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Predigt zur Beerdigung von Joachim Worms
St. Vitus Olfen - 26. Juli 2014

Liebe Frau Worms,
liebe Familien Worms und Grote,
liebe Verwandte, Angehörige und Freunde unseres verstorbenen Bruders Joachim,
liebe Schwestern und Brüder,

es sind tröstende Worte, die uns in den Lesungstexten zugesprochen werden.

Die Lesung aus dem Epheserbrief spricht davon, dass wir schon vor der Erschaffung der Welt von Gott erwählt sind. Gott weiß von uns, Gott lenkt und begleitet uns. Ein Leben lang und auch im Tod und darüber hinaus.

Joachim Worms hat mit diesem Glauben gelebt. Bei unserem Gespräch diese Woche berichteten Sie mir, dass er fest daran geglaubt hat, dass es eine Art Uhr gibt, die für jeden Menschen aufgezogen wird und irgendwann stehen bleibt. Für ihn war es am Montag soweit. Für uns alle so plötzlich ist er mitten aus dem Leben gerissen. Für ihn galt, dass er nach Gottes gnädigem Willen zu ihm gelangt ist – so schreibt es Paulus in seinem Brief.

Das kann uns in diesen Tagen trösten, in denen wir nicht verstehen können, was passiert ist, warum es passiert ist und warum keiner helfen konnte.

„Niemals geht man so ganz" – mit diesen Worten ist die Traueranzeige überschrieben. „Niemals geht man so ganz" – das trifft zu.

Niemals wird uns Joachim ganz verlassen. Er wird weiterleben in den Erinnerungen, die wir mit ihm verbinden.
Er wird uns in Erinnerung bleiben als ein fröhlicher Mensch, der uns immer zum Lachen brachte, der immer für andere da war und auch anpacken konnte, wo es nötig war.

Er wird uns in Erinnerung bleiben als der König vom Marktplatz, der immer gerne seine Kunden und Spaziergänger in ein kurzes – manchmal auch längeres – Gespräch über Gott und die Welt verwickelte.
Er wird uns in Erinnerung bleiben als ein an dem Geschehen in unserer Stadt Olfen stark Interessierter und Fördernder – nicht zuletzt auch im Werbering, aber auch darüber hinaus in anderen Vereinen.

Joachim ist fortgeholt worden.
„Können wir den Jungen nicht zu uns holen?" – So soll der Satz gewesen sein, mit dem er vor Jahren nach Olfen kam, um in die Drogerie von Onkel Hermann mit einzusteigen. Und dieser neue Wohnort ist ihm zur Heimat geworden.

„Können wir den Jungen nicht zu uns holen?" Das hat Gott nun gesagt. Joachim hat seinen Platz in der für ihn vorbereiteten Wohnung im Himmel gefunden. Wir können darauf vertrauen, dass es ihm gut geht. Wir können uns vorstellen, wie er dort im Himmel auf dem himmlischen Marktplatz steht und das Geschehen beobachtet und einstimmt in die Lieder der Engel.

In unserem Gespräch haben wir uns über Joachim unterhalten und wir konnten dabei lachen. Das finde ich gut, das ist ein gutes Zeichen, dass es weiter gehen kann und weiter gehen wird.

Worüber ich seit Donnerstagabend nachdenke, ist der Besuch, den wir beim Gespräch auf der Terrasse immer wieder bekamen. Der Schmetterling, der mithörte, der zwischendurch wegflog, aber doch neugierig war, weiter mitzuhören, was wir sprechen. Sie sagten sofort: Das ist Joachim.

Ein Schmetterling! Das frühe Christentum hat eine antike Symbolik der Verwandlung aufgegriffen und als Symbol für die Auferstehung Christi verstanden. Der Schmetterling ist ja nicht von Anfang an da, sondern macht eine Entwicklung durch. Aus dem Ei entsteht eine Raupe, und nach einer ganz bestimmten Zeit verpuppt sich die Raupe in einem Kokon, bis sich dann schließlich der Schmetterling ent-puppt. Am Ende entsteht etwas ganz Neues und Schönes.

So ist der Schmetterling zu einem österlichen Zeichen geworden, zu einem Symbol der Hoffnung, der Verwandlung und des neuen Lebens, zu einem Symbol dafür, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, dass aus etwas scheinbar Leblosem etwas neues Großes werden kann.

Jesus Christus hat den Tod besiegt. Neues ist geworden. Angst und Sorgen haben sich in Freude und neue Hoffnung verwandelt.

Mit dieser Hoffnung können wir dankbar darauf vertrauen, dass Gott Joachim sich nach Hause, in sein Reich aufgenommen hat.

Er ist angekommen.
Durch seinen Glauben an Gott, der eine Wohnung für ihn bereitet hat.

Martin Reuter, Pastoralreferent