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Ein Jugendbild von Pfarrer Niewind aus dem Familienalbum.  Es zeigt ihn in der Uniform des Sanitätssoldaten.Pfarrer Heinrich Niewind
* 16. Januar 1911   + 30.08.1981 in Olfen
Priesterweihe: 21.12.1935
Kaplan in Oberhausen-Osterfeld
Sanitätssoldat in Polen und Frankreich
Kaplan in Duisburg-Rheinhausen + St. Amandus in Datteln
1960 bis 1971 Pfarrer und Dechant in St. Marien in Recklinghausen-Süd
1973 vorzeitiger Ruhestand

Bericht von Karl-Josef Jennebach
Pfarrer Niewind bewahrte Dorf vor Zerstörung
Französische Gäste bei Eröffnungsfeier zum Stadtjubiläum

Priester und Sanitäter - Frankreich 1944
Karl-Josef Jennebach

Velesmes erinnert sich an Rettung

Als in den sechziger Jahren die Bewohner des französischen Dorfes Velesmes bei Besancon ihre Kirche restaurierten, wollten sie ein Fenster einsetzen lassen, das an ein schreckliches Ereignis aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern sollte: Ein junger deutscher Priester, in der Uniform eines Sanitätsoffiziers, verhinderte durch sein unerschrockenes Eintreten die völlige Zerstörung des Ortes und die nicht auszuschließende Geiselnahme und Erschießung von Dorfbewohnern durch die deutsche Militärpolizei.

Während sich der Künstler mit der Gestaltung des Fensters beschäftigte und nach dem Namen des deutschen Priesters fragte, wusste ihm niemand eine Antwort zu geben. Deshalb richtete der Pfarrer von Velesmes, Abbe Marcel Remillet, Nachfolger des Pfarrers Noels, ein Schreiben an den deutschen Botschafter in Paris:

»...Ich habe mich daher an Sie gewandt in der Überzeugung, dass Sie alles tun werden, um eine Spur des deutschen Geistlichen zu finden und uns unseren Wunsch verwirklichen zu helfen....».

Der Botschafter bat das Auswärtige Amt in Bonn um Hilfe, den Retter von Velesmes ausfindig zu machen.

Dechant Niewind schweigt

Nachdem das Hilfeersuchen bekannt geworden war, erschien eine Suchmeldung in zahlreichen Tageszeitungen, Illustrierten und in den Amtsblättern für die deutschen Bistümer. Auch Dechant Niewind aus der Bauernschaft Kökelsum in Olfen las in seinem Recklinghausener Pfarrhaus die Meldungen, aber er schwieg. Durch einen gezielten Hinweis erfuhr jedoch das Generalvikariat in Münster, dass jener überall gesuchte Priester der Pfarrer Heinrich Niewind von St. Marien im Stadtteil Recklinghausen-Süd war.

„Heinrich hat mir wohl ein- oder zweimal angedeutet, dass er ein ziemlich aufregendes Erlebnis in Frankreich hatte“, erinnert sich sein Bruder Karl in Olfen-Kökelsum, „aber er hat nie ausführlich davon gesprochen.“

Nach seiner Versetzung in den Ruhestand lebt Pfarrer Niewind wieder in seiner Heimatstadt Olfen. Erst auf mehrfaches Bitten schildert er uns in seiner nüchternen und bescheidenen Art sein Kriegserlebnis, das - wie eine Zeitung enthusiastisch schrieb – ‚den deutschen Blätterwald ins Rauschen brachte’.

Heinrich Niewind beirchtet

Im Juni 1944 hatte unter dem Oberbefehl General Eisenhowers die alliierte Invasion in Nordfrankreich begonnen. Schon im September waren einzelne Abschnitte der deutschen Westgrenze erreicht.

