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2013 - Predigt anlässlich der Verschwendung in Limburg

Predigt vom 28. Sonntag im Jahreskreis, 20. Okt. 2013,
Hinweis: Lk 18,1-8

Liebe Schwestern und Brüder!

In welcher Gesellschaft befinden wir uns eigentlich in dieser Kirche? Wofür steht diese katholische Kirche, der zahlenmäßig etwa 60 % aller Olfener Bürger, ein Drittel aller Bundesbürger angehören, weltweit ca. 1 Milliarde Menschen?

Protz-Bischof
In den vergangenen Wochen war viel vom „Protz-Bischof“ aus Limburg zu hören und zu lesen. Nicht nur die enorme und überzogene Bausumme für das Bischofshaus, auch seine Art autoritärer Ausführung stehen in massiver Kritik, gerade auch der aktiven und engagierten Katholiken seines Bistums. Bis der kirchliche Apparat aktiv wurde und die lauter werdenden Kritiken ernst nahm, verging enorme Zeit. Doch jetzt wird offensichtlich gehandelt und entschieden. Jedes öffentliche Amt ist verliehen – und es braucht die gute Verwaltung und die Treue zum Auftrag. Das gilt nicht nur für die Politik und die staatliche Verwaltung, das gilt ebenso für die Kirche und ihre Amtsträger. Und das ist gut und richtig so.

Menschenwürde
Die Häme und der Spott, die beißende Ironie, mit der Bischof Tebartz-van Elst konfrontiert wurde, haben allerdings die starke Tendenz, ihn persönlich herabzusetzen und ihm seine Würde als Mensch zu nehmen. Kritik muss sein, in aller Klarheit, Deutlichkeit und mit Energie vorgetragen. Aber dürfen wir zulassen, dass ein Mensch fertig gemacht wird, weil er gefehlt hat?

Zur Rechenschaft ziehen ja, das braucht es in einem sachlichen und ordentlichen Verfahren. Aber fertigmachen, jemanden unmöglich machen, ihm seine Selbstachtung nehmen, das darf nicht geschehen. Es gibt einen Grundsatz der alten Kirche: Die Sünde verurteilen, dem Sünder Barmherzigkeit schenken. Das setzt natürlich Einsicht und Schuldbewusstsein voraus. Das erfordert auch die tätige Reue des schuldig gewordenen. Das steht Medienberichten zufolge beim Bischof von Limburg noch aus. Er braucht wohl jetzt vor allem unser Gebet, nicht unsere Verachtung und Verurteilung.

„Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ – sagt Jesus, als die Pharisäer die Ehebrecherin steinigen wollen. Einer nach dem anderen, so heißt es im Evangelium weiter, geht daraufhin weg, zuerst die Ältesten. Das sind die mit der meisten Lebenserfahrung. Und es sind zugleich die, die beim ehrlichen Hinsehen um die Abgründe ihres eigenen Herzens wissen.

Umkehr
Liebe Schwestern und Brüder, die perfekte Gesellschaft ist nicht die, in der alles nach Recht und Gesetz zugeht. Und die perfekte Kirche kann es nicht geben, weil wir Menschen sind. Und weil wir Menschen fehlbar sind und in vierfältiger Weise versuchbar. Echte Menschlichkeit herrscht da, wo die Schuldigen zur Umkehr bewegt werden, in aller Bescheidenheit und Demut und Geduld – und mit klaren Worten in Liebe und Erbarmen. Das ist eine ganz hohe Kunst. Dafür steht Jesus, unermüdlich.

Jesus hat den Glauben an das Gute im Menschen niemals aufgegeben. Er setzt immer auf Umkehr, Bereitschaft und Neuanfang. Bei ihm gibt es menschlich kein Aus und Vorbei. „Du bist für mich gestorben!“ das hören wir bei Jesus nicht. Im Gegenteil: Er stirbt für uns. Für uns, die wir so viel falsch machen und so oft in die Irre gehen. Er tut das erklärtermaßen aus Liebe. Welche andere Kraft gäbe es sonst, die ihn dazu bewegen könnte, sein Leben zu geben? Er liebt uns unsterblich.

Das feiern wir nicht zuletzt immer neu hier in der Kirche. Damit diese Botschaft in uns eingeht, uns mehr und mehr in unserem Leben und Handeln prägt. Christus will angesprochen werden, einbezogen werden in unser Leben.

„Du Jesus, ich weiß immer noch nicht genau, wer du für mich bist. Aber zeige mir das, Schritt für Schritt, so dass ich dich verstehen kann in deinen Absichten mit mir.“

Jesus ansprechen
Die Witwe bearbeitet im Gleichnis Jesu den ungerechten Richter. Von einem ungerechten Richter kann man keine Gerechtigkeit erwarten, schon gar keine Barmherzigkeit. Aber die Witwe gibt nicht auf, sie ist zäh und hat eine unbändige Hoffnung. Wir sollten es ihr gleich tun. Mit Energie, Zähigkeit und Vertrauen Christus ansprechen.

Was bringt das Beten? Werde ich überhaupt gehört? Mache ich mir nicht selbst damit etwas vor? So können wir mit Recht fragen. Und wie viele fragen gerade heute so, wenn sie überhaupt noch an Gott denken und sich mit dem Glauben an ihn beschäftigen. Jesus hält dagegen: Probier es aus! Nimm mein Angebot ernst! Setze auf meine Antwort, die zur rechten Zeit kommen wird. Deine Hoffnung wird nicht enttäuscht werden.

Liebe Schwestern und Brüder, in welcher Gesellschaft finden wir uns in der Kirche? Es sind lebendige Menschen, Heilige und Sünder, Zweifler und Tiefvertrauende, Junge und Alte, Arme und Reiche…. Gott wird Mensch – auch heute, erst jetzt, gerade in diesem Augenblick in uns am Werk, durch alle Widerstände und Widersprüche hindurch. So handelt Gott, und das weit über die Grenzen dieser seiner verfassten Kirche hinaus. Das kann er, und das tut er.

Amen.

Pfr. Bernd de Baey