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Stephan Börger predigtSo, 11.12.16 - Predigt am 3. Adventssonntag
Stephan Börger
A – 2016 / Mt 11, 2 – 11

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Wanderfreunde auf Krippentour,
die Hälfte des Weges ist geschafft. Am heutigen dritten Adventssonntag, in der Halbzeit der Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, sind wir eingeladen, uns zu freuen.

Gaudete! Freut euch! – Dies ist die Losung, das Motto des heutigen Adventssonntages.

Das Weihnachtsfest – die Geburt unseres Herrn Jesus Christus – lässt nicht mehr lange auf sich warten. Die Lesung aus dem Buch Jesaja, die wir gerade eben gehört haben, sie ist voll von Bildern der Freude. Wie ein Wanderführer beschreibt die Lesung, was die Wanderer am Ziel ihrer Reise erwartet – was sich mit der Geburt Jesu Christi erfüllen wird.

„Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. . . . jubeln soll sie, jubeln und jauchzen.“ (Jes 35, 1 – 2)

"Blinde werden wieder sehen, Taube wieder hören, Lahme werden springen wie ein Hirsch und Stumme werden wieder sprechen." (vgl. Jes 35, 5 – 6a)

„Ewige Freude ruht auf ihren Häuptern. Wonne und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen.“ (Jes 35, 10)

Mit dieser freudigen Erwartung sind wir alle unterwegs auf unserer Wanderung, hin zur Krippe, zum Christuskind im Stall von Bethlehem.
Lasst uns also Bergfest feiern und freudig sein. Gaudete! Freut euch!

Jesus wird als prachtvoller König erwartet
Im Evangelium hören wir von Johannes dem Täufer. Er sitzt im Gefängnis. Und in dieser misslichen Lage ist er sich gar nicht mehr so sicher, dass dieser Jesus, den er als den Messias ankündigte und den er im Jordan getauft hat, dass dieser Jesus auch tatsächlich der Messias ist. Wie viele Menschen erwartete Johannes den kommenden Messias in Gestalt eines pracht- und machtvollen Königs. Der Messias sollte derjenige sein, der die politischen Machtverhältnisse drastisch verändert, gar aufhebt; der kommende Richter, der der Welt die Gerechtigkeit bringen sollte.

Johannes kommen Zweifel. Er schickt einige seiner Freunde zu Jesus, um ihn zu fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?“ (Mt 11, 3)

Jesus verweist auf Gottes Wirken
Und was sagt Jesus? Er sagt nicht einfach: „Ja, natürlich! Der Messias bin ich! Wer soll es denn sonst sein?“, nein, Jesus lädt dazu ein, genau hinzuschauen! Hinzuschauen, auf das, was alles geschehen ist. Er verweist auf das Wirken Gottes in der Welt! Er lenkt den Blick auf die Dinge, die deutlich machen, dass das Reich Gottes bereits begonnen hat.

„Geht . . . berichtet . . ., was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen: Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11, 4 – 5)

Liebe Wanderfreunde,
geht es uns nicht manchmal genauso wie Johannes dem Täufer? Sitzen wir nicht auch manchmal im Gefängnis unserer Alltäglichkeiten fest und warten auf den großen Gott, auf Jesus, der kommt und alles besser machen - alles richten wird?

Fragen wir uns dann nicht auch: „Ist er es oder ist er es nicht, auf den wir warten?“
Gaudete! Freut euch! – Manchmal gar nicht so einfach!

Am Freitagabend (09.12.2016) lief in einem Vorabendprogramm im Fernsehen ein Bericht, der mich sehr angesprochen und berührt hat – und der, so glaube ich, darauf hinweisen kann, auf das, was Weihnachten bedeutet.

Fernsehbericht
Lassen Sie mich kurz erzählen:

Die Aktion hat vor einigen Tagen in einem großen Einkaufszentrum in Bremen stattgefunden. Der Leiter eines Bremer Gospelchores hatte die Idee und sie mit Hilfe des Chores, der aus 80 Sängerinnen und Sängern bestand, umgesetzt. Im Kaufhaus, in der Mitte einer riesigen Eingangshalle stand ein kleines Mädchen mit einem Schild in der Hand. Darauf war zu lesen: „Magst Du mir helfen?“

Die meisten Menschen gingen einfach achtlos an dem kleinen Kind vorbei. Einige wenige Männer und Frauen blieben stehen und sprachen das Mädchen an, wie sie denn helfen könnten? Das Kind nahm diese Menschen an die Hand, führte sie aus der Mitte der Halle weg, an den Rand, wo auf die Helfenden nun eine Überraschung wartete. Eine Sängerin begrüßte die Helfer und stimmte das Lied „Feliz Navidad“ – „Frohe Weihnachten“ an. Dann erklang Musik und alle anderen Sängerinnen und Sänger des Chores stimmten in das Lied mit ein. In der Mitte der Halle stand nun ein gedeckter Tisch mit Kerzen und Kuchen. Jetzt waren die Helfer die Beschenkten – und die meisten waren sehr berührt. Und nun blieben auch die anderen Menschen im Kaufhaus stehen – teilweise schauten sie nur; teilweise stimmten sie in das Lied mit ein.

Wir können helfen
Liebe Schwestern und Brüder,
nur eine schöne Idee – oder vielleicht mehr? Wir alle wissen, dass Christus geboren wurde, und dass er der Messias ist. Und wenn wir uns auf den Weg hin zur Krippe machen, dann sind wir genau auf dem richtigen Weg. Im heutigen Evangelium sagt uns Jesus, wie wir ihn dabei finden können: „Schaut hin! Schaut auf das Wirken Gottes in unserer Welt und schaut auch genau hin, wie Ihr mithelfen könnt! Mithelfen, damit das Reich Gottes in dieser Welt spürbarer, erfahrbarer und lebendiger wird! Dazu seid Ihr alle berufen!“

Stellen Sie sich einmal vor: das Jesuskind trägt das Schild: „Magst Du mir helfen?“

Liebe Mitwanderer! Liebe Schwestern und Brüder im gemeinsamen Glauben!
In den Bänken liegen kleine Teelichter. Eines für jeden! Nehmen Sie es gleich nach dem Gottesdienst mit auf den Weg. Schenken Sie es einfach jemandem, den sie lieb haben, jemandem, den Sie schon lange nicht mehr besucht haben. Vielleicht jemandem, mit dem Sie sich gerade streiten oder auch einfach jemandem, den sie zufällig treffen. Erzählen Sie von der Botschaft Jesu, von der Botschaft des Kindes in der Krippe. Helfen Sie mit, Gottes Reich erfahrbar zu machen . . . ich bin mir sicher: dann wird uns die Freude der Weihnacht zuteil.

Für uns alle zünde ich jetzt schon mal ein Licht an!

Gaudete! Freut euch!
Stephan Börger, Diakon

Texte zur Predigt: Jesaja 35, 1 – 6 a. 10 
Matthäusevangelium 11, 2 – 11

Film von dem Mädchen, das um Hilfe bittet