In den ersten Septembertagen befand sich unsere Sanitätskompanie - wie fast alle deutschen Truppenteile - auf dem Rückzug. Es herrschten chaotische Zustände. Straßen und selbst schmale Wege waren von zurückflutenden Truppen verstopft. Alliierte Panzereinheiten stießen unaufhaltsam nach. Englische und amerikanische Jagdbomber beherrschten den Luftraum, bombardierten unsere Fahrzeugkolonnen und beschossen aus Bordkanonen und Maschinengewehren Marschkolonnen. Als Sanitäter musste ich miterleben, wie die Verluste an Toten und Schwerverletzten von Tag zu Tag stiegen. Besonders empfindliche Verluste brachten uns die Widerstandskämpfer, die Resistance, bei. Ihre Gewaltakte steigerten sich beständig. Terror und Gegenterror häuften sich. Unbeschreibbare Grausamkeiten ereigneten sich zwischen Deutschen und Partisanen. Ein Beispiel für das brutale Vorgehen von Deutschen ist die Tötung von 600 Männern, Frauen und Kindern des Dorfes Oradour. Es herrschte der von Hitler gewollte und von Goebbels propagierte ‚totale Krieg’.

Wir befanden uns etwa 3km vor den Dorf Velesmes, als mehrere Jabos unsere Sanitätsabteilung anflogen. Obwohl die Dach- und Seitenflächen unserer Fahrzeuge deutlich sichtbar die Zeichen des Roten Kreuzes trugen und uns als Sanitätskolonne auswiesen, wurden wir beschossen. Wir hatten einen Toten. Mein Kamerad Wilhelm Groten hatte im Straßengraben Deckung gesucht. Dort fand ich ihn schwer verwundet. Menschliche Hilfe konnte ihn nicht mehr retten. Als Wilhelm die Augen aufschlug und die Lippen bewegte, beugte ich mich zu ihm und spendete ihm das letzte Sakrament.

Darauf bekamen ein Sanitäter und ich den Befehl, den gefallenen Kameraden in einem Auto ins nächste Dorf zu fahren, wo wir einen Sarg beschaffen und für die Beerdigung sorgen sollten.

Als wir das Grab schaufelten - zwei hilfsbereite Männer zimmerten einen provisorischen Sarg - sahen wir plötzlich den Friedhof von schwerbewaffneten Partisanen umzingelt. Ihre eindeutigen Gesten gaben uns zu verstehen, uns nicht erschießen zu wollen, sondern wir sollten die Arbeit abbrechen. Da unsere Armbinden uns als Sanitäter auswiesen und wir keine Waffen trugen, ließen uns die Partisanen gehen. Ich begab mich zum Ortspfarrer Noel, der mir versprach, für die Beerdigung zu sorgen und eine Totenmesse zu zelebrieren.

Inzwischen waren unsere Kameraden der Sanitätsabteilung, die zunächst an der Stelle des Fliegerangriffs zurückgeblieben waren, nach Velesmes nachgeschickt worden. Unterwegs wurden sie in einem Waldgelände von Partisanen beschossen. Vier Verwundete gerieten in Gefangenschaft, den anderen gelang die Flucht. Als sie bei uns eintrafen, schickten wir einen Melder zur nächsten Einheit, dass wir uns mitten in einem von Partisanen kontrollierten Gebiet befänden und man uns befreien möge.

Wir erhielten jedoch die Anweisung, in Velesmes auszuharren, verirrte und zurückmarschierende Deutsche vor Partisanen zu warnen und unsere Sanitätsausrüstung bewachen. Am nächste Morgen werde man uns ‚heraushauen’. Uns stand eine furchtbare Nacht bevor. Obergefreiter Stamm und ich hielten uns in einem Bauernhaus auf. Ständig schlichen verdächtige Gestalten um das Haus um ebenso schnell wieder zu verschwinden. Die Bewohner des Hauses waren verängstigt und sahen uns misstrauisch an.

Darum gab ich den Leuten zu verstehen, dass ich katholischer Priester sei und auch als Sanitäter Freund und Feind in gleicher Weise helfen werde. Allmählich begann das Misstrauen zu schwinden, und ich gewann Vertrauen. Ich betrachtete es jedoch als meine Pflicht, die Bewohner darauf hinzuweisen, dass sie mit Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen hätten, weil Widerstandskämpfer wehrlose deutsche Sanitäter angegriffen, verwundet und getötet hätten. Sie müssten die Verbitterung begreifen, die solche Untaten hervorriefen.

Da baten sie mich, ihnen schriftlich zu bestätigen, dass sie uns doch ordentlich in Velesmes behandelt, dass sie die Partisanen gar nicht gekannt und sich nicht an deren Aktionen beteiligt hätten. Diese Bestätigung konnte ich wahrheitsgemäß geben. Ich war mir dabei wohl des Risikos bewusst, dass mir dieses Schreiben von einem fanatischen und vom Endsieg des Führers überzeugten Kriegsgericht als Defätismus, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung angelastet werden konnte.

