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Pfr. em Dr. Clemesn Engling - Foto: HPDEhe, Familie und Sexualität
Bischofssynode in Rom vom 5. bis 9. Oktober 2014
Pfarrnachrichten 'Gemeinsam unterwegs 2014'

Auf der Bischofssynode diskutierten Kardinäle, Bischöfe und Berater aus der ganzen Welt zwei Wochen lang über Ehe, Familie und Sexualität. Im kommenden Jahr sollen in einer zweiten Synode die Entscheidungen fallen.

‚Gemeinsam unterwegs‘ unterhielt sich mit Pfr. em. Dr. Clemens Engling über die Themen der Synode.


Die beiden umstrittensten Themen waren:

  • dürfen geschieden Wiederverheiratete zur Kommunion zugelassen werden?
  • werden Gleichgeschlechtliche als Familie anerkannt?

„Nach einer offenen Diskussion meldeten sich in der ersten Woche der Synode aufgeschlossene Stimmen.  

Doch in der zweiten Woche kamen viele konservative Beiträge zu Wort.“ erzählt Pfarrer em. Dr. Clemens Engling. „So wurde z.B. über die gleichgeschlechtliche Partnerschaft zunächst von einer ‚Bereicherung der christlichen Gemeinschaft‘ gesprochen, jetzt sollen sie nur noch eine ‚pastorale Aufmerksamkeit’ erhalten.“

„Es gibt ein neues Romgefühl“ freut sich Engling. „Nach 50 Jahren darf in der katholischen Kirche wieder offen diskutiert werden, so wie es beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 losgebrochen wurde. Da wagte Papst Johannes XXIII die große Offenheit. Sein Nachfolger Papst Paul VI (er wurde in diesen Tagen selig gesprochen) erließ später jedoch die Enzyklika ‚Humanae Vitae‘, nach der jede künstliche Geburtenregelung verboten ist.“

Viele Gläubige konnten dieses Gebot nicht akzeptieren. Die westeuropäische Kirche sprach darum von der ‚verantworteten Elternschaft‘ und empfahl den Gläubigen, sich auf das eigene Gewissen zu berufen.

„Priester, die sich gegen die Enzyklika oder den Zölibat aussprachen, wurden nicht zum Bischofsamt berufen.“ erzählt Engling. „So entwickelten sich eine konservative Kurie, aber auch entsprechende Bischöfe.“

Der heutige Papst Franziskus, ein Jesuit, versucht ganz vorsichtig einen anderen Weg zu gehen. Das erkennt man auch an den vielen äußeren Brüchen wie bei seiner Kleidung, Wohnung, den Reisen. Franziskus wünscht sich Offenheit, will die Zeit der Erstarrung beenden. Was bisher nicht diskutiert werden durfte stößt er an:

  • wie wird Sexualität gelebt;
  • wie gehen Eheleute miteinander um;
  • wie soll sich die Kirche gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten verhalten;
  • was ist mit den gleichgeschlechtlich Orientierten?

In dem Buch ‚Die Freude des Evangeliums‘ schreibt Papst Franziskus:

Mir ist eine ‚verbeulte‘ Kirche , die verletzt und beschmutzt ist weil sie auf die Straße hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit … krank ist.

Und später schreibt er, dass es besser ist einen Fehler zu machen, als sich nur in alten Normen und Gewohnheiten wohl zu fühlen.

Der aufgeschlossene Kardinal Kasper – er war unter Johannes Paul II für die ökumenische Arbeit zuständig –
hat schon im Februar dem Papst zugearbeitet, indem er an die Barmherzigkeit Gottes erinnerte.

Es bleibt nun abzuwarten, wie die Entscheidung der Synode im kommenden Jahr (04. - 25.10.15) ausfallen wird.

Peter Dördelmann