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Bernd de Baey (l) und Lutz Trautmann mit dem Ziborium aus dem Jahre  1716.     RN-Foto Edith MöllerBarockes Ziborium im Kirchenschatz
17.06.10 - Ruhr Nachrichten

Olfen • In einer dunklen Ecke, im hintersten Teil des Tresors der Sakristei lagerte seit ewigen Zeiten ganz unscheinbar ein echter Schatz, von dem niemand etwas wusste und der nur durch Zufall ans Tageslicht befördert wurde: ein barockes Ziborium aus dem Jahre 1716.

Die lateinische Übersetzung für Ziborium lautet „Trinkbecher", der zur Aufbewahrung von Hostien verwendet wird. Der silberne, teilvergoldete Kelch mit Deckel ist 33 cm hoch. Der Fuß ist 15 cm breit. Voller Stolz präsentierten Pastor Bernd de Baey und Stadtarchivar Lutz Trautmann das vor einiger Zeit restaurierte Prachtstück. „Keiner weiß, wie das Ziborium hierher gekommen ist", erzählte Pastor de Baey. Für die kleine Dorfkirche in Olfen wäre der kostbare Kelch unerschwinglich gewesen.

Im Laufe seiner Nachforschungen hat Lutz Trautmann, der seit einem Jahr als Archivar bei der Stadt Olfen tätig ist, in Münster beim Landesmuseum und Archivamt festgestellt, dass das Ziborium von einem Goldschmied in Münster gearbeitet wurde. Johann Ludger Jochmaring, von dem keine weiteren Werke bekannt sind, war nur acht Jahre in seinem Beruf tätig.

Weinblätter

Neben rankenden Weinblättern, drei goldenen Medaillons, die den Heiligen Dominikus, den Heiligen Thomas von Aquin und die Heilige Katharina von Siena zeigen, ist auf dem Fuß des Ziboriums ein Ehewappen mit einer Krone und der Inschrift „Maria Zusanna Gräffin von Galen gebohrene Gräffin von Saura Anno 1708" eingraviert. Die Gräfin stammte aus Östereich. Ihr Mann, Reichshofrat Christoph Heinrich von Galen war münsterscher Gesandter am Kaiserhof in Wien. Da es keine genauen Aufzeichnungen gibt, kann nur vermutet werden, dass die Gräfin von Galen das Ziborium einem Dominikanerkonvent stiftete. Auf welchen Weg es dann nach Olfen gelangte, konnte aufgrund mangelnder Quellen nicht festgestellt werden.

Auch weiterhin wird das Ziborium im Tresor der Sakristei aufbewahrt, kommt aber an besonderen Feiertagen, etwa zur Anbetung an Gründonnerstag oder beim Austeilen der Kommunion zum Einsatz.
• em