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Pater RajakumarPater Rajakumar Mathias
Interview mit Maria Niermann

Es sind schon zwei sehr unterschiedliche Welten, die Pater Rajakumar Mathias kennt. Seine indische Heimat, das Priesterseminar, in das er mit 15 Jahren eintrat und mit 27 Jahren abschloss, der Gehorsam, den er als Missionar dem Orden des Heiligen Franz von Sales geschworen hat. Und auf der anderen Seite das offene und freie Leben der Katholiken in Deutschland, wo sich viele Katholiken nicht mehr den Gebote verpflichtet fühlen.

„Wie ist es denn für sie, wenn sie in der Woche vor nur wenigen Katholiken im Altarraum stehen?“ Pater Rajakumar Mathias findet es schade, dass es so ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Orden des Heiligen Franz von Sales hat mit dem Bistum einen Vertrag abgeschlossen, der beinhaltet, dass der Orden indische Priester ins Bistum Münster entsendet, um so dem Priestermangel entgegenzuwirken. Zurzeit hat der Orden achtzig Missionare nach Deutschland entsandt, 17 davon arbeiten in der Diözese Münster.

Die Pater bleiben grundsätzlich zehn Jahre lang in Deutschland. Es könne niemand sagen: … ich verlängere um einige Jahre, vielleicht weil es noch Aufgaben gibt, … vielleicht weil Dinge angestoßen
worden sind, die noch beendet werden könnten. „Nein,“ sagt Pater Rajakumar, „die zehn Jahre sind gesetzt.“ Auch hier kommt der Gehorsam gegenüber dem Orden zum Ausdruck.

Für Pater Rajakumar heißt das, nachdem er Ende 2011 nach Deutschland gekommen ist, wird er bis 2021/22 bleiben. Nachdem er nach seiner Ankunft zunächst in Hamminkeln vier Monate lang
die deutsche Sprache erlernt hatte, ging er nach Rheine, um dort als Kaplan zu arbeiten. Dort lernte er auch Pastor Bernhard Lütkemöller kennen. Ende 2015 verließ er Rheine und kam im Februar des darauf folgenden Jahres in die Vitus-Gemeinde nach Olfen, allerdings nur mit einer halben Stelle. Gleichzeitig promoviert er bei dem Theologie-Professor Dr. Thomas Söding an der Ruhr-Universität in
Bochum. Er plant, in etwa drei Jahren seine Doktorarbeit fertig geschrieben zu haben.

Die Aufgabe eines Kaplans in der Gemeinde sieht er in der Assistenz des Pastors: Er übernimmt Gottesdienste, spendet Sakramente und ist auch in der Verwaltung der Gemeinde eingebunden. Das
heißt für Rajakumar Mathias, dass die Teilnahme an Kirchenvorstands- und Pfarreiratssitzungen dazugehören.

Nachdem er nun seit knapp einem Jahr in Olfen lebt, kann er die Gemeinde ein wenig einschätzen. „Gegenüber Rheine ist es hier überschaubarer“, sagt er. „Es ist einfacher Menschen kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen.“ Der Inder lebt in einer Wohnung im Selken und macht sich jeden Morgen zwischen sieben und acht Uhr auf den Weg ins Pfarrhaus, um dort Pfarrer Lütkemöller und Pastoralassistent Johannes Telaar zur Laudis und zum anschließenden Frühstück zu treffen. „Pastor Lütkemöller sorgt für den Aufschnitt, Johannes und ich für die Brötchen. Und wenn Johannes in der
Schule unterrichten muss, treffen wir uns eben ein wenig früher.“ Das hört sich nach einer guten Tradition an, die der Männerrunde offensichtlich Spaß macht.