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Pastor Thorsten MelchertSo, 29.01.17 - Pastor Thorsten Melchert
feiert seine silberne Ordination
Ruhr Nachrichten vom 28.01.17

Pastor Thorsten Melchert feiert am Sonntag seine silberne Ordination mit einem Festgottesdienst um 15.30 Uhr in der Christuskirche.
Nach der Ordination im Januar 1992 übernahm er im Juni 1992 die Pastoralstelle in der evangelischen Kirchengemeinde Olfen.
Theo Wolters sprach mit Thorsten Melchert.

Herr Melchert, Sie haben vor 25 Jahren Ihre Ordination gefeiert. Was hat Sie an dem Beruf des Pastors fasziniert?
Mich hat die Auseinandersetzung mit den Themen fasziniert: die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen. Dies hat mich auch durch das Studium begleitet. Wo komme ich her, was trägt mich, was gibt mir in meinem Leben Halt, was gibt meinem Leben Sinn, wo kommt das Elend in der Welt her. Wegen grundlegender Fragen wie dieser habe ich beim Studium in Münster bewusst auch in anderen Disziplinen Veranstaltungen besucht. Dann habe ich auch in der neutestamentlichen Textforschung gearbeitet und bin den Fragen nachgegangen, was die Grundlagen unseres Glaubens sind. Ich fand es sehr interessant, mit Texten aus dem dritten und vierten Jahrhundert zu arbeiten. Doch dann habe ich mir gesagt, das wäre doch zu trocken. Ich fand den Sprung in die Praxis interessant, denn das ist die Bewährungsprobe des Ganzen. Das war schließlich auch der Grund, warum ich Pastor werden wollte: um in der Praxis den Kontakt zu den Menschen zu haben.

Haben Sie es bereut?
Nein, bisher nicht. Ich finde es zwar spannend, auch immer mal wieder an der Uni etwas zu machen. Da kann man die Praxis reflektieren und auch schauen, was der neue Forschungsstand ist. Aber die Arbeit in der Praxis finde ich weitaus vielfältiger.

Was hat sich in den 25 Jahren in Ihrer Arbeit verändert?
Als ich in Olfen anfing, war es die Zeit, wo die Gründergeneration der Kirchengemeinde noch lebte, Menschen, die das Gemeindehaus mitgebaut haben. Das war schon eine spannende Zeit. Ich habe Leute kennengelernt, die im Krieg waren. Das damalige Thema Krieg und Schuld ist im Laufe derzeit nicht mehr aktuell gewesen und verschwunden. Von daher haben etwa heute auch Reden an Volkstrauertagen eine ganz andere Richtung als noch vor 25 Jahren. Das ist etwas, was sich geändert hat. Hinzukommt, dass heute alles viel schnelllebiger geworden ist. Im Folge von politischen Ereignissen hat es Entwicklungen gegeben, die auch unmittelbar Einfluss auf das Gemeindeleben haben.

Was hat sich denn im Gemeindeleben geändert?
Wenn man zum Beispiel den Taufgottesdienst im Naturbad sieht: Dort kommt eine Eventgemeinde, die normale Kerngemeinde ist hier kaum noch da. Das hat einen stärkeren Raum eingenommen. Es gibt aber auch Menschen, die sich im normalen Gemeindealltag mit einbringen. Wenn man aber den normalen Gottesdienst an Sonntagen sieht, ist es schon schwieriger geworden, die Menschen dafür zu begeistern. Diese Events sind der eine Teil, aber ich möchte es auch nicht unterschätzen, dass ein Stamm am Sonntag zum Gottesdienst kommt. Es gibt Gemeindemitglieder, die man nicht jeden Sonntag, aber so alle vier bis sechs Wochen sieht.

Wie sieht es denn bei der Jugend aus?
Unterschiedlich: Mit dem Konfirmandenunterricht in der dritten Klasse haben wir einen neuen Akzent gesetzt: Mütter und vereinzelt auch Väter haben die Verantwortung für die Gruppenleitung übernommen. Das hat sich bewährt. Nach der Konfirmation bleiben sicherlich einige weg, weil etwas anderes wichtiger geworden ist. Einige kommen wieder, so freue ich mich, dass im jetzigen Presbyterium auch einige ehemalige Konfirmandinnen sind und Verantwortung übernehmen.

Welchen Wunsch haben Sie für Ihre Gemeinde?
Offen und einladend zubleiben: Wir haben Gruppen, wo es sehr gut gelingt, dass neue hinzukommen können. Zum Beispiel bei der Frauenhilfe und beim Kirchenchor. In beiden und in anderen Gruppen sind im letzten Jahr einige hinzugekommen. Ich wünsche mir, dass dies in den Gruppen so bleibt und in Bereichen, wo es noch hakt, würde ich mir wünschen, dass auch dort neuer Wind reinkommt.

Wie sehen Sie die Ökumene in Olfen?
Ich bin sehr zufrieden damit. Sie ist getragen von der Wertschätzung. Sicherlich gibt es unterschiedliche Traditionen, aber dies kann auch bereichern. Es gibt in diesem Jahr viele Veranstaltungen. So soll am Pfingstmontag eine Partnerschaftserklärung unterschrieben werden.

Welche Bedeutung hat diese Unterschrift?
Sie hat zum einen die Bedeutung, selber darüber nachzudenken. Zudem ist dies auch eine Art Selbstverpflichtung, das auch so zu tun, wie es in der Erklärung steht. Sie hat auch die Bedeutung, dass der Konfessionalismus der Nachkriegszeit, wo es oft ein Gegeneinander gewesen ist, deutlich überwunden ist.

Pastor Bernhard Lütkemöller hat am Reformationstag in der evangelischen Kirche gepredigt. Sie tun dies beim Patronatsfest in St. Vitus. Haben Sie schon ein Thema?
Nein nicht genau, aber das Thema „Patronat“ wird sicherlich vorkommen. Ich freue mich auf die Beschäftigung mit dem Thema und auch über die Möglichkeit, darüber dort zu predigen.


Zur Person:

Geboren
am 27. Juli 1962 in Dülmen, eine Schwester

Schulausbildung:
evangelische Grundschule (Paul-Gerhardt-Schule) in Dülmen,
Clemens-Brentano-Gymnasium in Dülmen, Abitur 1981,
Studium der Theologie in Münster mit Altgriechisch und Hebräisch,
1. theologisches Examen 1988.

Beruf:
1988 bis 1991 Vikariatszeit in Tecklenburg,
bis 1992 Pastor im Hilfsdienst in Burgsteinfurt,
seit 28. Juni 1992 Pastor in Olfen.