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mein peruanisches Zuhause, Huaraz06.2012 - zurück in Huaraz
3. Rundbrief von Sarah

Liebe Familie, liebe Spender, liebe Freunde und Bekannte,
es ist wirklich kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht. In gut zwei Monaten heißt es erneut Abschied nehmen. Nicht für immer, da bin ich mir ganz sicher, aber doch zunächst einmal auf unbestimmte Zeit.

Wenn ich an die vergangenen drei Monate zurückdenke, dann empfinde ich vor allem Eines: Glück und Dankbarkeit. Nach den tollen Erfahrungen, die ich über den Sommer im Feriencamp an der Pazifikküste mit sehr armen Kindern aus verschiedenen Berg- und Wüstendörfern machen durfte, kam ich Anfang März wieder in mein peruanisches Zuhause, nach Huaraz,  zurück.

Meine Arbeit in der „Guardería M.S.C.“

Meine Arbeitsbereiche sind soweit gleich geblieben. Am Vormittag unterstütze ich die Lehrerinnen in der Vorschule und am Nachmittag betreue ich mit zwei weiteren Erzieherinnen Kinder aus ärmsten Verhältnissen in der Kindertagesstätte „La Guardería M.S.C.“.

Kinder in der Kindertagesstätte „La Guardería M.S.C.“Dennoch kann ich sagen, dass vor allem die Arbeit am Nachmittag nun eine ganz andere Herausforderung darstellt, als sie es noch vor einem dreiviertel Jahr für mich getan hat. Als ich im September letzten Jahres zum ersten Mal in die Kindertagsstätte kam, besuchten die Kleinen die Einrichtung schon seit einem halben Jahr und hatten die Abläufe schon recht gut verinnerlicht. Das sah Mitte März dann völlig anders aus. Wenn ein Kind erst einmal anfängt zu weinen, weil es seine Mama vermisst, dann dauert es nicht lange und man kann sich kaum noch retten vor Kindergeschrei. Nach nun drei Monaten hat glücklicherweise aber auch der Letzte gemerkt, dass in machen Fällen zwar mit einstündiger Verspätung, irgendwann aber doch der lang herbeigesehnte Moment kommt, an dem die Mama in der Tür steht und manchmal ist es dann plötzlich doch so schön, dass man gar nicht mehr gehen möchte. :)

Spenden

An dieser Stelle möchte ich auch im Namen der Missionsschwestern vom heiligsten Herzen Jesus, aller Eltern und aller Kinder und Erzieherinnen der Kindertagsstätte ein riesiges Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender aussprechen!

Der Zuspruch Ihrer finanziellen Unterstützung hat es möglich gemacht die Kindertagesstätte ein weiteres Jahr zu eröffnen.

Erzieherinnen in der „Guarderia M.S.C.“ Im Zeitraum von März bis Dezember finden nun zwanzig Kleinkinder aus ärmsten Verhältnissen im Alter von zwei bis drei Jahren montags bis freitags von 08.30 Uhr bis 16.30 Uhr eine ausgewogene Ernährung und eine liebevolle Betreuung.
Die in den meisten Fällen jungen Eltern oder allein erziehenden Mütter haben auf diese Weise Zeit, ihrer Arbeit nachzugehen oder die Schule bzw. das Studium zu beenden.
Zudem erhalten eine Köchin und vier Erzieherinnen in der „Guarderia M.S.C.“ eine feste Anstellung.

Neues SpielzeugVon den Spendengeldern konnten wir Anfang März neues Spielzeug (Puzzles, Puppen, spezielles Lernspielzeug etc.) einkaufen.
Außerdem war es uns möglich eine kleine Muttertagsfeier zu organisieren. Der Vormittag wurde so gestaltet, dass alle Mütter mit ihren Kindern zusammen kamen, um bei einem kleinen Snack in einer entspannten Atmosphäre gemeinsam zu singen und sich auszutauschen.

