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Predigt Weihnachten 2013

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

wir feiern, dass Gott sich unserer Menschheit noch mehr angenommen hat. Dass er als Mensch zu Welt kam.

Wir feiern dies mit Gottesdiensten, mit Geschenken, mit Familienfesten und mit Lichterglanz und geschmückten Bäumen.

Die strahlenden Lichter, die wir schon seit einigen Wochen in den Städten leuchten sehen, drücken das aus, wovon wir in den Texten hören konnten:

„Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ (Jes 9,1)

In diesem alten Text aus dem Buch Jesaja wird Jesus als das Licht, das in die Welt kommen wird, angekündigt. Dieses Volk, Gottes Volk, wird aufgerichtet durch diesen strahlenden Glanz: Jesus Christus.

Von seiner Geburt konnten wir im Evangeliumstext hören.

„Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2, 9-11)

Der Glanz Gottes umstrahlte den Engel, denn er verkündet die Botschaft, dass der Retter geboren ist. Jesus Christus, das Licht, das in die Welt kommen soll.

Dieses Licht, dieser Glanz verdeutlichen all das, was wir an Weihnachten feiern.

Doch wohin strahlt das Licht heute? Wohin geht der Glanz?
Nur zu uns in die Familien?
Nur zu uns in die Wohnzimmer?
Nur hier in der Kirche?

Liebe Schwestern und Brüder,

„Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu verkünden.“

Bei seiner Antrittsrede als erster frei gewählter Präsident Südafrikas sprach Nelson Mandela diese Worte.

„Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu verkünden.“

Für mich strahlen im Leben und in den Worten dieses am Nikolausabend gestorbenen Mannes hier sehr weihnachtliche Worte durch.

Mandela hat sich immer für den Frieden, für die Versöhnung der Menschen in Südafrika eingesetzt, wofür er 28 Jahre in Haft war. Mandela war ein Mensch, der in seinem Leben viel Unrecht erleiden musste, der aber nie Groll oder Hass auf diejenigen hegte, die ihm das angetan haben. Der sich nach dem jahrzehntelangen Kampf für Gerechtigkeit, der viel Ungerechtigkeit und viele Opfer einbrachte, für Versöhnung zwischen Unterdrückern und Unterdrückten einsetzte.

„Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu verkünden.“

Wenn wir dies als Botschaft von Weihnachten nehmen, dann hat das Folgen: dann kann nicht alles beim Alten bleiben. Dann werde ich nicht so leben, als gäbe es Gott in meinem Leben nicht.

Wenn wir Gottes Glanz verkünden wollen, dann kann das heißen, z. B. dass ich meine Stimme erhebe gegen all das Gottlose und Geistlose in der Welt, dass ich nicht jeder Mode willenlos folge und dass ich nicht ständig darauf schiele: Wie komme ich an, was habe ich davon?

Wenn wir Gottes Glanz verkünden wollen, dann kann nicht alles Leid der Welt an mir abperlen, dann werden die Sorgen von anderen auch zu meinen Sorgen, dann ist Mitgefühl und Solidarität ein Wert, für den es sich zu leben lohnt.

Wenn wir Gottes Glanz verkünden wollen, dann wird dies heißen, die Verbindung zu Gott nicht abreißen zu lassen. Die Verbindung, die durch die Engel in der Nacht deutlich wurde.

Wenn wir Gottes Glanz verkünden wollen, dann wird dies heißen, für Gott einen Platz im Leben freizuhalten, ganz bewusst Zeit zu nehmen für mich und ihn – vielleicht im persönlichen Gebet zu Hause oder unterwegs, vielleicht im Gottesdienst in der Gemeinschaft mit anderen.

Dieses Fest will alles in einem anderen Glanz erscheinen lassen. Nehmen wir den Zauber und den Glanz dieser Nacht mit nach Hause, lassen wir ihn ein in unser Herz. Und wenn wir mit einander beim weihnachtlichen Spaziergang „Frohe Weihnachten“ wünschen, nehmen wir diesen Glanz mit hinein, dass es wirklich frohe und glanzvolle Weihnachten werden.

Denn: „Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu verkünden.“

Martin Reuter