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An vielen Publikationen zu Anna Katharina Emmerick wirkte Dr. Clemens Engling (Mitte) bereits mit. Das Foto zeigt Engling mit Hermann Flothkötter (links), dem langjährigen Vorsitzenden der inzwischen aufgelösten Emmerick-Kommission des Bistums Münster, und dem Leiter des katholischen Kreisbildungswerks Johannes Heling (rechts).  Foto: MenninghausBedeutender Biograf
Dr. Clemens Engling arbeitet an einem Buch über Clemens Brentano
Von Thilo Kötters
23.04.08 - Streiflichter Dülmen

Jeder, der sich mit Anna Katharina Emmerick, dem langen Weg bis zu ihrer Seligsprechung und dem, was danach geschah, beschäftigt, stolpert unweigerlich über einen Namen: Clemens Engling.

Seit Jahren beschäftigt sich der Geistliche, der von 1980 bis zu seiner Emeritierung mit 65 Jahren 2001 Pfarrer in Heilig Kreuz Dülmen war und jetzt in Olfen wirkt, mit der frommen Frau. Untrennbar verbunden mit Anna Katharina Emmerick ist der Dichter Clemens Brentano. Seine Verbindung zu der Stigmatisierten wurde jahrelang aus dem Seligsprechungsprozess herausgehalten. Erstmals beschäftigt sich Engling nun intensiv mit dieser Phase in Brentanos Leben und arbeitet an einem Buch darüber.

"Die Beschäftigung mit Brentano und seinen Emmerickaufzeichnungen, vor allem den Folgen, die sich für den Dichter daraus ergeben haben, macht für mich neun Zehntel der Arbeit aus, die ich damals für mein Emmerickbuch 'Unbequem und ungewöhnlich' aufzubringen hatte. Hier ging es hauptsächlich um zwei Quellenwerke - das Tagebuch des Dr. Wesener, der die 1774 Geborene und 1824 Gestorbene ärztlich untersuchte, und die Akten der kirchlichen Untersuchung", sagt Dr. Clemens Engling.

Doch Brentano, der am Krankenbett der "Mystikerin des Münsterlandes" auf 16.000 Folioseiten festhielt, was sie ihm über ihre Visionen berichtete, kann gewiss als der bedeutendere Biograf bezeichnet werden, wenn sein Lebenswerk auch aus dem Seligsprechungsprozess bewusst herausgehalten wurde.

Überhaupt ist Brentanos letzte Lebensphase, die etwa in der Zeit beginnt, als er sich von 1818 bis 1824 in Dülmen aufhielt, relativ unerforscht. "In der Germanistik ist Brentano sehr erforscht", sagt Clemens Engling und verweist auf den Literaturwissenschaftler Wolfgang Frühwald, zu dem er seit Jahren freundschaftliche Beziehungen unterhält und der Jahre vor der letztendlichen Seligsprechung zu Beginn der 80er Jahre einen viel beachteten Vortrag im Pfarrheim Heilig Kreuz hielt.

Die Literaturwissenschaft konzentriere sich jedoch allzu sehr auf die lyrischen Bestandteile des Werks des Dichters.

Brentano veröffentlichte nach dem Tod der Emmerick nur noch sehr wenig, lebte an wechselnden Orten und wurde zusehends verschlossener und erschien seinen Zeitgenossen eigenbrötlerisch - hatte er sich doch, "angesteckt" von Anna Katharina, intensiv dem Katholizismus zugewandt.

"Er konnte und wollte nicht mehr der Dichter sein, der er vorher war", sagt Clemens Engling. Vielmehr war er auch verstärkt sozial engagiert, gründete in Koblenz mit einem Stadtrat ein Hospiz und setzte sich für die Rehabilitierung des Klosterlebens ein - hatte er in der Emmerick doch eine "gläubige Nonne" kennen gelernt.

Wie sehr ihn die Zeit im Münsterland geprägt hat, zeigt sich nicht nur in seinen spirituellen Erfahrungen, die er in der Auseinandersetzung mit der Seligen machte. Auch die Region und ihre Bewohner, die er sechs Jahre lang erlebte, faszinierten ihn.

In der Anfang des Jahres 2008 erschienenen Ausgabe der Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, für die Engling ab und an einen Beitrag verfasst, legte er die Erkenntnisse über "Clemens Brentano und das Münsterland" dar. "Brentano erlebte im Münsterland erstmals eine geschlossen katholische Landschaft, ein Land des Glaubens", zitiert Engling in dem Beitrag Wolfgang Frühwald.

Viele Textstellen aus der von Brentano verfassten Emmerick-Biografie belegen, wie tief ihn die Begegnung des Münsterlands und seine schon damals für einen Städter entspannende Parklandschaft berührte.

Dülmen erschien dem Dichter demnach als "ein kleines Ackerstädtchen ohne Kunst und Wissenschaft, wo man von keiner Literatur, keinem Dichter etwas weiß und abends vor den meisten Haustüren die Kuh gemelkt wird." Erfahrungen, die auch Engling, der in Münster in den 1950er Jahren zunächst kurz Germanistik, dann Theologie studierte, in ähnlicher Form in Billerbeck-Hamern machte, wo er 1945 bis 1964 wohnte. "Bauern, die ums Herdfeuer sitzen, gab es da auch noch", schmunzelt er.

Als Engling 2005 sein viel beachtetes Buch über Anna Katharina Emmerick herausbrachte, verfasste auch der Engling gut bekannte Religionswissenschaftler Elmar Klinger für die Fachzeitschrift "Geist und Leben" eine Rezension: "Der Tenor war: Das Buch ist gut, wenn man aber Brentano auslässt, kann man nicht das ganze Bild Emmericks erfassen".

Das gab Engling zu denken und letztlich den Anstoß, sich noch intensiver mit dem damals äußerst wohlhabenden Dichter zu befassen. "Das war etwas unheimlich Spannendes", blickt er zurück. "Ich staune über mich selbst".

Dennoch ist seine Beschäftigung mit seinem Vornamensvetter noch im vollen Gange. Das in Arbeit befindliche Buch ist erst der Anfang.