Die Schulinstitution

Die Schule „Nuestra Señora del Sagrado Corazón de Jesús“ (“Unsere Frau vom heiligsten Herzen Jesus“), in der ich lebe und arbeite, hat Ende März ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Zu diesem Anlass sind 15 Schwestern, die viele Jahre lang tolle Arbeit in der Schule geleistet haben, von ihren derzeitigen Einsatzländern, z. B. Paraguay, Rumänien, Spanien etc., nach Huaraz gereist, um an der einwöchigen Feier teilzunehmen. Ebenso kamen auch viele ehemalige Schüler aus verschiedenen Städten herbei, um ihre damaligen Klassenkameraden, Lehrer und Direktorinnen wieder zutreffen. Für alle Beteiligten war es eine einmalig tolle Gelegenheit sich gemeinsam an die alten Zeiten zu erinnern, was natürlich vor allem für die ältesten Abschlussklassen mit vielen Emotionen verbunden war.

Die Schuluniform zeigt die GemeinschaftDie Zeit, die ich hier in Huaraz und in dieser schulischen Institution verbringen durfte, hat mir gezeigt, wie „anders“ das Schulleben aussehen kann. In dieser Schule kann man nämlich wirklich von „Leben“ sprechen, denn es geht hier nicht wie man es aus deutscher Sicht gewohnt ist, ausschließlich darum Wissen zu vermitteln und die bestmöglichen Noten zu erziehen. Wie die Schuluniform es äußerlich schon andeutet steht hier etwas anderes an erster Stelle, und das ist die Gemeinschaft.

Die Institution „Nuestra Señora del Sagrado Corazón de Jesús” bietet ein Bildungsangebot vom dritten bis zum siebzehnten Lebensjahr. Die 3-jährige Vorschule und die 6-jährige Primarstufe finden am Vormittag statt. Die Sekundarstufe dauert fünf Jahre und findet am Nachmittag statt. Ein Schüler besucht somit sein Leben lang nur eine edukative Einrichtung.

eine der zahlreichen Tanzaufführungen an WochenendenZudem kommen die zahlreichen Sportaktivitäten und Tanzaufführungen an den Wochenenden. Man kann wirklich sagen, dass die Schüler insgesamt mehr Zeit in der Schule verbringen als Zuhause. Und auch die Lehrer sind mit einer unglaublichen Kreativität immer mit dabei. Einige spielen in einer Band, andere organisieren Theaterstücke, wieder andere sind wirklich tolle Tänzer und haben ihre Freude daran, ihr Können in Trachten oder lustigen Kostümierungen zu präsentieren. Lehrersein ist hier nicht einfach nur ein Job. Es ist schon eine kleine Lebensaufgabe. Für mich persönlich ist dieses Engagement wirklich beeindruckend. In der Festwoche zum Schuljubiläum toppte eine Aktivität die nächste. Ich bin sehr dankbar, in dieser Woche dabei gewesen sein zu dürfen.

Fazit

Ich bin ein riesiges Stück gewachsenIn den vergangenen Monaten habe ich um ein Neues viele nette Menschen intensiver kennen lernen dürfen. Ich habe immer mehr das Gefühl, ein Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Es ist schön zu merken, dass mein Dasein einen positiven Effekt hat, indem z. B. das Spendengeld an den passenden Stellen ankommt. Genauso wichtig ist es für mich, dass ich gemerkt habe, dass es gar nicht wichtig ist große Dinge zu vollbringen. Wenn man es schafft sich auf das Neue einzulassen und sich aus seiner eigenen Festgefahrenheit zu lösen, dann kann man zum Einen selbst so viel dazulernen und zum Anderen auch den Anderen so viel mehr geben. Ich habe das Gefühl, dass ich während in meiner Zeit hier in Peru ein riesiges Stück gewachsen bin.

Ich werde mein Möglichstes dafür tun, dass dass die „Guardería M.S.C.“ nach lange weiter bestehen bleibtNun, wo mir bewusst wird, dass sich meine Zeit hier so langsam aber sicher dem Ende entgegen neigt, möchte ich jeden Tag noch einmal besonders genießen. Die Erfahrungen, die ich hier machen durfte, kann mir zum Glück niemand mehr nehmen und so hoffe ich, dass ich einen Teil der peruanischen Herzlichkeit, der Kreativität und des Gemeinschaftsgefühls mit nach Hause nehmen kann.

Ich wünsche mir vom ganzen Herzen, dass die „Guardería M.S.C.“ nach lange weiter bestehen wird und ich werde mein Möglichstes dafür tun.

Sarah Jacobs