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6. Bischof von Münster stammt aus Olfen

Bischof Wolfhelm vor der Kirche St. Vitus OlfenDie wichtigste Persönlichkeit in der Frühgeschichte der Stadt Olfen ist Bischof Wolfhelm. In seinen Schenkungsurkunden aus dem Jahre 889 wird zum ersten Male in der Geschichte Olfen unter den Bezeichnungen "Ulfloo, Ulflao, Ulflaon" erwähnt. Der Name "Ulfloo" setzt sich zusammen aus "Ulf" gleich "Wolf" und "loh" als das alte Wort für den kleinen "Wald", was zu der Übersetzung "Wolfswald" führt.

Wolfhelm entstammte einem begüterten und wohlhabenden sächsischen Adelsgeschlecht. Der ausgedehnte Besitz seiner Familie lag in einem Gebiet, das von der Weser bis an die Grenzen Hollands und südwestlich bis an die Lippe reichte.

Der Hauptsitz dieser Erbgüter war der Oberhof "Ulfloo". Der Bezirk, in dem der Oberhof, von einem tiefen und breiten Wassergraben umgeben, seinen Standort hatte, trägt heute noch den Namen "Wasserburg".

Wolfhelm (887 - 895) war der erste Münsterländer und der erste Sachse auf dem Stuhl des heiligen Ludger in Mimigardeford (ab dem 11. Jahrh. Münster genannt). Durch die Einsetzung eines sächsischen Adeligen zum fünften Nachfolger des Friesen Liudger wurde endgültig die über hundert Jahre alte Feindschaft zwischen den Franken und Sachsen aufgehoben, die zu zahlreichen Kriegen und blutigen Schlachten geführt hatte.

In der Chronik des Bistums Münster wird Wolfhelm als einer der bedeutendsten und tatkräftigsten Bischöfe des frühen Mittelalters bezeichnet. Wörtlich heißt es in den Aufzeichnungen:

Wichtig für die innere Entwicklung des Bistums wurden die Synoden

Eine Synode ist die Versammlung aller Priester des Bistums beim Bischof. Erstmals ist für das Jahr 889 solch eine Synode in den Urkunden überliefert; Bischof Wolfhelm hatte sie einberufen.

"Gleichzeitig kamen zu diesen Priesterversammlungen auch Händler und Bauern in die Stadt, um Markt zu halten. Kirmes und Topfmarkt in Münster tragen noch heute den Namen 'Send', der sich von der ersten 'Synode' des Bischofs Wolfhelm ableitet."

Von wesentlicher Bedeutung für die Stadtgeschichte Olfens sind die schon erwähnten Schenkungsurkunden Bischof Wolfhelms. König Arnulf schenkte am 2. Juli 889 im Königspalast zu Frankfurt dem Bischof Wolfhelm Reichsgüter, die seine Brüder Aldric und Walh bisher als Reichslehen verwalteten. In dieser ersten Schenkungsurkunde heißt es u.a.:

"Gern kommen WIR seiner Bitte nach und haben ihm alles, was zwischen den Orten SELIHEIM und SOLISON seine Brüder als Lehen gehabt haben, mit aller Unversehrtheit nach ewigem Rechte zum Eigentum gegeben."

Die Orte "Seliheim" und "Solison" sind die heutige Stadt Selm und die heutige Bauernschaft Sülsen. Am 6. Juli 889 überträgt der Bischof Wolfhelm im Königspalast seinen gesamten Besitztum dem Kloster Werden und lässt darüber eine weitere Schenkungsurkunde ausfertigen. Wörtlich heißt es in diesem Dokument:

"Diese Schenkung nahm Graf Heremanus zu Händen des Abtes Hembil in Empfang, nämlich U1fao (heute Olfen) mit Gebäuden und Gärten, mit Ländereien und Waldungen, mit Gewässern und Weiden, alles, was zu diesem Grundbesitz gehört."

