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Pfr. Bernhard Lütkemöller beim Interview mit Maria NiermannPfarrer Bernhard Lütkemöller
Interview von Maria Niermann für 'Gemeinsam unterwegs' 2015

„Der Neue“ ist seit nun neun Monaten Pastor in Olfen. So ganz neu also nicht mehr. Und was wissen die Olfener über Pastor Bernhard Lütkemöller? 

Er predigt frei, benötigt keinen Stichwortzettel, die Stichworte hat er offensichtlich im Kopf. Er ist gut organisiert, heißt es. Für seine Arbeit nutzt er gerne die neuen Medien: den Computer, das Handy. Er weiß, was er will, heißt es. Ja und treffsicher ist er, immerhin sicherte er sich beim Olfener Schützenfest mit einem gezielten Schuss die Vogelkrone.

Die GU-Redaktion wollte aber noch ein wenig mehr über seine ersten neun Monate in Olfen wissen und traf ihn in seinem mit Büchern gefüllten Büro im Pfarrhaus.

Von Jura zur Theologie
Wir erfahren, dass wir es im weitesten Sinne seiner Liebe zur Musik und zum Gesang zu verdanken haben, dass aus dem Jurastudenten Bernhard Lütkemöller ein Theologiestudent wurde. „Zum Jura-Studium hatte ich mich entschlossen, weil ich die Welt etwas gerechter machen wollte“, erinnert er sich. Das erklärte er auch seinem Heimatpfarrer, der ihn nach einer Chorprobe zu einem Gesprächskreis von Taizé-Fahrern einlud.

Nach einigen Treffen, bei denen über Gott und die Welt, über Kirche und Engagement gesprochen wurde, fragte ihn der Pfarrer, ob es nicht besser wäre, Theologie für das Priesteramt zu studieren. Eine unerwartete, ganz neue Perspektive für den 23jährigen! Das Ergebnis dieser Frage ist offensichtlich. 

Freundschaften mitnehmen
Die Verbindung zu seinem ehemaligen Heimatpfarrer besteht weiterhin. Dieser predigte auf der Primizfeier von Pfarrer Lütkemöller, der dann während der Feier zum Goldenen Priesterjubiläum seines Freundes die Festpredigt hielt.

Überhaupt versucht Pastor Lütkemöller Kontakt zu Freunden und Bekannten aufrechtzuerhalten, die er während seiner Jahre als Diakon, Kaplan, Pastor oder im Weihekurs geknüpft hat. „Klar, ich konnte nicht alle Beziehungen mitnehmen. Es haben sich aber viele lebendige Freundschaften entwickelt, von denen ich etliche aufrecht erhalte.“ 

Auf die Frage, ob er ein geselliger Mensch sei, antwortet er unschlüssig. In passender Runde könne er sicherlich gesellig sein, meint er. „Was ich aber nicht kann ist der ‚Smalltalk‘ – Gespräche über Belanglosigkeiten, die mag ich nicht. Dann sage ich lieber nichts.“ 

Authentischer Gottesdienst
Hier wie an manch anderen Stellen des Gespräches ist er konsequent in seinen Ansichten. So sagt er: „Gottesdienst ist ein „heiliges Spiel“, da gibt es Regeln und notwendige Elemente. Das ist unverzichtbar!“ Wenn er Gottesdienst feiere, dann müssen die Worte und Texte nicht nur zueinander passen, sondern authentisch sein. „Was durch meinen Mund geht, muss auch zu mir passen!“, sagt er.

Musik hören und Klavier spielen
Pastor Lütkemöller mag klassische Musik, er mag die Kirchenmusik und er mag auch singen. „Das Lob Gottes wird doch nirgendwo so verwirklicht wie in der Kirchenmusik“, sagt er voller Überzeugung. „Aber im Chor mitsingen ist natürlich schwierig“, sagt er. „In der Regel stehe ich ja am Altar, wenn der Chor singt.“ So ist Musik hören, Klavier spielen und auch Lesen für ihn Entspannung.

Neue Medien
Und dann ist da noch der Zugang zu den neuen Medien. E-Mails werden von ihm schnell beantwortet, mit den Eltern einer Taufgruppe kommuniziert er innerhalb einer Whats-App-Gruppe, die Gemeinde ist bei facebook dabei.

„Ich habe diese Möglichkeiten einfach ziemlich früh erkannt. Sie erleichtern vieles.“ Und dann sagt er noch: „Ich bin überzeugt davon: Wenn Paulus heute leben würde, hätte er eine Online-Redaktion.“

Ehrenamt in Olfen fällt auf 
Ja - und dann müssen wir natürlich über Olfen und die Olfener sprechen. Was hat Bernhard Lütkemöller vorgefunden, als er Anfang des Jahres nach Olfen kam. „Ich habe hier intensives ehrenamtliches Engagement vorgefunden. Die Ehrenamtlichen arbeiten mit einer großen Ernsthaftigkeit und äußerst selbstständig“, beschreibt Pastor Lütkemöller die Gemeinde. „Ich bin sicher, hier würde etliches funktionieren – auch wenn es keinen Pastor geben würde.“ Hier grabe keine Gruppe einer anderen das Wasser ab. „Obwohl manchmal die gleichen Personen in unterschiedlichen Gruppen aktiv sind.“

Gruppen besser vernetzen
Ziel müsse es nun sein, diese Gruppen miteinander zu vernetzen. „Wir können nur miteinander unterwegs sein, wenn wir uns aufeinander einlassen.“ Sätze bzw. Thesen wie diese hat Pastor Lütkemöller immer wieder parat. Wenn er über Gottes- und Nächstenliebe spricht sagt er: „Das eine geht nicht ohne das andere: Wenn jemand sagt, er liebe Gott, aber den Nächsten hasst, dann geht das nicht.“ - und zitiert damit den Evangelisten Johannes.

Unser Gott fügt
Und dann sagt er noch über Gott: „Er tut nichts als fügen.“ An dem Abend als er nämlich im Jahr 1976 davon überzeugt wurde vom Jura- zum Theologiestudium zu wechseln, hätte er eigentlich Kegeln müssen. „Aber der Kegelabend fiel aus und ich ging zum Diskussionsabend mit den Taize-Leuten. Wie gesagt: Der liebe Gott tut nichts als fügen!“

Maria Niermann