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Foto: Kiepe2012 - Zeige dein Kreuz

Zahlreiche Mitglieder der Pfarrei St. Vitus in Olfen haben eine Woche lang ihr Kreuz gezeigt
Kirche + Leben vom 08.04.12

Die Idee, Kreuze von Gemeindemitgliedern in der Fastenzeit in einer Ausstellung zu zeigen, entstand im Pfarrgemeinderat von St. Vitus in Olfen. »Wir wollten über unseren Glauben ins Gespräch kommen. Das ist über das Symbol des Kreuzes gut möglich. Die Menschen haben uns geschildert, was sie mit ihrem Kreuz verbinden«, berichtet Pfarrer Bernd de Baey. Vor Weihnachten rief die Gemeinde die Gläubigen in Gottesdiensten und Zeitungen auf, sich an dem Projekt »Zeige dein Kreuz!« zu beteiligen.

Mehr als 60 Kreuze kamen zusammen. Mitglieder des Pfarrgemeinderats machten sich auf den Weg zu den Menschen, die ihr Kreuz selbst nicht bringen oder eine Geschichte zum Kreuz schreiben konnten. Denn zu jedem Ausstellungsstück wurde ein Text erstellt, der über die Verbundenheit zu dem Kreuz informiert. Mal ist er kurz, mal länger, mal persönlich, mal sachlich. Die Großeltern oder Urgroßeltern besaßen das Kreuz bereits, es wurde in einem Wallfahrtsort erstanden, es war ein Geschenk zur Erstkommunion oder zum Ende der Ausbildung. »Wenn man beginnt, die Geschichten zu lesen, bleibt man kleben. Es ist spannend, was sich hinter den Kreuzen verbirgt«, sagt Ilona Schwabe, Küsterin der Gemeinde. »Es ist eine Ausstellung, für die man sich Zeit nehmen muss«, fügt Gabriele Brast vom Caritasausschuss hinzu.

Die Verbundenheit zum Kreuz ginge in den jüngeren Generationen leider verloren, bedauert de Baey. »Es sind vor allem ältere Menschen gewesen, die uns ihr Kreuz gegeben haben«, sagt er. Es hätten sich sogar Menschen gemeldet und erzählt, warum sie ihr Kreuz nicht abgeben könnten. »Es käme ihnen vor, als sei Jesus dann nicht mehr bei ihnen«, erklärt der Pfarrer. Wichtig sei es den Menschen gewesen, dass während der Ausstellung gut auf ihre, Kreuze aufgepasst werde. »Es geht ihnen nicht um einen materiellen Wert, sondern um das, was sie emotional mit dem Kreuz verbinden«, berichtet er. Schnell hätten sich aber Frei-. willige gemeldet, während der Öffnungszeiten in der Kirche Aufsicht zu führen.

»Die Verbindung zum Kreuz wächst oft, wenn tiefe Einschnitte wie Krankheit oder Tod ins Leben treten. Durch sie entwickelt sich eine stärkere innere Verbindung zu Christus«, erklärt de Baey. In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich Bedeutung und Darstellung des Kreuzes gewandelt. Hing es früher hauptsächlich im Schlafzimmer, findet es sich heute beispielsweise eher im Flur als Segenszeichen in den Häusern. »Im Gegensatz zu früher hat ein modernes Kreuz oft keinen Korpus mehr oder nur einen angedeuteten. Die Kreuzsymbolik ist eine andere.« Dazu zählen abstrakte Kreuze ebenso wie bunt bemalte oder keramisch gearbeitete. »Es geht aber nicht bloß um Ästhetik, sondern immer auch um ein persönliches Christusbild. Denn in jedem Kreuz begegnet er mir. Und das ist das Entscheidende«, betont de Baey.

Michaela Kiepe