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2014 - Predigt zum Fest Kreuz Erhöhung

Sonntag, 14. Sept. 2014

Liebe Schwestern und Brüder,

was ist Dein Schatz? – Diese Frage stand gestern am Beginn des Vorbereitungstages auf die Firmung, die im Haus Katharina stattfand. Was ist Dein Schatz? – Die Antworten werden bald in der Kirche zu lesen sein. Einige Antworten habe ich gestern Mittag schon gesehen: Da ist von Freundschaft, Glück, Glaube die Rede, aber auch von konkreten Menschen, die da benannt werden.

Das war, wie ich finde, eine gute, aber auch sehr anspruchsvolle Einstiegsfrage für die Firmanden. Es ging um eine Momentaufnahme: Was ist Dein Schatz? Was ist Deine kostbare Perle? – Für die der Kaufmann im Evangelium alles verkauft, um diese eine zu erwerben, als er sie denn entdeckt hat.

Uns ist dabei sofort klar: Es geht nicht materielle Dinge – um etwas, was wir mit Geld kaufen können. Einen wirklichen inneren Schatz, den uns niemand mehr nehmen kann, den können wir nur auf eine ganz bestimmte Weise erwerben. Dieser Schatz ist tatsächlich mit keinem Geld der Welt zu kaufen.

Sicher: Wenn es um Liebe geht, und darum geht es ja bei diesem Schatz, dann schenken sich Menschen zum Zeichen ihrer Liebe und Treue einen goldenen Ring. Gold – die Farbe Gottes, das Symbol ewiger Liebe. Zugleich ist Gold aber immer auch ein Statussymbol; und wieviel Unglück hat die Gier nach Gold und Reichtum schon über die Menschheit gebracht?!

Wir sind gut beraten, bei derartigen Symbolen besonders kritisch hinzusehen: Was ist nur aufgesetzt, vorgetäuscht, Fassade? – Und was ist wirklich echt und von Herzen kommend? Dazu brauchen wir einen inneren Kompass, innere Führung und Leitung. Religiös gesprochen brauchen wir dazu Gottes guten Geist der Unterscheidung, des Rates und der Einsicht. Um diesen Geist Gottes bitten wir besonders in der Firmliturgie. Und dieser Geist ist uns im Sakrament der Firmung für unser ganzes Leben zugesprochen und zugesagt. Die Firmung ist also das Sakrament der Grundorientierung. Und wenn ich das ganz tief innen glauben kann, dass Gottes Geist in mir wirkt, dann kann ich mit einer ganz großen inneren Sicherheit und Gelassenheit durchs Leben gehen. Wenn ich um diesen Geist immer neu und stetig Gott bitte, dann schenkt er mir Orientierung, gibt meinem Leben Richtung, läßt mich die großen Richtungsentscheidungen meines Lebens mit Zuversicht angehen. Und das ist wahrhaftig ein großes Geschenk! Wie häufig wird heute beklagt, wie schwer es geworden ist, sich zu orientieren und zu entscheiden. Hier liegt die Antwort auf unsere Suche, verborgen und offenbar zugleich.

Wenn ich mich frage: Was ist Dein Schatz? – Dann komme ich ganz rasch zum Kreuz, und zu dem, für den dieses Kreuz steht: Jesus Christus. Das passt gut zum heutigen Fest der Kreuzerhöhung.

Für viele ist das Kreuz heute nur noch ein Symbol des Todes, ein Friedhofszeichen, auf Todesanzeigen abgedruckt, am Straßenrand den Todesort des Unfallopfers kennzeichnend.

Für uns Christen ist es mehr: Es verschweigt die Realität des Todes nicht, auch des grausamen, unmenschlichen Todes! Es steht zugleich aber für Auferstehung und Leben. Zu Recht beten wir daher: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung, im Kreuz ist Leben.

Das Kreuz ist die Antwort auf mein Sehnen nach ewiger Liebe, nach Geborgenheit, Aufgehoben sein, bewahrt und behütet sein für immer. Das steckt in uns allen drin, das Sehnen nach ewiger Liebe, ewigem Leben. Manche haben dieses Sehnen versucht still zu stellen, durch Fernsehen, Internet, Konsum in verschiedenster Hinsicht. Doch im Anhäufen und Auffüllen ist diese Sehnsucht nicht stillzustellen. Vielleicht können wir sie so eine Zeitlang verdrängen und auch vergessen …

Wir können uns fragen: Gehöre ich mehr zu denen, die sich ruhig stellen lassen, und damit in die vielen Werbe- und Komsumfallen tappen, von denen unsere Zeit so voll ist?

Oder gehöre ich mehr zu denen, die es auch zulassen können, das etwas in mir unerfüllt ist, uneingelöst, offen, manchmal auch beunruhigend, ja, sogar schmerzhaft offen?

Und gehöre ich dann auch zu den Menschen, die schon eine Grundentscheidung zum Glauben getroffen haben: Eine Grundentscheidung, die sagt: Mir ist klar: Wirkliche Erfüllung, inneren Frieden und echte Lebensfreude kann ich mir nur schenken lassen; schenken lassen von dem, der die Quelle allen Lebens ist: Jesus Christus.

Das Kreuz ist Symbol dieser ewigen Liebe, die selbst vor dem Opfer des eigenen Lebens nicht zurückschreckt.

Vielleicht denken wir manchmal: Dürfte ich mich doch so geliebt wissen, dass einer sein Leben für mich wagt!

Wir dürfen glauben: Das ist bereits geschehen. Christus hat das für mich ganz persönlich schon getan – für jeden von uns.

Was ist Dein Schatz? Welche Antwort kann ich geben, jetzt, in diesem Moment?

Bernd de Baey, Pfr.