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Maren, Tabea und Sarah
10.2011 - Missionar auf Zeit - Sarah Jacobs

Nach zwei erlebnisreichen Wochen in Lima und einem spannenden Monat in Huaraz möchte ich Euch gerne von meinen ersten Erfahrungen als „Missionarin auf Zeit“ in Peru berichten.

Lima, eine riesige Stadt

Als Maren, Tabea und ich Ende August in Lima ankamen, waren wir direkt völlig überwältigt. Lima ist wirklich eine riesige Stadt mit vielen sehenswerten Dingen und unglaublich viel Verkehr. In der Zeit neben dem Sprachunterricht boten uns die Schwestern die Möglichkeit, die Stadt und ihre Menschen besser kennen zu lernen. Am Feiertag der Heiligen Santa Rosa hatten wir Gelegenheit eine unglaublich lange Menschenschlange zu bestaunen. Die Leute waren allesamt gekommen, um einen Zettel mit ihren sehnlichsten Wünschen in einen Brunnen zu werfen, in der Hoffung, dass Santa Rosa sie erfüllen möge. Dafür nahmen sie bewusst mehrere Wartestunden in Kauf. Dieser Tag hat mir zum ersten Mal gezeigt, wie intensiv der Glaube in Peru wirklich gelebt wird.

Mein neues 'Zuhause' Huaraz

Sarah, Sr. Franziska, Sr. Eloisa und Sr. ElisabethIn Huaraz intensiviert sich dieser Eindruck von Tag zu Tag. Die Kommunität, in der ich mein MaZ-Jahr verbringen darf befindet sich im Colegio 'Unsere Liebe Frau vom hlst. Herzen Jesu'. Sie besteht insgesamt aus vier Schwestern.
Zwei Schwestern sind gebürtige Peruanerinnen: Sr. Soledad (nicht auf dem Bild) und Sr. Eloisa, sie ist die Leiterin der Schule, in der auch ich arbeite. Sr. Elisabeth kommt aus Deutschland. Sr. Franziska, eine Koreanerin, ist erst eine Woche nach mir dazu gestoßen. Sie ist auch gerade dabei, sich einzugewöhnen.
Das gemeinsame Leben mit den Schwestern gefällt mir echt gut. Ob beim Essen, beim Kartenspielen oder beim gemeinsamen Fußball gucken, es gibt immer viel zu lachen und das ist toll. Sie zeigen viel Interesse an mir und meiner Arbeit, haben Verständnis, wenn ich mal mit der Sprache nicht hinterherkomme und haben eine tröstende Schulter, wenn mal etwas nicht so läuft.

Ein Ausflug in die Huaraz umgebende Berge

Bergsee in der Nähe von HuarazBevor ich nach Huaraz kam habe ich schon von vielen Leuten gehört, wie schön es hier sein soll und ich kann ihnen nur Recht geben! Das Leben hier ist noch einmal ganz anders als in der Großstadt Lima. In den ersten zwei Wochen hatte ich die Gelegenheit einige Ausflüge in die Berge zu machen, die Huaraz umgeben. Die alten Inkaruinen waren unglaublich faszinierend, ebenso wie ein traumhaft schöner Bergsee, auf dem wir sogar Boot fahren konnten.

Ein Mal Pachamanca probieren

Pachamanca aus Fleisch, Kartoffeln, Mais etc. im Boden zubereitetAuf einem Ausflug mit den Schwestern hatte ich die Gelegenheit „Pachamanca“ zu probieren, etwas typisch Peruanisches. Hier wird das Essen (Fleisch, Kartoffeln, Mais etc.) im Boden zubereitet. Wie das Ganze aussieht, kann man auf dem Bild erkennen.

Frauen aus den BergdörfernImmer wieder trifft man hier auch Frauen aus den Bergdörfern in ihren tollen traditionellen Trachten an. Jeder Clan besitzt seinen individuellen Hut. Getreide oder anderen Einkäufe transportieren die Frauen in geschickt gewickelten, bunten Tüchern auf dem Rücken. Das ist wirklich sehr interessant zu beobachten.

Arbeiten in der Kindertagesstätte

Kinder der KindertagesstätteZwei Wochen lang habe ich nun am Vormittag in der Guarderia gearbeitet. Das ist eine Kindertagesstätte für Kinder von 2-3 Jahren, deren Mütter oft allein erziehend sind und die durch die Betreuung ihrer Kinder wieder Zeit haben, um arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen. In der Guarderia wird viel wert darauf gelebt, dass die Kinder sinnvoll lernen. Angefangen bei der Sauberkeitserziehung, geht es über die Tischmanieren bis hin zum ersten Zahlen- und Buchstabenverständnis.

