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Sebastian Aperdannier in der Christus KircheDie Verteidigungsrede des Judas

Sebastian Aperdannier hält starke „Verteidigungsrede" in der Christus-Kirche

Er fleht, er bittet, er fordert, er zweifelt, er klagt. Eindrucksvoll und ergriffen stellte Sebastian Aperdannier den Judas in dem Monolog „Die Verteidigungsrede des Judas" nach Walter Jens in der evangelischen Christus-Kirche in Olfen dar.

06.04.11 - Ruhr Nachrichten
Vor einem imaginären Gericht und allen Christen dieser Welt fordert er, Judas Ischarioth, Gerechtigkeit, denn „ich befolgte seinen Befehl" und „alles war abgesprochen". Judas, der gemeinhin als der Schurke und Verräter schlechthin gilt, fordert eine andere Sichtweise auf die Situation, damals, im Garten Gethsemane. „Ich habe ihn nicht verraten", schreit er heraus. Den Ort kannten doch Tausende, auch die römischen Spitzel wussten Bescheid. Logik, fordert er immer wieder. „Denkt einmal nur nach!" Würde Jesus ihn wissentlich ans Messer geliefert haben?

Um der Menschen Willen „Er wusste, dass ich einverstanden war zu tun, was zu tun war", erklärt er. Jesus habe um seine Rolle gewusst. Denn ein Mensch war von Nöten, der vor keinem Anschlag zurückschrecken würde. Hätte er dabei nein gesagt, wäre er dann nicht zum Verräter an Gott geworden? Nur Judas kam dafür in Frage. „Ich tat es freiwillig, um Jesu Christi Willen und um der Menschen Willen". Von Verrat will er nichts wissen. „Ich nenne es Gehorsam, weil Gott es so wollte!"

Und warum dann habe er sich erhängt? „Ich habe es getan, um ihm zu helfen, denn ich wusste, wie sehr er sich vor dem Sterben fürchtete". Und was war mit den 30 Silberlingen? Auch zu dieser Frage fordert er wieder zur Logik auf. Es würde doch keiner jemandem Geld überlassen, der als Wucherer und Zinstreiber gelte. „Ich war der Frömmste in seinem Gefolge", behauptet Judas. „Ich verlange Respekt dafür, den Verworfenen in Gottes Drama gespielt zu haben". Wieder fordert er zur Logik auf. Ohne Judas kein Kreuz, ohne Kreuz keine Kirche. Eindringlich beschwört er alle, die richten: „Ich bitte euch - nein ich verlange, dass mein Schuldspruch aufgehoben wird!" Judas habe es getan, um die Menschen zu erlösen. Und was ist der Dank? Judas verliest eine Textpassage, in der die Foltermethoden damaliger Zeit drastisch beschrieben werden. Was wäre, wenn dieser Verrat nicht stattgefunden hätte? Jesus wäre sicherlich ein alter, weiser, angesehener Zimmermann geworden.

Kein Blut, kein Gas

Doch es wäre auch kein Blut in den unzähligen Religionskriegen und Missionierungen geflossen, die Juden wären nicht verfolgt worden. „Kein Pogrom, kein Lager, kein Gas!" schreit Judas hinaus. Er wartet auf ein Zeichen, dass er Recht getan habe. Eine eindrucksvolle und packende Darstellung.
Antje Pflips

Folgeveranstaltung am 9. November 2011

Eine Folgeveranstaltung wird am 9. November stattfinden. Unter dem Titel „Adressat unbekannt" wird Sebastian Aperdannier mit einem weiteren Schauspieler den Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung darstellen.