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Pfr. Bernhard Lütkemöller - Foto: Kirchengemeinde

Pfr. Bernhard Lütkemöller
Interview mit den Ruhr Nachrichten vom 18.11.14

OLFEN. Er kommt erst im Februar nach Olfen. Aber wir wollten ihn schon jetzt vorstellen: Wer ist Bernhard Lütkemöller?

RN-Redaktionsleiter Tobias Weckenbrock traf ihn am Telefon zum Frage-Antwort-Spielchen.

 


Was wissen Sie über Olfen?
Oh, ich glaube schon eine ganze Menge, denn die Homepage der Gemeinde St. Vitus ist sehr ausführlich. Dann habe ich mich über die Homepage der Stadt informiert und was man so an Quellen anzapfen kann. Also von daher weiß ich doch schon einiges über Stadt und Pfarrgemeinde.

Und: Wie ist Ihr Eindruck?
Es scheint mir, dass das eine sehr lebendige Pfarrei ist. Was an städtischen Dingen rübergekommen ist, zum Beispiel schuldenfrei, ist auch hochinteressant. Aber für mich geht es in erster Linie um die Gemeinde. Es gibt offensichtlich viele Gruppierungen, Initiativen, Vereine, Verbände, und es scheint mir, dass das ein gut bestelltes Feld ist, auf dem ich weiter ackern darf.

Haben Sie sich deshalb dafür entschieden?
- Ich hatte Glück. Pfarrer de Baey hatte freitagabend in Emmerich das sogenannte Kontaktgespräch. Am Samstagmorgen traf ich den dort zuständigen Weihbischof bei einer Beerdigung, der mir freudestrahlend gesagt hat, dass das Thema für ihn damit vom Tisch sei. An dem selben Tag schickte ich eine Mail nach Münster mit dem Tenor ‚Olfen könnte ich mir wohl vorstellen'.

Wofür steht Ihrer Meinung nach der Schutzpatron der Gemeinde St. Vitus?
Das ist eine spannende Frage. Vitus war jemand, der entgegen dem Zeittrend zum Evangelium stand und dafür sein Leben lassen musste. Ich glaube, dass wir nicht ganz in vergleichbaren Zeiten leben, aber dass dieses zeugnishafte heute doch mehr gefragt ist als in einer Gesellschaft, die durch und durch kirchlich geprägt ist - so wie bei uns noch vor 100 oder 50 Jahren.

Wie machen Sie Kirche in Zukunft attraktiver?
(Lacht) Ha! Wenn ich das wüsste, dann würde ich nicht nach Olfen gehen, sondern würde Papst werden können. Das ist die Frage aller Fragen. Wir können im Kleinen anfangen, da etwas zu bewegen versuchen. Wir müssen uns selbst ernst nehmen. Das haben wir als Kirche auch nicht immer gemacht. Wir haben getauft und gefirmt, was uns so vor die Flinte gekommen ist, und haben vergessen, dass die Sakramentspendung auch etwas mit Glauben zu tun hat.

Das heißt: Die Frage ,,Wie kann der Glaube verwurzelt werden?" ist für mich eine Ausgangsfrage für die Frage „Wie können wir Kirche attraktiver machen?" Denn ich bin überzeugt: Die Botschaft, die wir haben, ist hochaktuell. Vielleicht aktueller denn je in einer vernetzten und globalisierten Welt. Da müssen wir ansetzen.

Das heißt: Die Botschaft ist gut, die Übermittlung nicht?
Nicht immer. So pauschal, so schwarz-weiß, kann man das nicht sagen. Es gibt auch viele gute Dinge. Und überall da, wo Gemeinde begriffen hat, dass die Frage nach der Lebendigkeit einer Gemeinde nicht eine Frage des Pfarrers ist, da sind Gemeinden lebendig. Und das gilt es zu fördern.

Da spielen Sie auf Laien an. Welche Rolle spielen für Sie die Laien einer Gemeinde?
Die tragende. Eine Gemeinde ist eine Gemeinschaft aller Glaubenden, unabhängig von der Frage, ob geweiht oder nicht. Wir haben in Deutschland das Glück, dass wir es uns leisten können, Hauptberufler abzustellen, die nichts anderes tun als das zu organisieren. Aber letztendlich tragen das Gemeindeleben nicht Priester, Diakone und Pastoralreferenten, sondern die Mitglieder der Gemeinde in den Verbänden im aktiven Kirchenleben und in der Liturgie.

Von daher ist das Stichwort ‚Pastoralseelsorge der Ermöglichung' aus dem Pastoralplan des Bistums gut: Es ist Aufgabe der Hagptberufler, Gemeindemitglieder instandzusetzen, das Ihre nach ihren Möglichkeiten zu tun.

Was sagen Sie jemandem, der zu Ihnen kommt, Ihnen sagt, er sei geschieden und wiederverheiratet und würde gern die Kommunion empfangen?
Ich würde das Gespräch suchen und gucken, wo der Wunsch sitzt. Wenn das sein ehrlicher Wunsch ist, gibt es kein Problem. Ich habe noch nie jemanden von der Kommunionbank zurückgewiesen.

Was halten Sie von Papst Franziskus?
Er hat frischen Wind in die Kirche gebracht und ich freue mich erst einmal, dass ich ihn am Mittwoch bei einer Generalaudienz sehen kann. Er ist in den modernen Medien präsent, zum Beispiel auf Twitter. Zentral finde ich seine Enzyklika ‚Evangelii Gaudium', die eine Reihe von Anfragen an unsere tägliche Praxis stellt. Er ist ein Querdenker im guten Sinne des Wortes.

Was lesen und schreiben Sie, wo Sie Twitter und damit Social Networks ansprechen, eigentlich auf Facebook?
Ich bin erst seit einigen Tagen auf Facebook, darum kann ich dazu noch nicht ganz so viel sagen. Ich habe das gemacht, weil ich gesehen habe, dass die Gemeinde St. Vitus da sehr rege ist. Darum muss ich sehen, dass ich auch von dort meine Informationen bekomme. Aber, mein eigenes Verhalten kann ich noch nicht analysieren.

Nehmen Sie eine Schulung?
Ich hoffe, dass ich das auch so hinkriege.

Interview der Ruhrnachrichten vom 04.04.15