Ein Brüder­kurs von 11 Novizen; nach dem Tod von Bruder Ubald lebt davon nur nach ein einziger. Als Novizenmeister fungiert auf dem Frauenberg P. Otho Otterbein, der als eine tief innerliche Persönlichkeit geschildert wird (-[ 24. 11. 1955 in Marienthal).

Nach seiner Einfachen Profeß am 12. Mai 1934 erhält er Obedienz als Gärtner nach Bornhofen, im Oktober 1935 nach Kelkheim. Hier legt er am 25. August 1937

Feierliche Profeß ab. Doch sollte ihm vorerst nur kurze Zeit vergönnt sein, hier zu arbeiten. Mit der ganzen dortigen Kommunität ist er in die Fänge der Gestapo geraten. Am 15. Februar 1939 hat sie den Konvent »überfallen«, alle Hausbewoh­ner, zu diesem Zeitpunkt 8 Patres und 9 Brüder, gefänglich eingezogen und nach Frankfurt in das Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße verbracht. Die Patres wurden 65 Tage lang in Einzelhaft gehalten, bevor sie wieder auf freien Fuß ge­setzt wurden; die Brüder waren in einem Gemeinschaftsraum untergebracht und nur für wenige Tage. Aus dem Gefängnis entlassen, wurde Bruder Ubald auf den Frauenberg beordert, aber nur, um seinc Einberufung zum Militärdienst abzuwar­tcn. ~tihon am 17. Juni 1939 mußte er einrücken.

Erst nach über acht Jahren ist Bruder Ubald aus Militärdienst und russischer Ge­fangenschaft im Oktober 1947 heimgekehrt. Scheinbar hat er die lange, harte Zeit ohne körperlichen und seelischen Schaden überstanden. Ob er aber nicht doch zu lange und zu heftig psychischen Belastungen ausgesetzt gewesen ist? Die Erinnerung an die russische Gefangenschaft mag in ihm wie ein Trauma gebohrt haben. Über den zeitlichen Ablauf seines Soldaten- und Gefangenendaseins hat er nie erzählt, nichts über Einsätze, Fronten, an denen er gekämpft, nichts über evtl. Beförde­rungen und Auszeichnungen. Wie wenn er die Erinnerungen daran instinktiv zu verdrängen gesucht hätte. Nur gelegentlich, bei angeregten Unterhaltungen, zumal auf der abendlichen Rekreation, kam es zum Vorschein. Da brach es aus ihm heraus zum Thema Krieg, Russen, Kommunisten -, jedoch kaum auf unmittelbar per­sönliche Erlebnisse bezogen. Daß seine Zuhörer derartige Auslassungen darüber schon oft gehört hatten, scheint ihm dabei nie zum Bewußtsein gekommen zu sein.

Ob seine körperlichen Schäden, wie Magen- und Darmleiden in den 50-er Jah­ren, oder das ein Jahrzehnt später einsetzende Rheuma, oder Rückgratschwächung und Kreislaufschwächen, die ihm in späteren Jahren zunehmend zu schaffen mach­ten, Auswirkungen von fllterwerden oder ausgesprochene Alterserscheinungen ge­wesen sind, oder nicht doch Folgen von i7berforderungen während des Krieges und nachher »beim Russen«? In Fulda hat er deswegen regelmäßig das Hallenbad auf­gesucht. Sich im Wasser bewegen, schwimmen, das sei das beste Gegenmittel, sei ihm ärztlicherseits empfohlen worden. Gezwungen war er, immer ein Korsett zu tragen, selbst bei der Arbeit im sommerlich heißen Garten.

Nach Rückkehr aus Gefangenschaft wurde er abermals als Gärtner nach Kelkheim angewiesen und ist dort verblieben, bis er im Juni 1974 auf den Frauenberg geholt wurde, wo der noch größere Garten nach dem Tod von Bruder Theoderich Vollmar (]- 8.2. 1974) verwaist lag. Die ihm lieb gewordene Berufsarbeit, das Gärtnern, hatte er nicht verlernt. Im Gegenteil, es hat ihn ausgefüllt. Welche Freude für ihn, wenn die bepflanzten Beete sich füllten, aufblühten, zur Reife gediehen! Wenn die Ernte einzubringen war! Die Küche in Kelkheim wie auf dem Frauenberg hat er stets reichlich mit Gemüse und Salaten versorgt, und wenn die Sommersonne ihn nicht im Stich ließ, auch mit Tomaten. Gerne hat er auch anderleut von seinem Erntesegen einiges zukommen lassen. Anläßlich seines 25-jährigen Ordensjubiläums im Mai 1959, so der Konventschronist von Kelkheim, haben ihn die Schwestern im Hilfskrankenhaus in Anerkennung der vielerlei Beihilfen aus dem Garten im Lauf der Jahre reichlich beschenkt. Besondere Genugtuung hat es ihm Jahr für Jahr be­reitet, in Kelkheim wie auf dem Frauenberg, für die Kirche den Blumenschmuck in der jeweils gewünschten Farbe zu liefern, vor allem auf Ostern in Weiß, auf Pfing­sten in Rot, für die Weihnachtskrippe die selbstgezogenen Alpenveilchen.