Am 16. Oktober 889 (das wichtigste Datum für die Frühgeschichte Olfens) bestätigten Bischof Wolfhelm und Hembil, der Abt des Klosters Werden, in Ulflaon die in Frankfurt vollzogene Schenkung. Ein kurzer Auszug aus der Schenkungsurkunde verdeutlicht dieses wichtige Ereignis für den Ursprung Olfens:

"Dann kamen wir, ich Bischof Wolfhelm, und Hembil, der Abt des Klosters Werden, mit den Reliquien des heiligen Märtyrers Apollinaris und des heiligen Liudgerus, die der erwähnte Abt mitbrachte, am 16. Oktober unter großem Zulauf des Volkes und mit den Grafen und den gräflichen Söhnen nach Ulflaon . Vor der gesamten Menge habe ich, Bischof Wolfhelm, mit meinen Brüdern Aldric und Walh zum dritten Male diese Schenkung vollzogen, dass obengenannte Ortschaft Ulflaon im Besitz des heiligen Liudgerus zum Nutzen der Mönche zu Werden diene, zusammen mit den dreißig Familien und ihren Ländereien, die zum Oberhof gehören."

Diese Schenkung bestand also aus dem Haupthof Ulflaon (Olfen), der dazu gehörenden Eigenkirche St. Vitus und den dreißig abhängigen und abgabepflichtigen Unterhöfen.

Zum Schluss der Urkunde werden diese Höfe mit sächsischen Namen aufgezählt, deren Lage und Besitzer zum Teil noch heute feststellbar sind, z.B. Langonezca = Langenesch, Bauer in der Bauernschaft Kökelsum in Olfen; Dulmenni = Dülmen, Bunhlaron = Buldern, Recnon = Reken, Situnni = Sythen, Terneza = Ternsche, Solison = Sülsen u.a.

Genau wie in der Stadt Olfen wurde deshalb in einigen Ortschaften, die in der Urkunde als Nebenhöfe genannt werden, im Jahr 1989 die 1100 Jahresfeier begangen.

Bischof Wolfhelm ist ferner wichtig für die geschichtliche Entwicklung der ersten Kirche in Olfen. Aus der zweiten Schenkungsurkunde ist zu entnehmen, dass die Kirche St. Vitus zu Olfen schon vor dem Jahre 889 bestanden hat. In der Urkunde steht vermerkt, dass die Schenkung des Bischofs Wolfhelm an das Kloster Werden auch "die Kirche am Ort namens Ulfloan mitsamt dem Hofe und seinen Gebäuden" einbezieht und dass diese Kirche dem heiligen Vitus geweiht ist.

Man kann daraus schließen, dass die erste Kirche in Olfen vor dem Jahre 889 gegründet worden ist, aber nicht vor dem Jahre 836; denn erst in diesem Jahr erfolgt die "translatio St. Viti", d.h. die Überführung der Reliquien des heiligen Vitus von Saint Denys in Frankreich zum Kloster Corvey.

die erste Kirche in Ulfloan St. VitusAls Gründer der Kirche St. Vitus sind der Vater oder der Großvater des Bischofs Wolfhelm anzusehen, da Wolfhelm in der Schenkungsurkunde den Oberhof Ulfloo und die Kirche St. Vitus als sein "väterliches Erbe" bezeichnet.

Die Gründung der Eigenkirche St. Vitus steht am Anfang der Entwicklung der Stadt Olfen.

Nach der Christianisierung der Sachsen wurde der Oberhof Ulfloan mit der Eigenkirche St. Vitus zum Mittelpunkt ausgedehnter Kirchspiele (Olfener Kirchspiel). An Sonn- und Feiertagen strömten die Bauern der Kirchspiele zu ihrer Kirche, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte siedelten sich Handwerker und Händler um die Eigenkirche St. Vitus an.

Aus dem kleinen "Kirchdorf" ist eine Kleinstadt, westfälisch "Wigbold", und aus dem "Wigbold" schließlich die Stadt Olfen entstanden.

Quelle: Bernhard Wilms, Olfen (Ulfloo, Ulffloo, Ulflao, Ulfloa, Ulflaon) - ein geschichtlicher Hintergrund -, Heimatverein Olfen e.V. Heft 3/1989