Am Morgen kam schwerbewaffnete deutsche Polizei ins Dorf gefahren. Ein Lastwagen, mit Sprengstoff und Munition bis unter die Plane beladen, rollte auf die Dorfstraße. Angstvoll standen Männer in den Haustüren. Kinder, die wohl die Bedrohung spürten, klammerten sich an ihre Mütter.

Ich wandte mich an den verantwortlichen Offizier und schilderte ihm unsere Erkenntnisse, die wir aus unseren Beobachtungen und dem Verhalten der Dorfbewohner gewonnen hätten. Als sich der Offizier jedoch auf seinen Befehl berief, den er auszuführen habe, erklärte ich ihm, dass die Vergeltungsaktion nur unschuldige Zivilisten treffe, weil niemand aus dem Dorf sich an einer Aktion der ihnen völlig fremden Partisanen beteiligt habe.

Auf den Einwand des Polizeioffiziers, er habe als Offizier jedem ihm erteilten Befehl zu gehorchen und ihn auszuführen, antwortete ich, dass die Ausführung eines unmenschlichen Befehls, der sich gegen die Zivilbevölkerung richte, eines Offiziers unwürdig sei und die Polizei sich schwerster Verbrechen schuldig mache. Mit Sicherheit sei zu erwarten, dass die Partisanen, sollte das Dorf dem Erdhoden gleich gemacht werden, weit unheilvollere Aktionen gegen die Deutschen durchführen würden und neue Verbrechen vorprogrammiert seien.

Als die Einwohner sahen, wie zwischen Deutschen gerungen wurde fassten sie Mut, beteuerten ihre Unschuld und gaben an, nie mit den Partisanen gemeinsame Sache gemacht zu haben.

Schließlich ließ sich der Polizeioffizier von unseren Argumenten und der Sinnlosigkeit seines Auftrages überzeugen. Die Polizeitruppe verließ das Dorf. Velesmes blieb vor der Zerstörung bewahrt, seine Bewohner mussten nicht die Todesangst der Einwohner von Oradour erleiden.

Pfarrer Heinrich Niewind besucht das Dorf Velesmes1965 besucht Pfarrer Heinrich Niewind das französische Dorf Velesmes, um der Einweihung der Glocke des Friedens beizuwohnen.

 

 

 


 

Retter von Velesmes wollte nie Held sein
Sonderbeilage der Ruhr Nachrichten vom 11.08.1989 anlässlich der 1100-Jahr-Feier der Stadt Olfen
Von THOMAS ASCHWER

Ein Held wollte Pfarrer Heinrich Niewind nie sein, der Kriegsretter von Velesmes bezeichnete einmal seinen Einsatz im Zweiten Weltkrieg als „meine Pflicht als Christ und Priester, einen unsinnigen Racheakt zu verhindern". Doch wer war dieser Heinrich Niewind, der nie seine Mutter bewusst kennengelernt hat - sie starb zwei Monate nach seiner Geburt - der mit neun Jahren gar Vollwaise wurde?

Um seinen späteren Lebensweg besser verstehen zu können, ist ein Blick in die Familiengeschichte Niewind vielleicht ganz hilfreich, interessierte sich der Priester doch selbst stark dafür, erstellte während seines Studiums sogar aus alten Kirchenbüchern einen Stammbaum, der noch heute in Kökelsum auf dem Hof Karl Niewind einen Ehrenplatz hat. Woher der Name Niewind, der vor gut 200 Jahren noch 'Nifint' geschrieben wurde, kommt, lässt sich nur erahnen. Vielleicht lag es an einem großen Buchenwald, der des Haus vor stürmischen Winden schützte. Wie dem auch sei, der Name erfuhr in den Jahrzehnten verschiedene Schreibweisen 'Nifindt', 'Nievindt' und 'Niewindt'.