Dazuhin besaß er ein wirklichkeitsnahes Abschätzungsvermögen, um nicht zu viel und nicht zu wenig anzupflanzen, Und kalkulierte außerdem seine Möglichkeiten und seine Kräfte. In Kelkheim hatte er bis 1958 Bruder Deocar Schuler als Helfer zur Seite; dann mußte er allein auskommen. Auf dem Frauenberg ist er von Anfang ohne Helfer dagestanden; Bruder Pantaleon war in den beiden Jahren, da er noch arbeiten konnte, damit beschäftigt, Unkraut zu jäten und auf Sauberkeit zu achten. Den Garten auf dem Frauenberg hat Bruder Ubald nicht in der besten Ordnung angetroffen. Sein unmittelbarer Vorgänger, Br. Theoderich Vollmar, hatte zwar schon für mancherlei Ordnung gesorgt, aber er hat den Garten nur ein Jahr lang betreut. Viele Jahre hindurch vorher hat sich der Frauenberger Garten keiner kun­digen Gärtnerhand erfreuen können. Es waren jeweils nur kurz angelernte Postu­lanten, die mit der Betreuung des Gartens schlechthin überfordert gewesen sind, ihren Kenntnissen wie ihren Kräften nach. Im Frühsommer 1974 hier angekommen, hat Bruder Ubald erst einmal sein Augenmaß spielen lassen, welche Teile des Gar­tens und wie große Teile er meistern könne. In Frage als Arbeitsfeld kam für ihn von Anfang an nur der weite ummauerte Garten hinter der Kirche, der »Garten« schlechthin. Die früheren Anhängsel, nämlich die an den Hängen des Frauenberges innerhalb der Ummauerung bepflanzten Geländeteile wie ebenso Kreuzgarten und und das Rosengärtchen vor der Pforte, hat er von vornherein aus seiner Betreuung ausgeschlossen, nicht aber den an den »großen« Garten angrenzenden Friedhof. Im Garten selbst hat er zwei Quadrate als Rasen angesät. Sonst hat er keine auffal­lenden Änderungen vorgenommen.

Seiner Arbeit ist er immer mit großem Interesse nachgegangen und war bereit, für sie auch persönlich Opfer zu bringen. Weil allein im Garten, hat er seinen Jah­resurlaub seit Jahren auf die Wintermonate verlegt. Fleißig, umsichtig, pünktlich, berechnend, die Zeit nutzend, immer jedoch zugleich von ihr Distanz wahrend. Von Arbeitswut hat er sich nie beherrschen lassen. Mittags gegen 11.30 Uhr, abends gegen 16.30 Uhr, waren seine Arbeitszeiten beendet, die übrige noch verbleibende Zeit gehörte ihm, der Gemeinschaft und Gott. In Erfüllung der religiösen Verpflichtungen hat er sich für die Kommunität geradezu als ein Vorbild erwiesen. Bei jeder reli­giösen Übung, nicht nur morgens, auch zur Sext mittags und abends zur Vesper, war er dabei. Den Altardienst hat er bis zuletzt eifrig wahrgenommen; er muß ihm ein persönliches, heiliges Anliegen gewesen sein. Durch seine eindeutige und ent­schlossene religiöse Art, in echt franziskanischer Weise marianisch ausgeprägt, hat er am stärksten auf die Gemeinschaft eingewirkt, ist zu einer ihrer »Säulen« geworden. Diese Bezeichnung auf ihn anzuwenden, dürfte nicht übertrieben sein.

Und nie hat er sich außerhalb der Gemeinschaf( gestellt, hat immer und überall sie mittragen helfen, jederzeit zur Stelle, wenn darum gebeten, bereit auch für an­dere, die verhindert, einzuspringen. Man hat bei ihm nie eine Fehlbitte getan, wenn er sie erfüllen konnte. Wie er in Kelkheim sich bei der Pflege von Bruder Candidus Wassermann eingesetzt hat, so hat er auf dem Frauenberg sich des immer hilfloser werdenden Bruder Vinzenz Metzler angenommen, zumal morgens ihn geweckt, waschen und anziehen helfen und ihn in die Kirche hinunter zur Kommunität be­gleitet.

