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Padre Raul, Padre Raul, Padre Dennis und Tobias
09.2011 - Missionar auf Zeit - Tobias Eckmann
Eine andere Welt – mein Jahr in Paraguay

An alle die sich Sorgen gemacht haben, mir geht es hier super. Nachdem ich nun einen dreiwöchigen Sprachkurs besucht habe und neue Freude aus verschiedenen Teilen der Welt gewonnen habe, beherrsche ich das Spanische schon so gut, dass ich mich einigermaßen verständigen kann und verstanden werde. Nur mit den Kindern in meinem Projekt fällt es mir noch ein bisschen schwerer, da diese viel Guarani, also die indigene Sprache Paraguays sprechen und auch im Spanischen ohne Punkt und Komma reden .

Leben in der Communidad

Ich lebe hier zusammen mit 2 Padres, 4 angehenden Padres, und einem weiteren Freiwilligen aus Deutschland, Anton Umbach, und wir verstehen uns echt sehr gut. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Padres sehr lustig sind, obwohl ich die meisten Pointen noch erraten muss, um mitlachen zu können.
Im Bild oben seht ihr einen Teil der Communidad in unserem Esszimmer. Links vorne ist Padre Raul, mein Chef. Rechts ist Padre Dennis zu sehen und zwischen ihnen der sehr sympathische Hector.

Don Bosco Roga

Der Eingang des Don Bosco RogaZurzeit leben hier 22 Kinder im Heim, mit denen ich viel spiele, natürlich allen voran Fußball, aber auch Brettspiele oder was mir sonst noch einfällt und was umsetzbar ist. Außerdem helfe ich den Jungs bei den Hausaufgaben, wobei ich mich auch hier erst mal nur auf Mathe beschränke, da man auch als Deutscher in Paraguay Mathe versteht.

Weitere Aufgaben von Anton und mir sind im Moment die Erzieher zu unterstützten, was so viel heißt wie zu schauen, dass die Kinder ihre Dienste erfüllen, also ihre Häuser und das Gelände sauber halten. Außerdem sollen wir einfach für die Jungs da sein und ein fester Ansprechpartner werden. Neben der Hausaufgabenbetreuung dürfen und sollen wir auch eigene Projekte ins Leben rufen, wie zum Beispiel einen Computer Kurs und einen Englisch Kurs, wobei ich mal gespannt bin, wie Anton und ich die Jungs den Umgang mit dem Computer lehren sollen, da wir selber nicht grade Spezialisten sind.

Ausblick aus unserem HausDoch das haben wir zunächst aufgeschoben, da seit gut einer Woche neun neue Kinder im Heim sind. Allerdings in einem Bereich, der von den anderen getrennt ist. Diese neun Jungs im Alter von 11 bis 14 Jahren kommen direkt von der Straße und sind gerader in der ersten Zeit besonders schwierig. Deswegen unterstützen Anton und ich die beiden Erzieher, indem wir die Jungs beschäftigen und sie sich an das Leben im Heim und an die hier geltenden Regeln gewöhnen können. Die drei ersten Regeln lauten: Aufräumen, keine Schimpfwörter und keine Schlägereien. Allerdings wird hiervon nur das Aufräumen einigermaßen erstgenommen. Und obwohl Anton und ich abends tot müde in unsere Betten fallen macht die Arbeit mit ihnen sehr viel Spaß und wir sehen schon in den ersten Wochen deutliche Fortschritte.

Meine paraguayischen 'Eltern'

vor dem Präsidentenpalast ParaguaysEs gibt hier so unglaublich freundliche Menschen. Zu erwähnen sind hier natürlich meine neuen paraguayischen Eltern, die Anton und mich, also zwei fremde Ausländer, die gerade ein bisschen Spanisch sprechen können, in ihre Familie aufgenommen haben. Sie haben uns direkt gesagt, dass wir jederzeit zu ihnen kommen können, mit ihnen essen können und uns in ihrem Haus einfach zu Hause fühlen sollen.

In dem Bild stehen wir vor dem Präsidentenpalast Paraguays. Links steht Miriam, meine Gastmutter, daneben mein Gastvater Julio und zwischen uns beiden ist Lisa, eine Freundin die ebenfalls aus Deutschland kommt.

