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Martin Reuter PatoralreferentPredigt Ostern 2017 (A)
15. April 2012, 21.00 Uhr – 9.00 Uhr – 10.30 Uhr

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
wir feiern heute die Auferstehung Jesu Christi, den Sieg des Lebens über den Tod. Er, Jesus, der uns Gott als den Gott des Lebens verkündet hat, ist selbst nun der Lebendige Gott, der Auferstandene. Vor einer Woche haben wir an seinen Weg nach Jerusalem gedacht. Am Palmsonntag ist er dort mit Palmen, mit Kleidern auf dem Weg begrüßt worden. Ein Siegeszug in die Stadt hinein, wie er prächtiger nicht sein konnte.

Auf dem Weg nach Jerusalem – von seiner Heimat Galiläa aus – heilte er die Kranken, predigte und war mit seinen Jüngern unterwegs. Und dann? Die Jünger verließen ihn nach und nach, beim Kreuz – so schreibt es Matthäus – ist niemand mehr dabei. Nur ein paar schauten „von weitem zu; sie waren Jesus seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.“ (Mt 27, 55f.)

Selbst Petrus wird ihn verlassen, obwohl er dies auf dem Weg zum Ölberg nach dem Abendmahl deutlich abstreitet: „Und wenn alle an dir Anstoß nehmen — ich niemals! Und wenn ich mit dir sterben müsste — ich werde dich nie verleugnen.“ (Mt 26, 33.35)

Die Frauen aber bleiben und werden zu Zeugen des Todes, und – so hörten wir – zu ersten Zeugen der Auferstehung. Sie sind ihm treu geblieben über den Tod hinaus, sie beobachteten den Josef aus Arimatäa, als er Jesus in einem Grab beerdigte. Sie gingen dann am Morgen des dritten Tags zum Grab, um Jesus zu salben.

Aber: Nichts! Wirklich nichts?

Das Grab öffnet sich mit einem gewaltigen Erdbeben und ein Engel erscheint. Die Frauen werden sich gewundert haben, dass es wieder bebt. Beim letzten Mal bebte es, als Jesus am Kreuz starb. Und nun hören sie die unglaubliche Botschaft: „Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Mt 28, 6)

Die Frauen fliehen vor Furcht von diesem Ort, aber es wird auch ein anderes Gefühl bei ihnen sein: Große Freude. Während der Flucht aber kommt der Auferstandene selbst plötzlich auf dem Weg ihnen entgegen und ruft ihnen zu: „Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28, 9)

Sie erkennen ihn sofort, die Furcht weicht und die Freude breitet sich aus. Diese Nachricht musste gesagt werden. Sie gibt dem bisher Geschehenen überhaupt erstmal neuen Sinn. Ohne diese Botschaft fehlt etwas Entscheidendes. Seit Menschen denken können, gibt es schlechte, schreckliche Nachrichten. Auch in der Welt, in der wir leben, gibt es mehr als genug davon:

  • Menschen sterben und ihr Tod reißt eine Lücke ins Leben der Zurückgebliebenen;
  • ernsthafte Krankheiten gefährden das Leben;
  • menschliche Tragödien ereignen sich;
  • Menschen erleben Brutalität und Terror,
  • Krieg und Verfolgung, Angst und Verzweiflung.

Beim Tag des Friedhofs im Oktober des vergangenen Jahres hatten wir dieses Plakat am gemeinsamen Informationstisch von evangelischer Christuskirchengemeinde und St. Vitus: „Christen schauen über den Horizont hinaus!“

Dieser Satz ist einer von Willi Hoffsümmer überlieferten Anekdote entnommen: „Ein protestantischer Missionar arbeitete schon jahrelang bei den Papuas in der Südsee. Bei der Bibelübersetzung in die Sprache der Einheimischen fand er nicht den rechten Ausdruck für das Wort 'Hoffnung'. Er suchte lange nach diesem Begriff, bis er eines Tages sein neugeborenes Kind zu Grabe tragen musste. Ein Papuajunge, der zusah, wie der Vater seinen Sohn begrub, sagte zu dem Missionar: „Ich sehe dich gar nicht weinen.“ Darauf der Vater: „Warum denn, wir werden uns wiedersehen. Unser Kind ist bei Gott.“ Und der Junge für sich: „Ja, ich hörte es. Ihr Christen schaut über den Horizont hinaus.“ - Über den Horizont hinausschauen ... Ja, jetzt wusste der Missionar, wie er das Wort 'Hoffnung' zu übersetzen hatte.“

Wir Christen haben diese Hoffnung über den Tod hinaus, wir schauen immer mit erweiterter Perspektive über den Horizont hinaus, über den Tod hinaus in das Ewige, über den Tod hinaus in das für uns versprochene und schon gültige ewige Leben. Diese Perspektivenerweiterung verheißt uns: Das Leben wird letztlich über den Tod siegen.

  • Auch dann, wenn unser Erleben oft eine andere Sprache spricht.
  • Auch dann, wenn uns der Augenschein oft andere Bilder zeigt.
  • Auch dann, wenn der weltweite Terror immer näher kommt. Erst New York, dann Brüssel, London, Paris, aber auch afrikanische Länder, zuletzt am Palmsonntag noch in Ägypten. Dann aber schon Berlin im Dezember. Und nun in dieser Karwoche Dortmund – auch wenn wir noch immer nicht wissen, was genau passiert ist.

Ich kann von mir sagen, dass ich am Dienstagabend geschockt war. Ich habe bis kurz nach zehn nichts mitbekommen, da ich die Osterkerzen fertig gemacht habe und diese Predigt angedacht habe. Und dann: Ein echt großer Schock für mich.

Die Hoffnung von Ostern aber macht mutig. Sie ruft auf zum Handeln aus neuer Hoffnung. Sie macht solidarisch. Und das hat sich schon sofort in der Nacht in Dortmund gezeigt, als Dortmunder Fans des AS Monaco aufgenommen haben. Ob dies nun wirklich immer aus christlicher Überzeugung geschehen ist, weiß ich nicht. Aber ich kann es aus unserem christlichen Glauben deuten: Das ist Leben aus dem Auferstehungsglauben, das ist Solidarität und konkrete Hilfe.

Werden wir nicht müde, diese Botschaft in unser eigenes Leben und in die dunklen Gassen dieser Welt hinein zu rufen und mit unserer Perspektiverweiterung über den Tod und den Terror hinaus zu verbinden.

So wünsche ich uns: Frohe Ostern, gesegnete Ostern!

Martin Reuter
Pastoralreferent