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Diakon Stephan BörgerPredigt 5. Sonntag der Osterzeit – A – 2017
Apg 6, 1 – 7 und Joh 14, 1 – 12

Liebe Schwestern und Brüder im gemeinsamen Glauben!

Im Evangelium hören wir Jesus sagen: „Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.“ (Joh 14, 4)
Worauf ihm Thomas entgegnet: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ (Joh 14, 5)

Dieser kurze Gesprächsausschnitt scheint mir gut in die aktuelle Situation unserer Kirche zu passen.Welchen Weg soll die Kirche heute gehen? Diese Frage wird sowohl von der Amtskirche, als auch von den Gläubigen in unseren Gemeinden oft gestellt.

Den Weg, den unsere Kirche viele Jahrzehnte gegangen ist, dieser Weg scheint für die heutige Zeit nicht mehr stimmig zu sein.

Das, was wir anhand von sinkenden Besucherzahlen bei den Gottesdiensten und vermehrten Kirchenaustritten merken, das sind Ergebnisse von unbeantworteten Fragen zum Verständnis kirchlicher Glaubenspraxis. Es sind zum einen Fragen nach der Unauflöslichkeit der Ehe, dem Zugang zu den Sakramenten von Geschiedenen und Wiederverheirateten Christen, Fragen nach dem Zugang zum Priesteramt, der Weihe von Frauen, der Unfehlbarkeit des Papstes, um hier nur einige zu nennen.
Darüber hinaus schwindet das Verständnis zu den kirchlichen Festen eines Kirchenjahres, das Verständnis zu den Sakramenten und zu liturgischen Handlungen. Und dies ist auch bei denjenigen festzustellen, die sich durchaus als Christen, als gläubige Menschen verstehen und mit uns allen gemeinsam auf der Suche nach dem Weg zum Reich Gottes sind.

In der Apostelgeschichte hören wir davon, wie es in der jungen und wachsenden Gemeinde zu Schwierigkeiten und Unzufriedenheiten kommt.
Zu der überwiegend hebräischen Gemeinde stoßen griechisch geprägte Juden, die sog. Hellenisten hinzu. Die Gemeinde, die sich um ihre Mitglieder kümmerte, übersah nun die Versorgung der Witwen aus dem hellenistischen Teil der Gemeinde.
Dazu muss man wissen, dass Witwen in der damaligen Zeit nicht versorgt waren. Sie fielen durch das soziale Netz der Gesellschaft hindurch und waren auf Hilfe angewiesen, um überleben zu können.
Die Apostel, die diese Problematik erkannten, beriefen eine Gemeindeversammlung ein und ließen die Gemeinde sieben Männer auswählen, die sich der Lösung des Problems annahmen.

Wie kann uns dies heute weiterhelfen?

In der Woche nach Ostern war ich mit einer Gruppe aus Olfen und mit Jugendlichen und Erwachsenen aus Senden und Münster zu Gast in der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé. In dieser Zeit waren dort etwa 5000 Christen aus vielen Ländern der Welt zu Gast. Damit diese Treffen dort funktionieren können, sind alle Gäste gefragt, tatkräftig mitanzupacken. Jeder bekommt eine Aufgabe: sei es die Begrüßung neuer Gäste am Empfang, sei es die Mithilfe beim Verkauf in dem kleinen Kiosk der Gemeinschaft oder die Mitarbeit bei der Reinigung der Gebäude, der Kirche, der Wasch- und Toilettenräume. Mitarbeit ist auch gefragt bei der Vorbereitung und Ausgabe der täglichen Mahlzeiten, bei der Reinigung des Geschirrs sowie bei der Durchführung der täglichen Gesprächsrunden zu biblischen Themen. Dadurch, dass jeder mithilft, funktioniert die Gemeinschaft von Taizé.

Und darüber hinaus funktioniert noch etwas ganz anderes. Jeder hat die Möglichkeit, etwas von der Botschaft Jesu Christi zu erfahren; sich ganz persönlich mit der Ansprache Gottes an einen jeden von uns zu beschäftigen. In den Gesprächsrunden, in den Gottesdiensten, die drei mal am Tag gefeiert werden, in den Gesprächen mit den Brüdern von Taizé geht es um die ganz persönliche Beziehung eines jeden einzelnen zu Gott, zu Jesus Christus.
Und nun sind wir wieder bei der Botschaft Jesu im heutigen Evangelium, wenn er sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“ (Joh 14, 6 – 7)

Frère Roger, der Gründer der Gemeinschaft von Taizé hat es so ausgedrückt: „Lebe das vom Evangelium, was du verstanden hast; und wenn es noch so wenig ist.“


Liebe Schwestern und Brüder,

auch in unserer Gemeinde hier in Olfen und Vinnum gibt es viele Menschen, die tatkräftig mithelfen, die anpacken und andere unterstützen. Das ist gut so und Ihnen und Euch sei einmal an dieser Stelle dafür recht herzlich gedankt!

Lassen wir uns nicht entmutigen von den großen kirchenrechtlichen und kirchenpolitischen Problemen und Fragen, sondern schauen wir auf unseren ganz persönlichen Glauben und auf unsere Gemeinde hier vor Ort. Jeder und jedem von uns hat Gott ganz spezielle – ganz persönliche Begabungen und Fähigkeiten geschenkt; diese gilt es zu entdecken; diese gilt es zu fördern und zu leben.

Jesus traut uns zu, dass wir den richtigen Weg schon finden, weil wir ihn eigentlich schon kennen: es ist der Weg, der Botschaft der Liebe Gottes zu uns Menschen!
So ruft er uns zu: „Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.“ (Joh 14, 12)

Wir sind eingeladen, bei allem was wir tun, über Gottes Botschaft der Liebe zu sprechen; damit wir begreifen, was wir feiern und warum wir etwas tun. Und wenn wir uns von Gott getragen fühlen, dann können wir seine Liebe ausstrahlen in die Welt; dann wir Gottes Reich gegenwärtig.
Amen.

Stephan Börger
Diakon