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04.2012 - Ein Sommer in Lomas
2. Rundbrief von Sarah

Nun bin ich nun schon ein halbes Jahr als Missionarin auf Zeit in Peru. Ich habe so viel erleben und bestaunen dürfen. Ich habe so viel gelacht und so viele tolle Dinge von den Menschen hier gelernt, wofür ich unglaublich dankbar bin. So arm die Menschen auch an den materiellen Dingen sein mögen, so reich sind die doch im Herzen.

Sommerferien im Fischerdorf Lomas

Mit Kindern am StrandIn meinem zweiten Rundbrief möchte ich Euch und Ihnen von meinen Erfahrungen berichten, die ich während der Sommerferien im Januar und Februar an der Pazifikküste in einem kleinen Fischerdorf namens Lomas machen dufte.

Gemeinsam mit Tabea, einer anderen MaZlerin, habe ich hier ein Ferienprogramm für Kinder aus finanziell sehr armen Verhältnissen im Alter von 7-12 Jahren mitbetreut. Insgesamt kommen in diesem Zeitraum fünf verschiedene Gruppen, bestehend aus 50 bis 80 Kindern und Betreuern, aus ihren Wüsten- oder Bergdörfern für jeweils zehn Tage nach Lomas, um zum ersten Mal in ihrem Leben fern von der Familie einen Sommerurlaub mit Gleichaltrigen verbringen zu können.

Das Ferienprogramm trägt den Namen „Climatica Cristo Amigo“. Verantwortlicher ist in diesem Jahr Pater Dario, welcher der MSC Kommunität in Acarí angehört. Zum Team gehören außerdem drei mexikanischen Ordensschwestern sowie drei peruanischen Freiwillige und ein Küchenteam von drei Frauen.

Die Kosten für die Kinder beschränken sich, Gott sei Dank, nur auf die Anreise mit dem Bus, da das Projekt zu einem sehr großen Teil durch die Spenden der Sternsinger-Aktionen finanziert wird. Es ist wirklich schön mit ansehen zu können, dass das Geld aus der Sammelbox der Sternsinger, mit der auch ich jahrelang als kleines Mädchen zusammen mit meinen Freundinnen von Haus zu Haus gegangen bin, in der Lage ist, ein so wundervolles Projekt zu tragen, welches in seiner Form mittlerweile seit unglaublichen 30 Jahren Bestand hat.

Das Leben in Lomas

Spielen in LomasLomas liegt am Rand der Wüste von Peru, direkt an der Küste. Es wirkt wie eine Insel, da es fast von allen Seiten von Wasser umschlossen zu sein scheint. Der größte Teil der ca. 5.000 Einwohner, die dort leben, verdient sein Geld mit der Fischerei. Viele Menschen aus anderen Regionen von Peru versuchen im Januar und Februar, in denen es in den Dörfern nur wenig Arbeit gibt, in Lomas ein wenig Geld hinzu zuverdienen. Das „Haus“ vieler Menschen besteht oft nur aus Strohmatten und vereinzelten Steinwänden, ohne fließendes Wasser. Die Türen in Lomas sind aber immer für alle weit geöffnet und laden ein. An jeder zweiten Ecke kann man peruanische Köstlichkeiten kaufen und sich von der lauten 'Gute-Laune-Musik' anstecken lassen.

Das Haus, indem wir unterbracht sind, wurde extra für die Climatica erbaut. Es besitzt einen großen und freundlichen Innenhof, der mit Muscheln ausgelegt ist und dank eines riesigen Spannlakens ausreichend Schutz für alle nicht 'sonnenverwöhnten Menschen' bietet. - Danke! Die Kinder schlafen hier in jeweils fünf bis sechs Hochbetten. Nur sehr wenige Kinder, die am Ferienlager teilnehmen, haben in ihrem Zuhause ein eigenes Bett. Sie teilen sich dort Matratzen, die ohne Gestell auf dem Boden liegen.

Die Kinder sehen das erste Mal das Meer

glückliche KinderViele Kinder, die nach Lomas kommen, sehen zum ersten Mal das Meer. Entsprechend können nur sehr wenige schwimmen und so ist es wichtig, dass jederzeit ein Betreuer bzw. eine Betreuerin die Kinder fest im Blick hat.

