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Pfr. Bernhard LütkemöllerGrußwort 
an die Leserinnen und Leser von 'Gemeinsam unterwegs' 2015

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

das erste Grußwort, das ich als ‚neuer Pastor‘ von St. Vitus schreiben darf, trifft uns alle in einer außergewöhnlichen Situation: Menschen aus vielen Ländern dieser Erde, insbesondere aus dem Nahen Osten, kommen in bisher nicht gekannter Zahl zu uns als Flüchtlinge und Asylsuchende.

Das ist nicht nur unter dem Aspekt der Unterbringung und Verpflegung eine gewaltige Herausforderung. Nicht die großen Zahlen sind es, die mich nachdenklich werden lassen, sondern mehr noch die zahllosen, individuellen, ganz unterschiedlichen Schicksale, die diese Menschen veranlasst haben, ihre Heimat, ihre Habe und ihre Familien zurückzulassen und hier bei uns ein vor Krieg und Bürgerkrieg sichereres Leben anzustreben.

Ehrenamtliche helfen
Gemeinsam mit der Stadt OIfen versuchen zahlreiche Ehrenamtliche im und mit dem ökumenischen ‚Arbeitskreis Asyl‘ die größten Nöte zu lindern und auch menschliche Nähe und Verständnis zu zeigen. Dafür allen Engagierten ein herzliches Dankeschön! 

Es wird noch eines langen Atems bedürfen, um denen, die nach Prüfung und Anerkennung ihres Asylantrages hier bei uns in Olfen bleiben wollen, eine menschliche und berufliche Perspektive aufzeigen zu können. Wir sind da alle, ob gebürtige Olfener, Zugezogene wie ich oder uns zugewiesene Menschen wie die Flüchtlinge und Asylsuchenden, ‚miteinander unterwegs‘. Deshalb ist der Titel unseres jährlichen Heftes tatsächlich zutreffend. 

In der Herberge war kein Platz
Ich möchte den Blick noch weiten und drei Menschen einbeziehen, die auch miteinander unterwegs waren, wenn auch nicht in unseren Tagen, sondern vor mehr als 2000 Jahren: die schwangere Maria, die die Geburt ihres Sohnes Jesus erwartete, war mit Josef auf dem Weg von Nazareth nach Bethlehem. Sie fanden jedoch dort keine Aufnahme, ‚weil in der Herberge kein Platz für sie war‘, so das Lukasevangelium (Lk 1,7).

Mit der Geburt Jesu im Stall, draußen auf den Feldern vor Bethlehem, begann dann aber ein neues Kapitel in der Geschichte Gottes mit uns Menschen. In diesem kleinen, unscheinbaren
Kind zeigte Gott seine liebende, uns zugewandte Wesensseite. Er wollte und will uns nahe sein. Er geht in Jesus unsere Menschenwege mit uns. Gott und wir Menschen sind seit und mit Jesus ebenfalls ‚miteinander unterwegs‘! 

Einladung zum Glauben
Kann es eine schönere, eine bessere Botschaft geben? Der Schöpfer-Gott, der unser menschliches Maß unendlich übersteigt, kommt uns nahe, macht sich in Jesus erkennbar und begleitet unser Leben in dem Maß, wie wir uns an der Botschaft dieses Jesus orientieren. Kein Zwang zum Glauben, sondern eine Einladung, sich im Glauben darauf einzulassen.

Dieser Zuspruch birgt aber auch einen Anspruch: der Botschaft Jesu nicht nur in den eigenen Worten und Gedanken zur Geltung zu verhelfen, sondern auch in den eigenen Taten. Die Feier von Advent und Weihnachten würde hohl und schal, wenn wir uns nicht bemühen würden, auch die anderen in der Familie, im Freundeskreis, in der Gemeinde und in der Stadt daran teilhaben zu lassen.

Nicht zufällig hat sich der Brauch entwickelt, zu Weihnachten Menschen zu beschenken. Für die, die eigentlich genug besitzen, kann es ein schönes Zeichen sein, für die, denen das notwendigste fehlt, ist es eine echte Hilfe, ein Zeichen der Zuwendung und der Liebe. Glaubende setzen dieses Zeichen, um so deutlich zu machen: das größte Geschenk ist Gott selbst, der uns hilft, der sich uns zuwendet, damit wir uns einander zuwenden und das bleiben, was zum Wesen des Christen gehört: miteinander unterwegs“!

So grüße ich Sie alle von Herzen und wünsche Ihnen Kraft aus dem Glauben an Jesus Christus, unseren Retter, dessen Geburtsfest wir Weihnachten feiern!

Bernhard Lütkemöller
Pastor von Olfen und Vinnum