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Börger predigtPredigt Dreifaltigkeitssonntag – C – 2016

„Der Christ (der Fromme) von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas ‚erfahren’ hat, oder er wird nicht mehr sein . . .“

Liebe Schwestern und Brüder im gemeinsamen Glauben,
Karl Rahner, er war wohl einer der bedeutendsten kath. Theologen und Priester des 20. Jhd., er hat diese Aussage geprägt.

„Der Christ (der Fromme) von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas ‚erfahren’ hat, oder er wird nicht mehr sein . . .“

Mit dieser Aussage werden die Christen als Mystiker betrachtet; genauer: als Menschen, die Erfahrungen gemacht haben mit der göttlichen und absoluten Wirklichkeit, und die stets darum bemüht sind, diese Erfahrungen immer wieder neu zu machen.

 

Wir feiern heute den Dreifaltigkeitssonntag, das Geheimnis der dreieinigen Liebe Gottes zu uns Menschen. Wir feiern das Geheimnis unseres Gottes in den drei Personen „Gott-Vater“, „Gott-Sohn“ und „Gott-Heiliger Geist“, die gleichzeitig in der einen Person unseres Gottes vereinigt sind.

Zugegeben: ein recht kompliziertes Fest – und von der Thematik her, nicht leicht zu verstehen.

Das Hochfest der Heiligen Dreifaltigkeit schließt sich zwar unmittelbar an Pfingsten an, es ist aber nicht einfach so etwas, wie die Fortsetzung des Pfingstfestes.

Der Dreifaltigkeitssonntag lädt uns vielmehr dazu ein, das Wirken Gottes in unserer Welt insgesamt zu betrachten. Er führt uns das Heilswirken Gottes an uns Menschen nochmals vor Augen; ausgehend von der Advents- und Weihnachtszeit, über die Fasten- und Osterzeit, bis hin zur Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten.

Und gleichzeitig greift es schon damals brandaktuelle Fragen wieder auf – Fragen, die sich die Menschen in den jungen christlichen Gemeinden stellten, als die Jünger Jesu und die Alt-Apostel nicht mehr zur Verfügung standen. Fragen, die uns auch heute nur allzu vertraut sind:

  • „Wie geht es weiter?“
  • „Wer wird unsere Gemeinden führen?“
  • Wer ist dafür verantwortlich, dass unsere Gemeinden lebendig bleiben – heute – morgen und übermorgen?“

Liebe Schwestern und Brüder,
am Tage der Aufnahme Jesu Christi in den Himmel, an Christi-Himmelfahrt, da hat Jesus seinen Jüngern das Kommen des Heiligen Geistes zugesagt. Die „Kraft aus der Höhe“, die mein Vater verheißen hat – so hat Jesus den Heiligen Geist genannt –  diesen Beistand kündigte er an.

Im heutigen Evangelium spricht er vom „Geist der Wahrheit“, der von Gott selbst kommt.

Und ebenfalls an Christi-Himmelfahrt hat er die Jünger beauftragt zu allen Menschen, zu allen Geschöpfen, zu gehen und das Evangelium zu verkünden, damit diese im Namen Gottes der Welt das Heil bringen. 

Heute sind wir die Jünger Jesu. Wir sind es, die den Heiligen Geist empfangen haben, und wir sind es auch, denen heute der Sendungsauftrag Jesu gilt.

Und nun kommt wieder der zu Beginn zitierte Satz Karl Rahners ins Spiel:

„Der Christ (der Fromme) von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas ‚erfahren’ hat, oder er wird nicht mehr sein . . .“

Sind wir heute in der Lage, Erfahrungen mit der göttlichen Realität zu machen?
Erleben – erfahren wir etwas von Gottes Wirklichkeit? Haben wir vom Evangelium genug verstanden, um es den Menschen verkündigen zu können? Und: trauen wir es uns denn auch zu?

Sicherlich: unser heutiges Leben, unser Alltag fordert uns immer wieder heraus mit allerlei notwendigen Aufgaben und Verpflichtungen. Oft sind die Dinge, die alle noch zu erledigen sind, auch etwas zu viel des Guten; und doch glaube ich bei alldem fest an das Wirken des Heiligen Geistes in einem jeden von uns. Wir haben manchmal nur verlernt, dieses Wirken auch zu erkennen.

Im Buch der Sprichwörter – in der ersten Lesung des heutigen Tages – da spricht Gottes Weisheit selbst zu uns:

  • „Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege.“
  • „Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.“

An Pfingsten haben wir im Heiligen Geist erneut diese Weisheit Gottes empfangen. Wenn wir uns täglich ein wenig Zeit nehmen, um in uns hinein zu hören, dann können wir von der Weisheit lernen, dann können wir das Geheimnis des heutigen Dreifaltigkeitssonntags begreifen, dann können wir Mystiker werden und Gottes Heilswirklichkeit erfahren.

Wir können Gott-Vater als den Schöpfer allen Seins begreifen. In der Natur, in den Pflanzen und Tieren, in den Schönheiten dieser Welt. In unseren Mitmenschen können wir seine schöpferische Kraft, seine Liebe zum Detail entdecken. Wir können uns selber als sein Geschöpf begreifen.

Und Jesus – der Gott-Sohn – er wird uns zur Offenbarung der Liebe unseres Gottes. Gott ist Mensch geworden, um uns ganz nahe zu sein, um uns seine Liebe in unseren begrenzten Verstandesmöglichkeiten  zugänglich zu machen. Er hat sich ganz für uns hingegeben und uns für immer erlöst.

Und indem er ganz menschlich, in unserer Sprache zu uns spricht,  zeigt er uns den Weg des Heiles auf. Wir können es finden, wenn wir seiner Botschaft folgen und in seiner Liebe bleiben. Konkret kann dies gelingen, wenn wir die Botschaft Jesu in unserem Alltag leben.

Und im Pfingstereignis hat sich erfüllt, was uns Gott zugesagt hat: wir sind nicht allein unterwegs. Der Heilige Geist – der Geist der Wahrheit, den wir empfangen haben, – er ist die Wahrheit Gottes selbst, die uns immer wieder die Botschaft Jesu zuruft. Unser Gewissen ist es, das uns diese Wahrheit immer wieder aufs Neue erkennen lässt.

All dies können wir in unserem täglichen Leben erfahren: in unseren Mitmenschen, im Lachen eines Kindes, in der Umarmung eines Freundes, im stillen Miteinander, wenn Worte nicht erforderlich sind, um sich zu verstehen. Wir erleben Gott, wenn Menschen uns ganz uneigennützig helfen, wenn wir beschenkt werden, wenn jemand einen schweren Weg mit uns geht oder auch: wenn wir uns an den Wundern unserer Welt erfreuen können.

Als Christen sind wir aufgefordert, diese Liebe des Vaters, die uns in Jesus Christus geschenkt wurde, und die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen eingezogen ist, diese Liebe durch unser Leben, unser Glaubenszeugnis und unseren Einsatz für unsere Schöpfung an andere Menschen weiterzuschenken.
Weiterzuschenken, damit auch sie das Geheimnis des göttlichen Lebens als Geschenk erfahren können.
Weiterzuschenken, damit die Frage beantwortet werden kann, wie es weitergehen wird.

Amen. 

Die Bibelstellen des Tages:

1. Lesung         Buch der Sprichwörter – Spr 8, 22 – 31
2. Lesung         Brief des Apostels Paulus an die Römer – Röm 5, 1 – 5
Evangelium      nach Johannes – Joh 16, 12 – 15

Stephan Börger, Diakon