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2013 - Predigt zu Ostern

Jesus lebt! Der Herr ist wahrhaft auferstanden! – Das, liebe Schwestern und Brüder, ist der wahre und tiefste Grund für unser heutiges Hochfest Ostern.

In der Karwoche wurde im Fernsehen ein US-amerikanischer Krimi gezeigt, dessen Kurzbeschreibung ich las: In Jerusalem sei ein altes Grab entdeckt worden, das nach Auskunft von beigelegten Schriftzeugnissen den Leichnam Jesu enthält. Und wie das in einem Krimi so ist: Der Vatikan schickt einen Agenten los, damit diese Botschaft nicht öffentlich wird und der Glaube an die Auferstehung Jesu und seiner Auffahrt in den Himmel nicht als Lüge entlarvt werden kann.

Nun, ich habe mir den Film nicht angesehen, daher kann ich über seinen Ausgang nichts sagen. Doch können wir uns fragen, was wäre, wenn tatsächlich der Leichnam Jesu gefunden würde, das Grab an Ostern also nicht leer gewesen wäre? Hängt unser Glaube an Jesus Christus, an sein Leben, seine Botschaft, seinen Tod und seine Auferstehung tatsächlich am leeren Grab, das hier vorn am Altar ganz einfach dargestellt ist? Anders gesagt: Wenn wir Abschied nehmen müssen von einem uns lieben Menschen im Tod, dann sehen wir und wissen wir, dass das Grab gerade nicht leer ist. Wir bestatten unsere Verstorbenen trotzdem in der Hoffnung auf die Auferstehung.

Wenn wir die Berichte der Auferstehung Jesu lesen, dann stellen wir fest: Nicht am leeren Grab kommen die Jünger zum Glauben; außer Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, von ihm wird gesagt: „Er sah – und glaubte!“. Die Jünger kommen zum Glauben allein in der Begegnung mit dem Auferstandenen.

Er ist nicht immer gleich zu erkennen, wie uns in der Emmausgeschichte vor Augen gestellt wird. Das Zeugnis der anderen Jünger reicht für den, der nicht bei der Begegnung dabei war, nicht aus. Wir erinnern uns an Thomas, der selbst den Auferstandenen sehen und berühren will. Jesus erscheint in anderer Gestalt auch am See Genezareth und erst beim wunderbaren Fischfang bekennt Johannes spontan: Es ist der Herr!

Alle Begegnungen des Auferstandenen zielen darauf ab, seine Jünger und die ihn begleitenden Frauen zu einer anderen Form des Glaubens zu führen: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! So bringt es der Auferstandene selbst auf den Punkt. Das Sehen mit den irdischen Augen, das Greifen, Tasten und Fühlen mit den Händen, das soll abgelöst werden durch Innenwahrnehmung, durch ein neues Empfinden des Berührtseins vom Heiligen. Denn als Glaubende gehen wir unseren Weg nicht als Schauende, sagt Paulus später. Er, der in einer Schau vor Damaskus zu Boden stürzte und dem Christus begegnete, dessen Anhänger, die junge Kirche er so grausam bedrängte und verfolgte, - er relativiert gewissermaßen diese Gottesschau und sagt: Das, was ich dort erlebt habe, war nur die Initialzündung zur Umkehr, zu einem neuen Leben mit Christus und in Christus. Und das ist das eigentliche unserer christlichen Berufung.

Liebe Schwestern und Brüder, ist dieses alljährliche Feiern der Geheimnisse des Lebens, des Sterbens und der Auferstehung Jesu wohl eine Chance für uns, in dieses tiefere Glauben und Vertrauen in die Kraft und Gnade Christi hinein zu wachsen? Ist es nicht so, dass wir, die wir heute Morgen hier sind, damit auch dokumentieren: Mit diesem Jesus und seinem Leben bin ich noch nicht fertig? Die wesentlichsten Fragen sind gestellt, aber noch nicht beantwortet. Es fehlt mir dann noch etwas, es ist noch nicht rund …

Wir wissen eben als Christen längst nicht alles. Im Gegenteil: Der Glaube wirft nicht selten noch mehr Fragen auf. Aber wir sind auf dem Weg zu dem Vertrauen letztlich alles von Gott zu erwarten.

Wer könnte schon von sich behaupten, in diesem Vertrauen bereits ganz angekommen zu sein. Es wäre ein Leben in der vollkommenen Freiheit der Liebe, die keine Angst mehr kennt. Das ist Jesus Ziel mit uns.

Zugleich sehen wir, wie behutsam Jesus seine Jünger in das Geheimnis der Auferstehung einführt. Die Sehnsucht und Offenheit, die Trauer und die zerstörten Lebenspläne seiner Jünger greift er auf, um sie innerlich an die Hand zu nehmen und in sein neues Leben einzufügen. Liebe Schwestern und Brüder, und so macht es Jesus auch mit uns.

Papst Franziskus
Kaum drei Wochen ist es her, dass ein neuer Papst, Franziskus, gewählt wurde. Wie viele verfolgen mit Neugier aber ebenso großer Anteilnahme und Interesse seinen Weg. Wir spüren etwas von der gewaltigen Aufgabe, die auf ihn wartet. Wir spüren aber auch etwas von dem neuen Geist, der von diesen Menschen ausgeht.

Eben noch war es irgendwie belastend und freudlos, katholisch zu sein. Jetzt ist es fast schon wieder anziehend, weil so menschlich, einfach, überzeugend. Wenn Papst Franziskus uns bittet, für ihn zu beten, dann erinnert er uns zugleich daran, dass wir alle Kirche Jesu Christi sind, jede und jeder auf seine und ihre ureigenste Weise.

Gehen wir mit auf diesen österlichen Weg der ganzen Kirche; auf dem Weg vom Zweifel zu tieferem Glauben, auf dem Weg der entscheidenden und wesentlichen Fragen, auf dem uns zugleich von IHM, Christus her eine Antwort zuwächst, die wir nie ahnen, planen und uns ausdenken können. Gehen wir mit auf diesen österlichen Weg: Wer glaubt ist nie allein!

So hat es Papst Benedikt einmal treffend gesagt. Mag es auch manches Mal so scheinen. Wer glaubt ist nie allein! Gehen wir mit und lassen wir uns einführen von IHM in das Lesen der Zeichen und Hinweise seiner geheimnisvollen, heilbringenden Gegenwart in unserem persönlichen Leben, im Leben unserer Gemeinde und im Leben der ganzen Kirche, im Leben der ganzen Welt.

Pfr. Bernd de Baey