Vor allem das Leben der Kinder aus den Bergdörfern unterscheidet sich kulturell sehr von dem, was wir gewohnt sind. Zum Frühstück gibt es anstatt Brot Kartoffeln und Oliven zu essen. Ganz einfache Brötchen zu frühstücken war für sie etwas ganz Besonderes. So konnte man immer wieder beobachten, wie Einzelne, nachdem der Belag verzehrt war, trockenes Brot in ihre Taschen stopften.

Spiele auch nach SonnenuntergangWas mich außerdem verwunderte war die Tatsache, dass Kinder um 18.00 Uhr freiwillig ins Bett gehen wollen. Der Grund: die Menschen aus den Bergdörfern haben noch kein Licht und sind deshalb komplett von der Sonne abhängig. Von Zuhause aus sind sie es gewohnt, um 4.00 Uhr in der Früh mit den ersten Sonnenstrahlen aufzustehen und mit dem Einbruch der Dunkelheit um ca. 18.00 Uhr schlafen zu gehen.

Viele Kinder beherrschen in dieser Regionen nur die Einheimischensprache „Quechua“. In den ersten sechs Schuljahren, in denen die Kinder die Primarstufe besuchen, lernen sie die Sprache ihrer Urgroßväter im regulären Unterricht. Der Englischunterricht beginnt in der Sekundarstufe. Wobei man sagen muss, dass die Kenntnisse, die die Kinder hier erwerben, nicht über einige wenige Wörter der englischen Sprache hinausgehen.

Das Ferienprogramm

spielerisch Sauberkeit lernenIm Ferienprogramm von Lomas steht der Strand an allererster Stelle. Jeden Vor- und Nachmittag verbringen wir mit den Kinder am Wasser, wo wir zusammen im Wasser toben, Volleyball spielen, Seilchen springen oder verschiedene Wettbewerbe wie z. B. das Sandburgenbauen, veranstalten. Wenn wir vom Strand zurückkommen, müssen die Kinder erst einmal gewaschen werden. Der Abend ist immer unterschiedlich gestaltet. Zum Beispiel wird getanzt, ein Film auf der Leinwand angeschaut, Bibelgeschichten als kleine Theaterstücke präsentiert und vieles mehr. Das Morgen- und Abendgebet bietet den religiösen Rahmen. Sauberkeit und Ordnung werden auf eine spielerische Art und Weise durch Wettbewerbe erzielt.

Als Gruppenleiterin konnte ich mich intensiver um die Kinder kümmern.Nachdem ich in der ersten Hälfte der Ferienfreizeit als Animateur gearbeitet habe, konnte ich in der zweiten Hälfte als Gruppenleiter eine noch viel intensivere Beziehung zu den Kindern aufbauen. Auch wenn diese Zeit noch einmal um einiges anstrengender war. Ich trug wirklich von morgens früh bis in den späten Abend viel Verantwortung. Ich musste jederzeit für die Kinder präsent sein muss. Doch ich habe die Zeit sehr genossen. Es ist wunderschön mitzuerleben, wie die Kinder feststellen, dass Meerwasser salzig ist, wie sie sind an einem festklammen, wenn eine Welle auf sie zukommt und wie sie in ihren Gruppen gegenseitig für einander da sind. Wenn sich jemand etwas kauft, z. B. eine kleine Packung Kekse, dann teilt er diese ganz selbstverständlich, auch wenn am Ende nur noch ein Einziger für ihn selbst bleibt. Die Kinder, die nach Lomas kommen, sind wirklich etwas ganz Besonderes und es hat mir eine unglaubliche Freude gemacht meinen Teil dazu beitragen zu können, dass sie hier eine ganz sorgenfreie Zeit verbringen können, in der sie neue Dinge entdecken und ganz einfach Spaß haben, denn diese Kinder haben es wirklich verdient!

Spenden

Ich hoffe, dass es im Sinne der zahlreichen Spenderinnen und Spender ist, dass ich einen Teil der Spendengelder, die ich vor meiner Abreise erhalten habe, in das Projekt der „Climatica Cristo Amigo“ investiere. Durch die Anschaffung von ausreichend Sonnenmilch und Seife, sowie einigen kleinen Spielzeugautos und Haarschmuck als Preisgeschenke für gewonnene Wettbewerbe, konnte die Ferienzeit der Kinder noch einmal zusätzlich verbessert werden. Vielen Dank dafür!

Sarah Jacobs