Wenn die Kinder morgens gegen 8.30 Uhr von ihren Müttern gebracht werden, beschäftigen sich die Kleinen meist sehr selbstständig und konzentriert mit einem Puzzle oder anderen kleinen Denkaufgaben. Danach setzten sich die Kinder an einen langen Tisch und es wird in Form eines kleinen Liedes oder eines kurzen Gebetes Gott für die Gaben gedankt. Nach dem Essen wird streng darauf geachtet, dass sich jedes Kind die Hände wäscht und zur Toilette geht.
Nach einer Spielzeit setzten sich die Kinder wieder auf ihre Plätze und die Erzieherinnen versuchen, den Kleinen auf kreative Art ein erstes Verständnis für die Zahlen und Vokale zu vermitteln. Für ein nahrhaftes Mittagessen ist ebenfalls gesorgt.
Nach dem Mittagsschlaf wird noch etwas gespielt und eine kleine Mahlzeit eingenommen, bevor die Kinder dann von ihren Müttern gegen 17.00 Uhr wieder abgeholt werden. Die Guarderia ist eine ganz wertvolle Einrichtung. Die Mütter der Kinder wissen die gute Betreuung ihrer Kinder zu schätzen.

Inicial, einer Art Vorschule

Seit letzter Woche helfe ich nun im Inicial mit, einer Art Vorschule, die sich in den Räumlichkeiten des Colegios befindet. Die Kinder hier sind vier bis fünf Jahre alt. Die Arbeit macht mir großen Spaß, denn die Kinder sind einfach toll. Ich unterstütze die Lehrerinnen bei der Bereitstellung des Unterrichtsmaterials für die nächste Stunde, versuche den Kindern bei der Bearbeitung der Aufgaben zu helfen und lese ihnen vor.
Am Montagmorgen treffen sich immer alle Klassen des Inicial auf dem kleinen Schulhof. Hier wird dann gemeinsam das 'Vater unser' gesprochen. Außerdem beherrschen fast alle Kinder die Nationalhymne, die sie dann mit voller Inbrunst zum Besten geben, während die peruanische Flagge den Fahnenmast immer ein Stückchen höher wandert. Das ist wirklich toll mit anzusehen und einfach unvorstellbar in Deutschland.
An zwei Nachmittagen kann ich weiterhin in der Guarderia arbeiten, worüber ich echt glücklich bin, denn die Kleinen sind mir schon sehr ans Herz gewachsen.

Meine Freizeit

Meine Freizeit verbringe ich zurzeit hauptsächlich damit, Vokabeln zu lernen. Zudem habe ich vor Ort einen Sprachlehrer, bei dem ich dreimal wöchentlich Unterricht nehme. Der Unterricht ist wirklich gut und ich habe Hoffung, dass es bald mit der Sprache aufwärts gehen wird und ich endlich das sagen kann, was ich auch wirklich sagen will!
Zudem singe ich zweimal wöchentlich im Chor einer Nachbargemeinde. Die Lieder sind wirklich sehr schön und so macht das gemeinsame Singen total viel Spaß!

Peruanisches Temperament

Sarahs BekanntschaftenDass die Schüler und Lehrer hier in Peru wesentlich mehr Temperament haben, als ich von Deutschland her gewöhnt bin, habe ich bereits kurze Zeit nach meiner Ankunft in Huaraz erfahren können. Das Schulfest, an dem die Lehrer für die Schüler der Sekundarstufe verschiedene Tänze, Sketsche und Lieder einstudiert hatten, glich mehr einem Konzert von Tokio Hotel oder sonst wem, als einer Schulveranstaltung. Die Schüler kreischten, hielten ihre Kameras in die Höhe und hatten sogar Plakate gemalt. – unglaublich! Die Schüler der Sekundarstufe sind wirklich sehr freundlich und offen, so dass ich schon einige nette Bekanntschaften machen konnte.

Ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf, was in den nächsten Wochen und Monaten noch alles auf mich zukommen wird!

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich an dieser Stelle noch ganz speziell beim Roten Keil Olfen, meiner Heimatgemeinde St. Vitus und bei all den anderen Spendern, die mich in meinem Einsatz unterstützen!

Bis ganz bald, alles Liebe
Sarah