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BarmherzigkeitJahr der Barmherzigkeit
Beleidigern gerne verzeihen

Das echste Werk der Barmherzigkeit
„Denen, die uns beleidigen, gern verzeihen“ ist das sechste Werk der Barmherzigkeit. Es lässt mich barmherzig sein an dem, der mich beleidigt hat, aber auch an mir selbst. Für uns beide ist es heilsam, zu verzeihen und zu vergeben.

Beleidigung verarbeiten
geschieht nach Anselm Grün in fünf Schritten:

  1. Der erste Schritt besteht darin, den Schmerz nochmals zuzulassen.
    Ich darf die Beleidigung des anderen nicht verharmlosen.

  2. Der zweite Schritt besteht darin, die Wut zuzulassen.
    Die Wut ist die Kraft, den, der mich beleidigt hat, aus mir heraus zu werfen.
    So kann ich die Wut in Kraft verwandeln und mich aus der Opferrolle befreien.

  3. Der dritte Schritt beinhaltet, dass ich objektiv anschaue, was bei der Beleidigung geschehen ist.
    Ich versuche zu verstehen: die Beleidigung, den Beleidiger und auch mich selbst – ohne zu bewerten.
    Ich entschuldige nicht, aber ich beschuldige auch nicht.

  4. Der vierte Schritt ist die eigentliche Vergebung.
    Ich befreie mich von der negativen Energie, die durch die Beleidigung noch in mir ist.
    In der Vergebung reiße ich mich los von der Bindung an den Beleidiger.
    Ich lasse ihn sein, wie er ist.

  5. Der fünfte Schritt besteht darin – wie es Hildegard von Bingen ausdrückt – die Wunde in eine Perle zu verwandeln.
    Dort, wo ich verletzt worden bin, bin ich auch aufgebrochen worden für mein wahres Selbst.
    So handle ich barmherzig: an dem, der mich beleidigt hat und auch an mir selbst.

Bibelstelle
Aus den alten Texten der Bibel.

Matthäus 18, 21+22: „Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

1 Petrus 3, 9: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem noch Kränkung mit Kränkung! Statt dessen segnet; denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen.“

Beleidigen“ meint: verletzen, betrüben und kränken.
Der Beleidiger hat oft ein feines Gespür dafür, was unsere Schwachstelle ist.

Beleidigen kann auch sein:

  • schlecht über jemanden reden
  • jemanden vor anderen lächerlich machen
  • jemanden links liegen lassen.

Das sechste Werk der Barmherzigkeit fordert mich auf, denen, die mich beleidigen, gern zu verzeihen. Viele fühlen sich damit überfordert.

"Verzeihen" - was heißt das?

Verschuldetes nicht anrechnen

  • einen Anspruch auf Wiedergutmachung aufgeben

Es ist aber nichts Passives. Es hat nichts mit Nachgeben zu tun, sondern ist ein aktives Werk der Barmherzigkeit, das auch uns selbst gut tut.

Gebet:

Barmherziger und guter Gott,
du vergibst mir immer wieder.
Du nimmst mich bedingungslos an.
Schenke mir den Geist der Vergebung.
Befähige mich, all den Menschen zu vergeben,
die an mir schuldig geworden sind.
Und gib mir auch die Gabe, mir selbst zu vergeben,
denn das ist für mich die schwierigste Aufgabe.
Gib, dass ich all das Unannehmbare in mir und anderen annehmen kann,
weil auch dein Sohn am Kreuz all das angenommen
und in seiner Liebe umarmt hat. Amen.