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RN-Fotos: WeckenbrockOlfen zeigt Toleranz

Eine Aktion der Gruppe Asyl
Ruhr Nachrichten vom 02.07.16

Als wir uns am Freitag, 01.07.16, gegen 15.10 Uhr zu Fuß dem Marktplatz näherten, da war da schon diese Menschentraube. Rund um den Brunnen standen 80, vielleicht 90 Menschen, die sich nett unterhielten. Drei große gelbe Ortsschilder gingen durch die Reihen. ‚Stadt Olfen: Für Toleranz und Menschlichkeit‘ stand drauf. Mehrere Fotografen machten Aufnahmen.
Redakteur Tobias Weckenbrock und seine persönliche Schilderung einer besonderen Aktion.

Schon im Vorfeld packten sie mich irgendwie - und offensichtlich nicht nur mich: Da sind ein paar Olfenerinnen, die wissen, wie man fotografiert, die von Flyer-Design Ahnung haben und dazu ein gutes Herz. Die wissen, wie man Internet-Plattformen wie Facebook bespielen muss, um auf eine Aktion aufmerksam zu machen. Und die eine gute Idee hatten.

Olfen tolerant und menschlich darzustellen: Würde man mich fragen, wäre das gar nicht unbedingt nötig gewesen. Mir erscheint dieses Olfen ohnehin schon tolerant und menschlich. Das bestätigt mir ein Olfener am Markt, mit dem ich ins Gespräch komme, als ich das Treiben eine Weile beobachtet habe. „Olfen ist eine tolle Stadt, in der so etwas gut funktioniert“, sagt er in die Runde und erntet bestätigendes Nicken seiner Zuhörer. Ist ja kein Wunder – ich bin hier ja in Olfen.

Aber doch ist diese Aktion ein gutes Zeichen. Ein Zeichen soll sie ja auch sein. „Wir wollten Olfen ein Gesicht geben“, sagt Heiner Dieckmann, Sprecher des Arbeitskreises Asyl, den ich mir zum Interview schnappe. „In Olfen deutlich zu machen, dass wir „für Menschlichkeit und Toleranz einstehen - und das öffentlich.“ Das war die Idee.

Ich spreche auch mit Nathalie Osolnik. Sie sagt, man habe sich viel Mühe gegeben im Vorfeld - und sehe sich bestätigt. „Wir haben beim Kaffee zusammen gesessen“, erzählt sie, „und uns überlegt, dass man mal was machen müsste.“ Wir, damit meint sie sich selbst, Cordelia Holz und Anna Buttaci. Drei Frauen, die in der Integrationshilfe aktiv sind. „Es wird oft so schlecht über Flüchtlinge gesprochen - wir wollen ein Zeichen dagegen setzen.“ Bei den Begriffen Menschlichkeit und Toleranz gehe es nicht nur um das Zusammenleben mit den Flüchtlingen. „Es geht um uns alle. Alle sollen mal Hand in Hand gehen. Darum wollten wir das positiv formulieren, damit alle angesprochen werden.“

Ich denke darüber nach, wie diese Sätze bei Gegnern offener Grenzen und von Einwanderung ankommen. Sie würden bestimmt von „Heile-Welt-Romantik“ sprechen, von Verblendung, von einem Vorbeischauen an „Realitäten“. Also mit Intoleranz reagieren, mit Abschottung und Abgrenzung. Mir gefällt die Idee der Offenheit und des Gestaltens und des gemeinsamen Abarbeitens all der Probleme und Aufgaben, die Integration erfordert, besser. So wie allen hier um mich herum. Optimismus bringt uns voran, Pessimismus macht uns unglücklich.

Hätten Sie gedacht, dass es heute so voll wird, frage ich Heiner Dieckmann? „Letzte Woche nicht, aber gestern schon. Denn als es in den Ruhr Nachrichten veröffentlicht wurde, habe ich die Resonanz gespürt und viele Anrufe bekommen von Leuten, die an diesem Freitag gar nicht konnten. Es ist im breiten Publikum einfach sehr gut angekommen.

“Bürgermeister Wilhelm Sendermann ist auch da. Er hat sich mit zwei Kaffeekannen und seiner Sprechstunde einfach dazugesellt, nach dem er schon vor Tagen selbst ein Foto machte. „Das Thema bewegt die ganze Gesellschaft“, sagt er. „Ich glaube, dass bei uns noch längst nicht alles gut ineinander greift. Das ist auch ein Thema in den Städten. Aber ich finde solche Aktionen total wichtig, weil man anders ins Gespräch kommt und Verständnis für einander zeigt.“ Die Flüchtlinge, meint er, seien Olfener, „das werden unsere Nachbarn, unsere Freunde“. „Ist das typisch Olfen?“, frage ich ihn. „Es sind viele auf dem Weg. Aber das Thema ist komplizierter. Wir müssen uns auch trauen, Dinge zu sagen, wo es nicht so gut geht. “Es gebe Dinge, die klappen, und Dinge, die nicht gut laufen. Man müsse sich trauen, auch das sagen zu dürfen. Ich denke: Das ist weniger romantisch. Aber treffend.

TobíDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!