Lebensweg

Heinrich Niewind, geboren am 16. Januar 1911, war der zweite Sohn der Eheleute Josef (1880 - 1920) und Christine (1883 - 1911) Niewind. Sein älterer Bruder Karl, 1909 geboren, ist der Vater des heutigen Hofbesitzers Karl Niewind. Er ging zur Olfener Grundschule, besuchte dann die Rektoratsschule, machte am Paulinum in Münster das Abitur, studierte in der Domstadt und auch in Innsbruck. Das nächste markante Datum ist der 21. Dezember 1935, im hohen Dom zu Münster wurde er zum Priester geweiht, trat anschließend seine erste Kaplansstelle in Oberhausen-Osterfeld an.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er zunächst als Sanitätssoldat in Polen eingesetzt. Dann bot sich ihm die Chance, nach Frankreich verlegt zu werden. Bedingung war der Besuch eines Unteroffizierslehrganges.

Heinrich Niewind war davon nicht angetan, erst nach gutem Zureden absolvierte er in Hamm diesen Lehrgang. In Frankreich kam es dann zu der Situation, die die Bürger von Velesmes bis heute nicht vergessen haben.

Eine Einheit der deutschen Wehrmacht sollte im September 1944 als Vergeltung Velesmes niederbrennen, weil Dorfbewohner eine deutsche Sanitätskolonne überfallen hatten.

Der katholische Geistliche Heinrich Niewind schrieb den verängstigten Bewohnern sogar eine Erklärung, dass sie die deutschen Sanitäter immer gut behandelt: die Partisanen nicht gekannt und niemals gemeinsame Sache mit ihnen gemacht hätten. Niewind konnte den verantwortlichen Offizier von der Unschuld der Franzosen überzeugen und verhinderte dadurch die Vergeltungsaktion.

Nur vier Tage später geriet er in Gefangenschaft, aus der er im Herbst 1945 entlassen wurde.

Sein Ziel war der Hof Niewind in Kökelsum, hatte er doch hier in der 'besten Wohnstube' seine Möbel aufgestellt, die er bei seiner Einberufung aus Oberhausen mitgebracht hatte.

Und wieder wurde das Ruhrgebiet zu seinem Betätigungsfeld. Im heute allerorts bekannten Duisburger Stadtteil Rheinhausen übernahm er als Kaplan eine Doppelfunktion: Dienst in der Gemeinde und Religionsunterricht. In dieser Zeit musste er mehrfach Alleinverantwortung übernehmen, weil die Pastöre verstarben. Gleich drei Geistliche erlebte er hier: Entgegen der damals üblichen Regelung wurde er nicht bei der Einführung eines neuen Pastors versetzt.

Nächste Station war dann St. Amandus in Datteln. Nach nur einem halben Jahr wurde er von der Gemeindearbeit freigestellt, war fortan ausschließlich Religionslehrer und musste seine Wohnung im Pfarrhaus räumen. Die Ferien nutzte der begeisterte Wanderer und Bergsteiger zu Touren nach Bayern, Italien oder in die Schweiz. Von 1960 bis 1971 war Heinrich Niewind Pfarrer und nach kurzer Zeit auch Dechant in St. Marien in Recklinghausen-Süd. Sicher keine leichte Aufgabe, denn der Dechant war gleichzeitig Leiter des Krankenhauses. Er selbst versprach bei seinem silbernen Priesterjubiläum, 'weiterhin den steinigen Boden in Süd zu beackern'. In seiner Wirkungszeit wurden große Bauprojekte verwirklicht, erinnert sei nur an den Kindergartenneubau, den Um- und Anbau des Krankenhauses sowie den Umbau seiner Pfarrkirche.

Hier werden auch die Neigungen und Interessen von Heinrich Niewind deutlich. 'Für das Bauen und die Architektur interessierte er sich schon früh', so Karl Niewind im Gespräch mit den RN. 'So legte er etwa dem Schreiner Pläne für neue Dielenmöbel hin", erinnert er sich. Der fortschrittliche, kunstinteressierte und lustige 'Zeitgenosse' Niewind musste der enormen Arbeitsbelastung , Tribut zollen.

Auch eine halbjährige Krankheitspause brachte keine entscheidende Besserung. Infolge des enormen Kräfteverschleißes wurde er im Herbst 1973 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Er zog wieder in seine Geburtsstadt Olfen, wo er am 30. August 1981 verstarb.

