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Ehepaar Pflips - Foto: CHRGelebte Ökumene
Oder die alte Frage: war Jesus eigentlich evangelisch oder katholisch?

Eins steht fest: Probleme wegen der verschiedenen Konfessionen gab es in der Ehe von Antje und Jürgen Pflips nie. „Das ist genau wie in den Olfener Kirchengemeinden“, sagt Antje lächelnd, „hier klappt die Ökumene doch auch prima!“

Zufällig am Reformationstag, an dem das erste Mal ein katholischer Pfarrer in der evangelischen Christuskirche predigt - weil nun das Gedenkjahr an 500 Jahre Reformation beginnt - sitze ich mit dem Ehepaar Pflips in ihrem Wohnzimmer in Olfen und versuche herauszufinden, wie es sich in einer „Mischehe“ lebt.

Kennengelernt haben sich die 57-jährige gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und der 61 Jahre alte Diplomingenieur Bergbau in Datteln durch einen gemeinsamen Freund. Die Tatsache, dass sie evangelisch und er katholisch war, spielte am Anfang gar keine Rolle. Das trat erst als „Problem“ auf, als die Beiden 1987 kirchlich heiraten wollten. Da musste erst mal einiges besprochen und geklärt werden. Sie einigten sich auf eine evangelische Hochzeit, für die Jürgen erst von katholischer Seite die Genehmigung bekommen musste. Und auf Antjes Wunsch vollzog genau der Pfarrer die Trauung, der auch schon ihre Eltern getraut und sie und ihre Geschwister getauft hatte.

Liberal eingestellte Eltern
Die beiden Elternpaare standen der konfessionsverschiedenen Ehe offen gegenüber und so ging man auch einträchtig zur Trauung in die Kirche. „Zum Glück“, sagt Antje, „waren unsere Eltern sehr liberal eingestellt. Für diese Generation sah das meist noch ganz anders aus. Eine Tante von mir musste erst konvertieren, um einen Katholiken heiraten zu können.

“Ihren eigenen Kindern, die jetzt 25 und 27 Jahre alt sind, hat das Paar dann auch in evangelischer Tradition den christlichen Glauben nahe gebracht. „Ich habe die Verantwortung dafür an meine Frau abgegeben“, meint Jürgen dazu, „denn sie war öfter mit den Kindern zusammen, da machte das Sinn.“ Die Kinder sind zwar evangelisch getauft und als Jugendliche konfirmiert worden, aber den Eheleuten Pflips war es von Anfang an wichtig, ihnen in Glaubensdingen keine Vorschriften zumachen. „Jeder sollte es selber herausfinden können, welchen Weg er einschlagt“ ist sich Antje ganz sicher.

Jeder soll frei entsscheiden
„Wir haben die Kinder frei entscheiden lassen. Wenn jemand konvertieren oder aus der Kirche austreten möchte muss man das auch akzeptieren.“ Dazu beigetragen hat sicher auch, dass Antje jahrelang im Presbyterium der eigenen Gemeinde tätig war, ohne groß Aufhebens davon zumachen. „Das war bei uns zuhause kein Thema. Ich habe das so vorgelebt. Religiöse Streitgespräche gab es bei uns nicht.“ Gottesdienste wurden auch immer gemeinsam und im Wechsel in beiden Gemeinden besucht, wobei sie die Weihnachtsmessen in der großen St. Vitus Kirche wegen der besonders festlichen Atmosphäre bevorzugten.

Als Highlights auf ihrem ehelichen Glaubensweg sehen Antje und Jürgen Pflips die gemeinsamen Reisen unter christlichen Vorzeichen. So nahmen sie 2008 an einer von Pastor Bernd de Baey begleiteten Rom-Wallfahrt teil, um zusammen den Papst zu besuchen. Und vor kurzem waren die Beiden mit Emmaus-Reisen auf den Spuren Luthers in Erfurt, Leipzig, Wittenberg und Umgebung unterwegs. Sie reisten in Begleitung von Kreisdechant Markus Dördelmann, der Superintendentin des Kirchenkreises Münster Meike Friedrich und weiteren Geistlichen. Sie feierten in der Gruppe ökumenische Gottesdienste und tauschten sich über Glaubensfragen aus. „Wir machen eben Beides“, sagen die Zwei augenzwinkernd „dann ist für Jeden was dabei.“

Offen für Ökumene
Treue zur eigenen Kirche und gleichzeitig offen sein für Ökumene – das lernt man in so einer Ehe. So wird die Dynamik, die dort entsteht, zu einer Bereicherung des Lebens. Und gleichzeitig lernt man, die Freiheit des Anderen zu respektieren und übt sich in Toleranz.

Zum Schluss frage ich die Beiden noch nach den Wünschen und Träumen in Bezug auf die Ökumene. Die Entwicklung in Olfen sehen sie sehr positiv. Antje sieht die gute Zusammenarbeit aller Olfener Bürger in den Vereinen und Verbänden als konfessionsverbindend und das Gemeinschaftsgefühl fördernd an. „Schön wäre es natürlich, wenn sich noch mehr Olfener in die Gottesdienste der jeweiligen Schwestergemeinde 'trauen' würden. In den Köpfen mancher älterer Menschen sind die Berührungsängste noch vorhanden“ gibt sie zu bedenken.

Gemeinsames Abendmal - ein Traum
Und natürlich würden sich auch die Eheleute Pflips wünschen, dass bald das gemeinsame Abendmahl in unseren beiden Kirchen Wirklichkeit wird, „denn schließlich sind wir alle Christen, und darauf kommt es an.“

Sabine Roark - Ökumenisch unterwegs