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Schulseelsorger Martin Reuter - Foto: Michaela KiepeMartin Reuter ist Schulseelsorger

2016 - Eigentlich wollte er nie wieder nach seiner Ausbildung zum Pastoralreferenten an einer Schule unterrichten. Doch dann kam es für Martin Reuter anders. „Und es ist gut so, wie es ist“, revidiert er sein damaliges Unbehagen.

Seit sechs Jahren arbeitet der 37-Jährige an der städtischen Wolfhelm-Gesamtschule in Olfen als Schulseelsorger. Seine Aufgaben sind vielfältig. Drei Klassen unterrichtet er in Religion, er bietet einmal in der Woche während der Mittagspause eine Meditation im „Raum der Stille“ an,er ist für die Schüler in zahlreichen Situationen ansprechbar, bereitet Gottesdienste beispielsweise zum Start in den fünften Klassen oder zum Abschluss der Zehntklässler und Abiturienten vor. Und noch vieles mehr.

„Ich bin das Gesicht der Kirche an dieser Schule“, sagt der Religionspädagoge und fügt hinzu: „Ich stehe für den Glauben und mache Gott präsent.“ Seine Aufgaben seien Seelsorge im besten Sinn. „Ich habe Zeit für die Menschen, die zu mir kommen. Ich bin da, wo sie sind. Das sehe ich als Chance“, betont er. Das kann ein kurzes Gespräch in der Pause in seinem Raum sein, aber auch eine längerfristige Begleitung, wenn Jugendliche darum bitten. „Die Schüler öffnen sich. Sie sprechen mit mir über ihr Leben, über das, was sie umtreibt. Das können Probleme in der Schule oder Familie beispielsweise sein“, sagt er.

960 Heranwachsende aus Olfen und der näheren Umgebung kommen jeden Tag in die Schule. „Davon kann auch ein großer Teil zu unserer Pfarrei St. Vitus gehören“, betont Reuter. Berührungspunkte zur Arbeit in der Pfarrei, die den zweiten Teil seiner Vollzeitstelle ausmacht, gibt es einige. Manche Schüler sind als Messdiener aktiv, andere engagieren sich bei den Pfadfindern. „Aber einen großen Teil treffe ich in der Firmvorbereitung wieder. In den vergangenen Jahren erhalten wir immer mehr Anmeldungen“, berichtet er und führt das auch auf seine Präsenz in der Schule zurück. Denn Reuter ist der erste feste Schulseelsorger an der städtischen Einrichtung. „Zuvor wurde die Schule von Kaplänen oder Pastoralreferenten nur punktuell begleitet“, weiß der verheiratete Familienvater. Gerade die Firmung sei eine Chance, Jugendlichen den Glauben noch einmal anzubieten.

Der Religionsunterricht war anfangs nicht sein Steckenpferd. „Der Vorteil ist, dass ich die Schülerinnen und Schüler kennenlerne. Der Nachteil: Sie sehen in mir den Lehrer und nicht den Seelsorger. Mittlerweile überwiegen aber klar die Vorteile“, berichtet er. Jedoch hat er im Unterricht beobachtet, dass christliche Themen zurzeit wenig Bedeutung für die Jugendlichen haben. Allerdings ist eine Offenheit für Religiöses zu spüren. „Sich mit dem offensichtlich Fremden zu beschäftigen, macht ihnen mehr Freude, als sich mit dem Bekannten auseinanderzusetzen“, hat er beim Thema Weltreligionen erfahren.

Zudem gingen die Inhalte eher in den Bereich der Religionskunde. „Aber ob das immer einen großen Verkündigungscharakter hat, ist fraglich“, merkt er an.  Ihn reizt es, da zu sein, wo die Jugendlichen sind und verkündigend zu wirken. „Jesus hat auch nichts anderes gemacht“, sagt Reuter. Gefragt war er auch, als Halterner Schüler und Lehrer bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. „Haltern ist nah. Wir haben unseren ‚Raum der Stille‘ geöffnet sowie einen Tisch mit einer Kerze und einem Fürbittbuch im Forum aufgestellt“, berichtet er. Zahlreiche Schüler hätten dieses Angebot angenommen.

Reuter möchte an der Schule die Seelsorge immer wieder ins Gespräch bringen. Denn er ist sicher: „Wir haben den Jugendlichen einiges von unserer Botschaft mitzugeben.“

Die Entscheidung, Pastoralreferent zu werden, hat er bis heute nicht bereut. Im Gegenteil: „Es ist für mich der schönste Beruf, den es gibt. Man braucht zwar ein gehöriges Organisationstalent, aber man kann mit vielen verschiedenen Menschen zusammenarbeiten. Das ist toll.“

Bischöflichen Pressestelle, Michaela Kiepe

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