Am 30. August 1984 wurde eine Delegation aus Velesmes im Olfener Rathaus empfangen. Bürgermeister Andre Jacquin und Pfarrer Remillet trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein.Die 'Glocke des Friedens' wurde im Oktober 1965 in Velesmes eingeweiht. Pfarrer Niewind (2.v.l.) begegnete auch der Mutter seines 1944 in Velesmes gefallenen Kameraden Peter Groten.

 

 

 


 

 

Französische Gäste bei Eröffnungsfeier zum Stadtjubiläum
Freundschaftliche Beziehung wird mit dem Austausch der Urkunden besiegelt
Sonderbeilage der Ruhr Nachrichten vom 11.08.1989 anlässlich der 1100-Jahr-Feier der Stadt Olfen

Wer über die Kontakte zwischen Olfen und Velesmes schreiben will, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Heinrich Niewind und Marcel Remillet.

Remillet, Jahrgang 1912, wurde 1937 zum Priester geweiht und ist seit Oktober 1945 Pfarrer von Velesmes. Er initiierte die Suche nach Pfarrer Niewind.

Seit 1946 gibt es am 8. September, dem Tag der Rettung von Velesmes, eine Lichterprozession zur Statue der Madonna.

Suche nach Retter

Anfang der 60er Jahre schaltete Remillet französische Zeitungen. Radio Luxemburg, die Deutsche Botschaft in Paris, das Deutsche Generalkonsulat in Lyon sowie kirchliche Stellen ein. Anlass war die Neugestaltung der Kirchenfenster von Velesmes (Darstellung der Rettung des Ortes sowie der Arbeitswelt der Bürger).

1965 wurde die Glocke des Friedens, die den Namen von Pfarrer Niewind trägt, eingeweiht. Neben Pfarrer Remillet und zahlreichen geistlichen Würdenträgern sowie Politikern aus Frankreich und Deutschland war der Retter von Velesmes dabei. Bei dieser Einweihungsfeier, die unter großer Beteiligung der gesamten Bevölkerung stattfand, traf Pfarrer Niewind auch die Mutter seines 1944 in Velesmes gefallenen Kameraden Peter Groten.

Kontakte zu Velesmes

Zwar brachen auch in der Folgezeit die Kontakte zwischen Olfen und Velesmes nicht ab, doch „kochten" sie mehr auf Sparflamme: Erst als Heinz Koch auf Bitten der Familie Übersetzungsarbeit im Rahmen der Beisetzung von Pfarrer Niewind leistete, gewannen die Beziehungen zwischen der Steverstadt und dem kleinen Ort in Frankreich, eine neue Dynamik.

1984 wurde im Olfener Rathaus eine Delegation aus dem Nachbarland empfangen, zum 40. Jahrestag reiste eine deutsche Delegation nach Velesmes. Im Mai 1987 unternahmen die Fußballer des SuS eine Tour nach Frankreich, beim Goldenen Priesterjubiläum von Pfarrer Remillet im Juli '87 gratulierten auch Vertreter der Vitus-Kirchengemeinde. Überwältigend war der Empfang der Teilnehmer einer VHS-Studienreise, die sich in den Herbstferien 1988 auf den Weg nach Frankreich gemacht hatten.

Im Rahmen des Olfener Stadtjubiläums, zu dem viele Bürger aus Velesmes mit Pfarrer Remillet an der Spitze erwartet werden, sollen nunmehr Freundschaftsurkunden ausgetauscht werden.

So heißt es u. a. in dem Text:

Wir hoffen, dass die Auswirkungen von Krieg und Hass, aber noch mehr das mutige und besonnene Handeln verantwortungsbewusster Menschen in lebhafter Erinnerung bleiben. Das gegenseitige Kennenlernen unserer Heimatländer und das Verständnis ihrer Einwohner für einander wollen wir weiterhin fördern, um so unsere 'völkerverbindende Freundschaft' weiterentwickeln zu können als einen Beitrag zur Einigung Europas und für den Frieden in der Welt".

Aber auch eine ganz Reihe privater Begegnungen sind im Rahmen des knapp dreitägigen Besuches der französischen Delegation vorgesehen. Ein Höhepunkt dürfte dabei der Abend auf dem Hof Karl Niewind in Kökelsum sein. Weitere Programmpunkte sind u. a. Stadtrundfahrt mit Kirchenbesichtigung.

Im nächsten Jahr wollen die Sportler von Velesmes einer Einladung der Fußballer des SuS folgen.