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Perlen, Sinnbild des LebenswegesPerlen des Glaubens

Eigentlich wollte der (evangelische) schwedische Bischof Martin Lönnebo ein Buch über den christlichen Glauben schreiben. Doch als er griechische Fischer mit ihren Perlenketten beobachtete, kam er auf die Idee mit dem Perlenband.

In der Vorbereitung auf die Firmung werden wir auch mit den Perlen des Glaubens arbeiten.

 

18 Perlen

Die Idee ist einfach und hat es doch in sich: Achtzehn Perlen in der Hand. Jede einzelne Perle hat Ihre eigene Bedeutung. Sie steht für eine Lebensfrage, einen Gedanken, ein Gebet. Zwölf Perlen für die wichtigsten Themen meines Lebens und meines Glaubens, dazu sechs „Perlen der Stille“.

Sinnbild des Lebensweges

Zu einem Perlenband zusammengefügt, können die Perlen ein Sinnbild des Lebensweges sein. Sie machen den Glauben „be-greif-bar“.

Die Resonanz darauf ist überraschend groß. Für viele Christinnen und Christen in Skandinavien gehören die Perlen des Glaubens inzwischen zum täglichen Leben.

Katechismus für die Hände

Die Perlenkette regt dazu an, christliche Tradition neu zu entdecken und zu verstehen. Die Perlen sind ein Katechismus (Glaubensunterricht) für die Hände, ein einfaches Hilfsmittel, den eigenen spirituellen Weg zu finden und einzuüben. Sie helfen, den Alltag für einen Moment zu unterbrechen und zu sich selbst zu kommen, zu anderen Menschen, zu Gott.

Perlen in St. Vitus zur Firmung 2007Perlenband in St. Vitus

Hier in der St. Vituskirche ist nun eine überdimensionale Darstellung des Perlenbandes zu sehen. Im Zentrum der Darstellung ist das Kreuz, gleichsam als Mitte unseres Glaubens und des Lebens. Herzlich sind Sie eingeladen, hier vor der Darstellung zu verweilen und mit den Augen entlang der einzelnen Perlen, das Leben Jesu und das eigene Leben zu bedenken und so ins Gebet zu kommen.

Gottesperle: (gelb)

Gott ist der Ursprung des Lebens, der vor aller Zeit ewig ist. Jesus Christus kommt aus Gott, er ist das wahre Bild Gottes (Kol 1,15). Gott ist grenzenlos und zeitlos, ewig. Auch mein Ursprung liegt in Gott. Diesen Gott darf ich jeden Tag neu in meinem Leben suchen. Aber ich darf mir auch sicher sein, dass Gott mich sucht.

Ichperle: (weiß, klein)

Jesus ist ganz und gar Mensch geworden. Das Menschsein Jesu ist aber nicht abzulösen von seiner Einheit mit Gott. Die Einheit Jesu mit dem Vater ist umfassend und das Urbild jeder Beziehung. Ich bin wie jeder Mensch eingeladen, mit meiner ganzen Person in diese Einheit mit Gott hineinzuwachsen. Diesen Gott finde ich in allem, was lebt - auch in mir. Ich bin, wie jeder Mensch, ein unverwechselbares Originalgeschöpf Gottes - wunderbar gestaltet.

Taufperle: (weiß, groß)

Jesus wird von Johannes am Jordan getauft. Bei der Taufe Jesu erklingt Gottes Stimme aus dem Himmel und bestätigt „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ Ich bin selbst getauft auf den Namen des Vater, des Sohnes und des heiligen Geistes. Auch mir gilt Gottes Wort „Du bist meine geliebte Tochter,.. du bist mein geliebter Sohn... an dir habe ich Gefallen gefunden von Mutterleib an.“

Wüstenperle: (beige, rund)

Nach der Taufe treibt der Geist Gottes Jesus in die Wüste.

(Mk 1,12 f) In der Wüste sind zunächst nur der Mangel, die Ödnis, Sand und Steine. Wüstenerfahrung macht auch Jesus. Für ihn ist die Wüste ein Rückzugsort, ein Ort der Abgeschiedenheit und Einsamkeit. Hier setzt sich Jesus seiner Berufung aus und die Wüste wird ihm zu einem Ort der Anfrage, Versuchung und der Klärung. Wenn ich in meiner Lebenserfahrung von „Wüstenzeiten“ oder „wüsten Zeiten“ sprechen, dann spreche ich damit vor allem Erfahrungen des „leer seins“, des „ausgebrannt seins“ an. Solche Leere kann bedrohlich sein und Verunsicherung schaffen. Und trotzdem steckt darin auch eine große Chance. Schließlich kann sich Gott nur dann in mir ausbreiten, wenn ich noch Leere in mir habe.