Kochen in der Familie

Jacob kocht für meine paraguayische FamilieAuf diesem Bild kochen vlnr. Jacob, ich und ein ehemaliger Freiwilliger gerade für meine paraguayische „Familie“. Als typisch deutsches Gericht gibt es Käse-Spätzle.

Außerdem dürfen wir ihren Internet Stick benutzen. Das ist echt lieb, denn im Don Bosco Roga ist es immer ein Glücksspiel, ob man grade Internet hat oder nicht. Anton und ich haben jetzt auch schon zweimal bei ihnen gekocht und haben festgestellt, dass wir noch ein gewaltiges Steigerungspotenzial haben, da sowohl die Pfannkuchen, als auch der Geburtstagskuchen nicht wirklich überzeugten.

Der einzigartige Terere

ein Becher Terere schmeckt herrlichDie Menschen sind hier generell viel offener und freundlicher. Das ist auch in den Trink- und Essgewohnheiten festzustellen. Denn was hier in Paraguay einzigartig ist, ist der sogenannte Terere. Dieses tolle Getränk ist kalter Mate Tee, der immer in der Runde rumgereicht wird. Somit trinken alle ganz gemütlich aus einem Becher und genießen bei der Hitze ein bisschen Abkühlung. Dieses Ritual wird hier mit jedem Getränk zelebriert, so dass Bier, Wasser, einfach alles immer ein Gemeinschaftsgetränk ist. Das muss einem als Deutscher auch erst mal klar werden. Denn man wird schon schräg angeguckt, wenn man das angebotene Getränk nimmt, sich bedankt, es ganz leer trinkt und es dann freundlich lächelnd an den Nächsten zurück gibt, der dann wieder für alle auffüllen darf.

Typische Speisen

Guido, einer der Erzieher, bereitet das berühmte Asado vorAuch das Essen hier ist sehr lecker und in der Regel auch gut verträglich. Gerade die für Paraguay typischen Speisen schmecken ausgezeichnet. Hier besonders zu erwähnen ist natürlich das Asado. Ein riesiger Berg an Fleisch, der ausgezeichnet schmeckt, den ich natürlich auch fotografieren musste. Ein ehemaliger Freiwilliger aus Deutschland hat mir erzählt, dass man in der Regel mit 500 Gramm Fleisch pro Person rechnet. Als Vorspeise, also quasi als Schnack, gibt es Würstchen, was bei uns auch schon als komplettes Gericht durchgehen würde. Zum Glück gibt es diesen Traum aus Fleisch nur am Wochenende, da ich sonst nach einem Jahr deutlich voluminöser zurückkommen würde.

'Tranquillo' - Ganz ruhig, entspann dich

In der Mitte ist der Torwart von „Club National“, dem Champion der 1. Liga ParagauysAuf dem rechten Bild sind einige der Jungs zu sehen. In der Mitte ist der Torwart von „Club National“, dem Champion der 1. Liga Paragauys.
Neben dem Essen bin ich auch von der Art der Menschen hier begeistert. Denn egal was passiert ist und ob man eine viertel Stunde zu spät zur allmorgendlichen Messe kommt: 'Tranquillo'. Dieses tolle Wort bedeutet: 'Ganz ruhig, entspann dich' und drückt am besten die sehr angenehme Lebensweise der Paraguayer aus.

Spiel am Fluss

ein Ausflug zum Fluss

Mit einem Teil der Jungs haben wir einen Ausflug gemacht. Die Salesianer haben außerhalb von Asuncion einige Grundstücke, die wir mit den Kindern besuchen können. Wir haben den ganzen Tag im Fluss gespielt und uns die Zeit vertrieben.

Nachdem ich jetzt hoffentlich ein bisschen Einblick in mein Leben in Paraguay gegeben habe will ich mich natürlich noch bei allen Bedanken, die mir gespendet haben und gerade bei Pastor Bernd de Baey für seine Gastgeschenke, über die sich die Salesianer sehr gefreut haben und bei dem Roten Keil.

Ganz liebe Grüße aus Paraguay und ihr hört sicher bald wieder von mir
Tobias Eckmann