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Ulrike BöhmerWas hat Luther mit Schalke zu tun?
 „Hausfrau aus dem Ruhrpott" begeistert bei ihrem Auftritt in Olfen
Ruhr Nachrichten 22. Mai 2017

„Ohne mich läuft nichts“, stellte Erna Schabiewski gleich zu Beginn ihres Auftritts fest. Hinter der quirligen Hausfrau aus dem Ruhrpott steht Ulrike Böhmer, die mit ihrem Programm im Haus Katharina gastierte. Von Anfang bis Ende kam das Publikum am Freitagabend aus dem Lachen nicht mehr heraus. Sei es die knuddelige Erscheinung in rotem Rock, roter Strickjacke, Kniestrümpfen, Hütchen und Tasche oder ihr Dortmunder Dialekt oder die Mimik und Gestik, mit der sie ihre Anekdoten würzte -der Saal hing an ihren Lippen.

Dabei ging es um Klangschalen im Eheleben, Folgeromane in der Kirchenzeitung, Urbi et Orbi in der Endlosschleife auf dem Videorekorder oder einen Obermessdiener, der lieber evangelischer Pfarrer werden möchte.

Ablasshandel

Als engagiertes Mitglied in ihrer Dortmunder Gemeinde im Stadtteil Eving gelte sie als „Konifäre“ in Kirchenbelangen. Deshalb wollte sie sich im Reformationsjahr genau über Martin Luther informieren. „Ich wusste nichts über diesen Luther, weiß aber, wen ich fragen muss“, fing sie an. So erfuhr sie vom Ablasshandel, von der Übersetzung der Bibel ins Deutsche und dem Versteck auf der Wartburg. Die ist ihr allerdings nur als Wohnsitz der Heiligen Elisabeth bekannt und schon kam sie zu dem Schluss: „Die Heilige Elisabeth hat den Luther versteckt“. Sehr dankbar sei sie für die deutsche Fassung der Bibel, denn nur dadurch könne sie sie auch lesen. In ihrem Frauenbibelkreis galt als Höhepunkt die Geschichte mit Judith, die den feindlichen General tötete. „Seitdem sind wir alle unerschrocken und tragen ein Brotmesser in der Handtasche“. Luther Rechtfertigungslehre werde heute noch in der „blau-weißen Stadt“ betrieben, erklärte Erna. Noch heute müsse sich jeder Trainer beim S04 recht-fertigen. Als BVB-Anhängerin durfte sie natürlich den Namen der „verbotenen Stadt“ nicht aussprechen.

Standfestigkeit

Aber am meisten imponierte ihr die Standhaftigkeit Martin Luthers vor dem Reichstag zu Worms, auf dem er seine Schriften vor dem Kaiser verteidigte. Genauso sehe sie ihren Papst Franziskus. „Der ist unser größter Protestant, der liest den Kardinälen die Leviten“. Wärmstens empfahl sie die Werbeträger im Reformationsjahr vom Lutherbonbon bis zum Luther-Bade-Entchen. „Aber vor dem Lutherkaffee müsst ihr euch hüten“, warnte Erna alle Katholiken. Es könnte passieren, dass im Magen der langjährig eingeatmete katholische Weihrauch mit dem protestantischen Kaffee kämpft und dann „die falsche Bekehrung“ herauskomme. Doch im Grunde genommen sei sie für die Ökumene und das Zusammenleben beider Konfessionen. Empört zeigte sie sich, dass der Weltgebetstag schon seit 100 Jahren gemeinsam begonnen und jedes Jahr ignoriert werde. „Es geht doch zusammen“, rief sie aus und zählte mehrere Beispiele auf, Wo ein Zusammenschluss passen würde - allerdings nicht bei BVB und S04. Mit einem begeisterten Applaus verabschiedete das Publikum Ulrike Böhmer.

Antje Pflíps