6 Perlen der Stille: (beige, oval)

Jesus geht immer wieder in die Stille, um zu beten, um „in sich zu gehen“. Von diesem „Jesus in der Stille kann ich lernen. Stille und Schweigen ist heute mehr denn je buchstäblich not- wendig.

Doch Stille ist auch die vielleicht größte Herausforderung an uns Menschen, denn im Schweigen und im still werden, bin ich mir und meiner eigenen Wahrheit ausgesetzt. Das kann schwer und vielleicht sogar bedrohlich sein. Schweigen öffnet mir meine Sinne und meine Wahrnehmung auf neue Weise, ist Voraussetzung dafür, dass Gottes Stimme zu mir dringen kann. Ich kann mich von Jesus in die Stille mitnehmen lassen.

Perle der Gelassenheit: (blau)

Die Lebenshaltung Jesu ist nicht abzulösen von seiner tiefen Verwurzelung in Gott. Darum kann Jesus seinen Weg in Konsequenz und mit großer Gelassenheit gehen. Er kann loslassen, weil er um das größere Ganze weiß und kann dem Fluss des Lebens vertrauen.

Jesus sorgt sich nicht um den Tag morgen, sondern blickt auf das Hier und Jetzt (Mt 6,25). Im Vertrauen darauf, dass ich in Gott bin, kann ich lernen gelassen meinen Weg zu gehen.

2 Perlen der Liebe: (rot)

In Jesus selbst ist die Liebe (Gottes) ausdrücklich deutlich geworden. Das Leben Jesu ist ein einziges Beispiel für Liebe. Jesus lebt und liebt für die Menschen, zu denen er sich gesandt weiß.

Im Doppelgebot der Liebe fasst Jesus die Liebe zu Gott mit der Nächstenliebe zusammen. „Liebe Gott, von ganzem Herzen. Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du!“ In der Nachfolge Jesu zu leben, bedeutet in diese Liebe einzustimmen und hineinzuwachsen. Wo die Liebe und die Güte ist, da ist Gott auch heute durch Menschen unter den Menschen lebendig.

3 Geheimnis Perlen: (weiß, klein)

Jesus hat sein Leben mit den Menschen geteilt und in besonderer Weise mit seinen engsten Jüngerinnen und Jüngern. Doch selbst ihnen bleibt Jesus bis zuletzt in manchem geheimnisvoll.

Letztlich geht es gar nicht darum, dass ich Jesus „verstehe“ oder begreife, sondern, dass ich mich von Jesus mitnehmen lasse auf einen Weg in Glaube, Hoffnung und Liebe.

Perle der Nacht: (schwarz)

Die Perle der Nacht lässt mich an das Ende des Weges Jesu denken. Die Nacht ist auch ein Sinnbild für Dunkelheiten im Leben des Menschen, für dunkle Erfahrungen. So wird mit dieser Perle etwas angesprochen, dass nicht wenigen glaubenden Menschen bekannt ist: wo Licht ist, da ist auch Schatten. Menschen erfahren in ihrem Leben Brüche, Einschnitte, Trauer... .Glaubende Menschen fragen in diesen Situationen auch nach Gott.

Dabei klingt im Bild der Nacht aber nicht nur die Dunkelheit allein an, sondern auch die Erfahrung des Übergang, des Wandels und der Neuwerdung: In der Mitte der Nacht, liegt der Anfang des neues Tages. Jesus ist in der Hoffnung, dass er in seiner Dunkelheit in Gott getragen und aufgefangen ist.

Perle der Auferstehung: (weiß, groß)

Der Weg Jesu endet nicht am Kreuz, sondern das letzte Wort hat das Leben. Die Kehrseite der (Perle der) Nacht ist die (Perle der) Auferstehung. Jesus wird von Gott zu neuem ewigen Leben auferweckt. Der Weg Jesu führt vom Dunkel zum Licht, aus dem Tod in das Leben: Verwandlung ist das Geheimnis des Lebens Jesu, das auch mich und mein irdisches und begrenztes Leben verwandeln kann. Dabei ist die Botschaft von der Auferstehung keine Vertröstung auf Zukunft, sondern lässt mich mit Jesus danach fragen, wo ich schon jetzt gegen alle Hoffnungslosigkeit und Resignation das Leben und die Hoffnung wagen darf.

Gottesperle: (gelb)

Der irdische Weg Jesu endet in seinem Ursprung. Die Bibel berichtet, dass Jesus nach seiner Auferstehung in den Himmel aufgenommen wird. Das Leben kommt aus Gott und kehrt zu Gott zurück. Nun beginnt etwas ganz Neues und etwas total Anderes. So schließt sich einerseits ein Kreis und es eröffnet sich mir ein neuer Weg, den ich vertrauensvoll beschreiten und auf dem ich meine Schritte gehen darf.