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2014 - Predigt zum Fest der Taufe Jesu

12.1.2014
Evangelium: Mt 3,13-17

Liebe Schwestern und Brüder!

"Wie froh und dankbar bin ich doch, dass meine Eltern mich haben taufen lassen. Wie ist es doch schrecklich, keinen Glauben zu haben!" – so sagte mir letztens ein älterer Mann voller innerer Überzeugung angesichts des Todes seiner Frau. Es war ihm wichtig, so glauben zu dürfen: Der Tod ist nicht das Letzte, sondern Durchgang, Neugeburt zum Leben bei und mit und in Gott.

Als der niederländische Kardinal Willebrands vor einigen Jahren gefragt wurde: Was war der wichtigste Augenblick ihres Lebens? – Da antwortete er spontan: Die Taufe natürlich! Und es war ihm seine tiefe Dankbarkeit darüber anzumerken, dies von ganzem Herzen sagen zu können. Alle Christusverbundenheit nimmt hier ihren Ursprung: In der Taufe. Wohlgemerkt: Er selbst war auch als Kleinkind getauft worden, hatte also keine eigene Erinnerung daran. Aber ihm war klar: In der Taufe nimmt das Leben des Christen seinen Anfang, der niemals mehr endet.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Taufe ist auch bei uns in Olfen und Vinnum weiter sehr geschätzt. Die meisten Eltern lassen ihre Kinder auch heute taufen, auch wenn sie sehr häufig selbst nicht verheiratet sind, zum Teil aus der Kirche ausgetreten oder selbst nicht getauft sind. Warum lassen sie ihr Kind taufen?

Taufe - die Gründe

Die meisten sprechen nicht davon, dass sie ihr Kind mit Christus verbunden wissen wollen. Es sind auf den ersten Blick gesehen oft eher oberflächliche Gründe, die zur Taufe führen: Das macht man hier auf dem Land noch so. Unsere Eltern haben uns dazu geraten, manchmal auch ein Stück gedrängt. Wir wollen unserem Kind nichts verbauen. Es muss später sowieso selbst entscheiden, ob es im Glauben leben will und wie dieser gelebte Glaube dann aussieht.

So oder ähnlich lauten die Begründungen. Doch bin ich immer wieder beeindruckt, wie sehr sich die Eltern und Familien von der Taufliturgie mitnehmen lassen und in großer Aufmerksamkeit (oder sollte ich besser sagen: Andacht) das Taufgeschehen verfolgen. Das ist nicht nur echtes Interesse, sondern auch ein inneres Berührtsein von dem, was da geschieht. Da ist eine Ahnung zu spüren von der Größe des Ereignisses.

Taufe - die Riten

Die Riten der Taufwasserweihe, der Wassertaufe und Ölsalbung, das Anzünden der Taufkerze an der Osterkerze, alles irgendwie kleine Zeichen, die gleichwohl eine andere Dimension unseres menschlichen Lebens aufzeigen: Wir sind Kinder dieser Erde – und zugleich sind wir Kinder des Himmels, Kinder Gottes. Und manche begreifen in diesen Augenblicken tiefer: Kinder dieser Erde sind wir nur auf Zeit – Kinder des Himmels aber auf ewig, für immer.

Und wer das für sein Leben glauben darf und begriffen hat, der lebt in einem unerschütterlichen Vertrauen, dem Urvertrauen, das der Grundbaustein menschlichen Lebens ist. Davon spricht immer wieder auch die heutige Psychologie.

Taufe - Johannes der Täufer

Am Ende des Weihnachtsfestkreises, der mit dem heutigen Sonntag der Taufe des Herrn endet, hören wir von der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordanfluss. Diese Taufe steht am Beginn des Wirkens Jesu. Er war zu diesem Zeitpunkt wohl etwa 30 Jahre alt.

Das Evangelium lenkt unseren Blick von der Geburt des Gottessohnes auf seinen irdischen Auftrag der Verkündigung der Nähe Gottes. Und die Schilderung macht deutlich, dass Jesus in einer tiefen Beziehung zum Vater im Himmel steht. Eine tiefere Beziehung als die der Liebe kann es unter uns Menschen nicht geben. Und so ist die Stimme des Vaters zu hören, der Jesus zuspricht: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!

Taufe - Gottesbeziehung

Zugleich kennzeichnet dieses Geschehen auch unsere je eigene Gottesbeziehung. Was der Vater im Himmel Jesus zuspricht, das spricht er jedem Menschen zu – nicht bloß als Angebot, sondern als ganz verbindliche Tatsache: Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Gefallen gefunden. Es ist also, wenn wir so wollen, eine Liebeserklärung des Vaters im Himmel an jede und jeden von uns.

Liebe kennt keine Berechnung. Dieser himmlische Vater setzt nicht auf Gegenleistung. Er hat keine heimlichen Erwartungen und setzt uns schon gar nicht unter Druck. Der Schöpfer der Welt kann es sich offensichtlich leisten, mit seiner unerschöpflichen Liebe in Vorleistung zu gehen, verschwenderisch, offen, ja blind – wie es nur Liebe bewirken kann.

Wir sind so oft berechnende Menschen und nennen eine solche Liebe töricht und dumm. Und manche junge Menschen meinen wir vor solch töricht-blinder Liebe bewahren zu müssen, vor allem dann, wenn wir von dem oder der Angebeteten spüren, dass er oder sie das niemals wird einlösen können oder auch wollen. Und welch zerstörerische Kraft enttäuschte Liebe entfesseln kann, das wissen wir auch …

Liebe Schwestern und Brüder,
wir sind getauft. Hinein genommen in das Geheimnis unendlicher Liebe. Der, der uns seine Liebe schenkt, verschenkt sich blind – bis in den Tod. Und er wechselt nicht in tiefer Enttäuschung hin zu blindem Hass und zerstörerischer Wut. Nein, er nimmt den irdischen Tod an – aus Liebe; bis zuletzt Liebe!

In dieses Geheimnis abgründigster Liebe bin ich mit meiner Taufe hineingenommen. Weiß ich das zu schätzen? – Vielleicht nehmen Sie das hinein in Ihr Abendgebet heute: Danke, dass ich getauft bin!

Bernd de Baey, Pfarrer