Nicht als ob Bruder Ubald ein zartes Lamm gewesen wäre, das sich nicht hätte zur Wehr setzen können oder nicht genügend Selbstbewußtsein besessen hätte. Im Gegenteil! Man glaubte es zu verspüren, wie altes Sachsenblut in seinen Adern rollte. Nie hat er mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten, seinem Unwillen zuweilen mehr oder weniger lautstark Luft gemacht. Doch der getaufte Widukind ward sich seiner GotteskindschafE immer schnell wieder bewußt. Nach kurzem Pol­tern war die Atmosphäre bereinigt und die Landschaft lag ruhig und friedlich wie zuvor. Und hatte ein Oberer befohlen, hat Bruder Ubald nie widersprochen. „Wenn

der Obere etwas anordnet, wird es gemacht, wie er es will! -, auch dieser einer der Kernsprüche von Bruder Ubald.

Jederzeit ansprechbar, freundlich, gern zu einem Schwätzchen bereit - es durfte ihn nur nicht an der Arbeit hindern - so war er für jedermann innerhalb wie außerhalb des Konventes. Er hätte viele Freunde außerhalb des Klosters haben können, hat in Kelkheim wie noch auf dem Frauenberg viele Leute kennengelernt, mag manchem mit einer Spende aus dem Garten eine Freude gemacht oder eine Wohltat erwiesen haben, aber er hat Freundschaften nicht von sich aus gepflegt, auf dem Frauenberg nicht und wohl auch in Kelkheim nicht. „Es bringt nichts!", „Es tut nicht gut!", so und ähnlich pflegte er sich zu äußern, wenn darauf angesprochen.

Aufrecht, seiner Berufung getreu, die an ihn in früher Jugend ergangen, seiner Verpflichtungen sich immer bewußt, ist Bruder Ubald unbeirrt seinen Weg gegangen. Das haben wir, seine Mitbrizder, die tagtäglich um ihn waren, immer stärker ver­spürt und haben ihn um so höher geachtet. So haben wir niemals als bloßes frommes Gerede empfunden, wenn er uns belehrte: „Der liebe Gott macht immer alles rich­tig!". Er hat diese Worte aus innerster Überzeugung gesprochen. Mit dem Andenken an ihn wird dieses Kernwort in unserer Erinnerung stets verbunden bleiben. -

In den letzten Jahren hat ihm, und uns mit ihm, das Augenlicht schwere Sorgen bereitet. Es wurde zunehmend schwächer. Schon im Sommer 1964 war er am Grünen Star beiderseits operiert worden, mit Erfolg zwar, doch war der Krankheitsprozeß nicht völlig zum Halten gebracht, nur verlangsamt worden. Bruder Ubald war seit­dem Dauerkunde beim Augenarzt. Er konnte sehen nur noch bei hellem Licht. Bei dunklem Wetter konnte es ihm in den schmalen, langen Gängen des Frauenberges passieren, daß er mit voller Wucht gegen eine offenstehende Türe prallte. Ob der liebe Gott es mit ihm nicht tatsächlich »richtig gemacht« hat? Unvorstellbar für uns, wie der rührige Bruder Ubald einen längeren Lebensabend in völliger Blindheit hätte verbringen können!

Über den Unfall am Abend des 29. Januar 1983, der drei Todesopfer gefordert hat, unter ihnen Bruder Ubald und sein um acht Jahre älterer Bruder, hat in den folgenden Tagen die regionale Presse genugsam berichtet. Aus den Westfälischen Nachrichten Nr. 25 vom Montag, dem 31. Januar 1983, möge hier zum Schluß an­gefügt sein:

„Olfen. Opfer eines schweren Verkehrsunfalles auf der Bundesstraße 235 zwi­schen Olfen und Datteln wurden am Samstagabend gegen 19.45 Uhr die Gebrüder Karl und Anton B. aus Olfen, 77 und 70 Jahre alt. Beim Zusammenstoß ihres Ford­Escort mit einem aus Richtung Olfen kommenden VW-Passat wurden weitere vier Personen schwer verletzt.

Der 77-jährige Fahrer des Olfener PKW hatte die Absicht, von der Straße Lehm­hegge aus die B 235 in Richtung Springenkamp zu überqueren. Im selben Augen­blick fuhr ein mit drei Personen besetzter VW-Passat in die Flanke. Der Zusammen­prall war so heftig, daß der Ford-PKW 30 m weit geschleudert wurde und im Stra­ßengraben landete. Der VW überschlug sich mehrmals und blieb kopfüber ebenfalls im Graben liegen.

Der 70-jährige Anton B., der auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte, verstarb noch an der Unfallstelle, sein 77-jähriger Bruder auf dem späteren Trans­port vom Datteler Krankenhaus in die Neuchirurgische Klinik Essen.