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Kornelia Kruse und Sabine Roark von der Selbsthilfegruppe im Gespräch mit Maria Niermann - Foto: CHRWas mache ich wenn ...
Hilfe bei der Pflege kranker Angehöriger
Gemeinsam unteerwegs 2015

Was mache ich, wenn Vater immer wieder nach draußen möchte, um die (nicht vorhandenen) Pferde zu beruhigen? Was mache ich, wenn die Ehefrau mitten in der Nacht aufsteht, um das Mittagessen zu kochen? Wie finanziere ich eine zeitweise Betreuung meines an Demenz erkrankten Mannes?

Partner und Kinder von pflegebedürftigen Menschen müssen sich tagtäglich mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftigen. Und mit dem Fortschreiten der Krankheit werden die Fragen anders, die Probleme drängender. Als die Mutter der Olfenerin Kornelia Kruse an Demenz erkrankte, erlebte sie die Bürokratie, die Probleme mit Krankenkassen, die teilweise Verständnislosigkeit ihres Umfeldes, den schwierigen Umgang mit den eigenen Emotionen. „Und manchmal möchte die Familie und möchten Freunde das einfach nicht mehr hören.“
Dann ist es gut, wenn es Menschen gibt, die zuhören und die helfen.

Selbsthilfegruppe gegründet
Gleichzeitig stellte Kornelia Kruse fest, dass es vor zehn Jahren im Süden des Kreises Coesfelds keinerlei Selbsthilfegruppe für Pflegende Angehörige gab. So gründete sie im Jahr 2006 die Selbsthilfegruppe Pflegende Angehörige in Olfen. Zwei Jahre später stieß Sabine Roark zur Gruppe, auch sie hat eine pflegebedürftige Mutter. Seither unterstützt sie Kornelia Kruse bei der Führung dieser Gruppe.

Der Kreis trifft sich inzwischen seit neun Jahren einmal monatlich im St. Vitus-Stift. „Es ist eine völlig offene Gruppe“, sagt Kornelia Kruse. „Es gibt Menschen, die kommen ein einziges
Mal, weil sie eine ungeklärte Frage, ein ungeklärtes Problem haben. Wir haben helfen können – und das war’s.“ Andere kommen regelmäßig, weil das einer der wenigen Erholungsmomente vom Pflegealltag ist. Während der Treffen wird geplaudert, gelacht, diskutiert und es wird über den Pflegealltag gesprochen. Etwa acht bis 15 Personen kommen zurzeit zu den Treffen.

„Wenn ein regelmäßiger Besucher plötzlich fehlt, haken wir nach, und fragen, was geschehen ist“, erzählen die beiden Frauen. Nicht alle Fragen werden in der großen Gruppe  besprochen. Wenn jemand ein individuelles Gespräch sucht, geht das genauso. 

‚Technische‘ Fragen 
Die Selbsthilfegruppe beschäftigt sich sowohl mit den ‚technischen‘als auch mit den emotionalen Fragen von Pflegenden Angehörigen. Mit der ‚technischen‘ Seite ist z.B. gemeint: wie stelle ich Anträge bei der Krankenkasse, wie funktioniert die Einstufung in eine Pflegestufe? Welche Gelder stehen mir zu? „Wir formulieren auch Briefe, wenn jemand das wünscht“, sagt Korenelia Kruse.

Der emotionale Bereich
Genauso wichtig, vielleicht sogar wichtiger ist der emotionale Bereich. „Es kommen Menschen, die absolut überfordert sind, die ausgebrannt sind, die trotzdem weitermachen müssen. Die finden bei uns Menschen, die sie verstehen und die versuchen zu helfen.“ Die Gruppe kann Tipps geben, wie die Angehörigen es schaffen können, Struktur in den Alltag zu bringen, welchen Umgang der Kranke erwarten kann. „Wir reden oft über das, was der Kranke nicht kann – aber gar nicht über das, was er kann.“

Die Gruppe arbeitet unter dem Schirm der Gemeindecaritas, zu dem Sabine Roark das Bindeglied ist.

Maria Niermann

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