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Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis
17. August 2014


„Die Bequemen und die Standhaften": Deutsche Christen und Christen im Nordirak

Liebe Schwestern und Brüder,

Mitte August gedenken wir vieler Märtyrer des nationalsozialistischen Regimes:

  • am 3. August: Gerhard Hirschfelder, Jugendseelsorger, ermordet im KZ Dachau 1942
  • am 9. August: Edith Stein, Philospohin, Dozentin, Ordensfrau, ermordet im KZ Auswitz 1942
  • am 12. August: Karl Leisner, im KZ geweihter Priester, Jugendgruppenleiter, an den Folgen der KZ-Haft in Dachau 1945 gestorben
  • am 14. August: Maximilian Kolbe, Ordenspater, ermordet im KZ Auschwitz 1941

Nur einige von vielen Märtyrern, die in der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft den Glauben bezeugt haben, und sogar für den Glabuen den Tod in Kauf genommen haben.

Menschen, die das Kreuz Christi getragen haben, die standhaft blieben.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

Verfolgung, Verfolgung von Christen. Wir können uns das heute kaum mehr vorstellen, aber es ist grad mal 70 Jahre her, dass das auch bei uns in Deutschland stattfand. Dass Menschen wegen ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt und getötet wurden.

In der vergangenen Woche hab ich einen Kommentar eines katholischen Nachrichtenmagazins gelesen.

Unter der Überschrift: „Die Bequemen und die Standhaften" vergleicht der Autor zwei Nachrichten des gleichen Tages, wenige Tage alt.

„In Deutschland traten massenweise evangelische und katholische Christen aus ihrer Kirche aus. Ursache ist die Einführung einer neuen, automatischen Abbuchungsmethode für Kirchensteuerbeiträge, die auf Kapitalerträge erhoben werden. Die Drohung, einige hundert Euro weniger auf dem Bankkonto zu haben, reicht aus, damit Zehntausende Christen ihre Kirche verlassen. Obwohl nichts Neues passiert, keiner mehr zahlen muss.

Am selben Tag wird aus dem Irak gemeldet, dass Zehntausende Angehörige der christlichen Minderheit sich für eine beinahe aussichtslose Flucht in die kargen Berge oder für den Tod durch Erschießung entscheiden. Die Terror-Milizen des Islamischen Staates (ISIS) haben sie vor die Wahl gestellt: Wenn sie sich ihnen unterwerfen und zum Islam konvertieren, dürfen sie weiterleben und in ihren Häusern bleiben.
Oder sie bleiben ihrer Religionsgemeinschaft und ihrem Glauben treu. Dann aber nehmen sie Tod oder Vertreibung in Kauf.
Die Standhaften riskieren eben Leib und Leben.

Ob die Christen im Irak wohl Verständnis hätten für ihre ausgetretenen Ex-Glaubensbrüder und -schwestern im sicheren und wohlhabendenden Deutschland? Resigniert möchte man sagen: Wer wegen ein paar hundert (oder bei den Reicheren: ein paar tausend) Euro auf dem Bankkonto die Kirche verlässt, hat eh nicht begriffen, was es bedeutet, der Gemeinschaft derer anzugehören, die an Christus glauben." (vgl.: Ludwig Ring-Eifel: Die Bequemen und die Standhaften" – Standpunkt vom 11. August 2014 auf katholisch.de)

Im Evangelium hören wir, wie Jesus der Frau aus Kanaa doch noch hilft. Zunächst für unsere Ohren erschreckend weißt er sie ab: Er sei nur zu den Kindern Israels geschickt worden. Doch später nimmt er sich ihrer an, da er merkt, wie groß ihr Glaube ist.

Sich anderer annehmen. Dazu ruft uns unser Glaube immer wieder auf. Den anderen in seiner Andersartigkeit annehmen, so wie er ist. Auch im Glauben, den anderen Glauben respektieren. Die Kirche musste das in ihrer Geschichte lernen.

Lernen wir auch heute davon und beten wir für unsere verfolgten Schwestern und Brüder. Seien wir die Standhaften, die in der Kirche sich versammeln zum Gebet.

Papst Franziskus ruft uns an diesem Sonntag besonders um den Frieden im Irak zu beten.

Im Juli predigte Franziskus beim Angelus:

„Der Gott des Friedens erwecke in allen ein echtes Verlangen nach Dialog und Versöhnung.
Gewalt besiegt man nie mit Gewalt.
Gewalt besiegt man mit dem Frieden!
Beten wir in Stille und bitten wir um den Frieden;
alle, in Stille ... Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!"

Schließen wir uns seiner Bitte an,
bitten wir die Heiligen Märtyrer unseres Landes um Fürbitte bei Gott.
Seliger Gerhard Hirschfelder – bitte für uns.
Heilige Edith Stein – bitte für uns.
Seliger Karl Leisner – bitte für uns.
Heiliger Maximilian Kolbe – bitte für uns.
Alle Heiligen Gottes – bittet für uns.

Martin Reuter, Pastoralreferent